Nach Haftbefehl

Verdächtiger Bombenleger aus Wedding schweigt

Der mutmaßliche Rohrbomber vom Schillerpark hat sich zu den Tatvorwürfen bisher nicht geäußert. Bei einer Durchsuchung in Wedding wurden mehrere Hundert Bauteile für Sprengvorrichtungen in der Wohnung des 44-Jährigen entdeckt.

Der am Donnerstagabend von der Polizei festgenommene Bombenleger Stephan S. schweigt. „Bislang hat er sich zu den Tatvorwürfen nicht geäußert“ sagte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, am Sonnabend. Doch seine Einkäufe mittels Internet sowie die in seiner Wohnung sicher gestellten Beweismittel haben den Mann überführt. Daher ist sich die Ermittlungsbehörde sicher: Der 44 Jahre alte Stephan S. ist verantwortlich für die Explosion einer Rohrbombe und der Herstellung zwei weiterer Sprengkörper. Eine der Rohrbomben war versteckt in einer Plastiktüte am 14. August im Schillerpark explodiert und hatte einen 58-Jährigen schwer verletzt.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Bombenbauers in Wedding hatten die Spezialisten des Landeskriminalamtes am Freitag ein Gewehr, ein elektronisches Kartenlesegerät, einen Computer, diverse elektronische Bauelemente sowie zahlreiche Bestandteile zur Herstellung von Rohrbomben gefunden. Mit relativ wenig Aufwand sind diese Stoffe über das Internet zu erwerben. Diese Käufe hatten Stephan S. schließlich verraten. Denn über die Bestellungen kamen die Ermittler des Staatsschutzes auf die Spur des 44-Jährigen.

Die Beamten nahmen den 44-Jährigen am Donnerstag auf seiner Arbeitsstelle in Hohenschönhausen fest. Dass er in seiner etwa 100 Quadratmeter großen Wohnung über Jahre hinweg mit Chemikalien hantierte und an Rohrbomben gebastelt hatte, versetzt die Nachbarn in Angst. Sie bezeichnen den 44-Jährigen als unscheinbaren und sehr zurückgezogen lebenden Mann, der auch keine Besucher bei sich in seiner Wohnung in der dritten Etage empfing. „Ein Einzelgänger, der versucht in der Anonymität der Großstadt unter zu tauchen“, sagte ein Anwohner über den Tatverdächtigen.

Offenbar fiel es dem Deutsch-Afghanen nicht schwer, über das Internet die für den Bau von mindestens drei Sprengkörpern benötigten Materialien zu besorgen. Anleitungen zu deren Herstellung sind ebenfalls dort zu finden, etwa in Berichten über Experimental-Chemie, in denen der Weg zur Herstellung von Schwarzpulver oder auch Schießbaumwolle beschrieben wird. Auch Quellen für notwendige Rohstoffe werden im Netz aufgezeigt. Selbst ohne besondere Kenntnisse der Chemie und der Physik ist so der Bau von Sprengkörpern möglich. Es sei nur die Dosis, die den Unterschied zwischen einem für den Schulunterricht gedachten Vorführeffekt oder einem Menschenleben gefährdenden Akt ausmache, so ein Ermittler.

Mit den in der Wohnung entdeckten Materialien hätte Stephan S. laut Polizei eine weitere funktionstüchtige Rohrbombe bauen können. S. wird auch zur Last gelegt, bereits 2007 für die Explosion einer Rohrbombe in Wedding verantwortlich zu sein. Durch die Detonation an der Seestraße war damals niemand verletzt worden.