Fünf Wochen nach dem Anschlag auf die Tochter des Berliner Immobilienkönigs Christian Pepper in Bad Saarow (Oder-Spree) hat der ohnehin schon spektakuläre Kriminalfall jetzt eine neue Dimension erreicht. Unbekannte haben an der Fassade eines Geschäftsgebäudes am Ernst-Reuter-Platz 8, das dem Immobilienunternehmer gehört, zwei Brandsätze deponiert. Ein dort tätiger Angestellter entdeckte am Montagvormittag gegen 10.30 Uhr einen Karton auf einem Fensterbrett, der ihm verdächtig vorkam. Der Mann alarmierte die Polizei, Kriminaltechniker rückten an, um die Schachtel zu untersuchen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sollen sich darin Behälter mit zwei Flüssigkeiten befunden haben, die chemisch reagieren, wenn sie miteinander in Berührung kommen. Die Polizisten entdeckten kurz darauf in der Nähe einen zweiten Brandsatz und stellten ihn ebenfalls sicher.

Noch während des Einsatzes des Entschärfertrupps ließ die Polizei das Bürohaus am Ernst-Reuter-Platz vorsorglich räumen. In dem Gebäude selbst wurde nichts Verdächtiges festgestellt. Die weiteren Ermittlungen hat, wie bei solchen Funden üblich, der Polizeiliche Staatsschutz übernommen. Über etwaige Hintergründe des Funds und eine Verbindung zu den Anschlägen auf die Unternehmerfamilie machte die Polizei keine Angaben.

Die brandenburgische Kriminalpolizei und die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Frankfurt (O.) wurden am Montag von dem Fund in Charlottenburg überrascht. So erfuhr der Sprecher des Frankfurter Polizeipräsidiums, Peter Salender, erst von der Berliner Morgenpost, dass zwei zündfähige Brandsätze an einem Haus gefunden worden waren, das Pepper gehört. Zum Zeitpunkt des Fundes der Brandbomben hatten in Bad Saarow Kripobeamte erneut Spuren am Friedrich-Engels-Damm gesucht. Dort war am 2. Oktober der damals 31-jährige Wachmann Thorsten H. durch drei Schüsse aus einer Pistole lebensgefährlich verletzt worden.

Fahndung bei „Aktenzeichen XY“

Der Anschlag auf der Pferdekoppel des Landhauses am Scharmützelsee, da sind sich die Ermittler sicher, hatte Christian Peppers 23-jähriger Tochter Louisa gegolten. Der Wachmann hatte sich schützend vor die junge Frau gestellt und die Projektile mit seinem Körper abgefangen. Der Wachschützer überlebte, ist aber heute querschnittsgelähmt. Der mit Springerstiefeln und einem Tarnanzug bekleidete Täter war zunächst zu Fuß und dann mit einem in der Nähe abgestellten Motorrad geflüchtet. Seit diesem Anschlag steht die gesamte Familie Pepper, wie berichtet, rund um die Uhr unter Polizeischutz. Ihr Aufenthaltsort wird geheim gehalten.

Trotz mehrerer Fahndungsaufrufe, einer von der Familie Pepper ausgelobten Belohnung von 50000 Euro und der Auswertung von zwei Dutzend Zeugenhinweisen kamen die Ermittlungen nicht recht voran. „Nach fünf Wochen fehlt noch immer die entscheidende heiße Spur“, räumte Polizeisprecher Peter Salender am Montag ein. Zwar hätten sich interessante Querverbindungen bei den Untersuchungen der Hinweise ergeben, etwa zum Aussehen des Schützen. Deshalb wurde am Montag ein verändertes Fahndungsbild des Unbekannten veröffentlicht. Doch um alle Möglichkeiten zur Aufklärung der Anschlagsserie auszuschöpfen, wird der Fall am morgigen Mittwoch um 20.15 Uhr im ZDF in der Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ von Rudi Cerne vorgestellt.

„Wir hoffen durch das Millionenpublikum der Sendung auf neue Hinweise. Bad Saarow hat sich touristisch stark entwickelt und hat Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet. Möglicherweise haben auswärtige Besucher am 2.Oktober oder auch am 22.August dieses Jahres Beobachtungen gemacht, die uns weiterhelfen“, so Peter Salender. Am 22.August war der erste Anschlag auf ein Mitglied der Familie Pepper verübt worden. Offenbar derselbe Täter wie beim Pistolenanschlag hatte der 58-jährigen Petra Pepper, Ehefrau des Unternehmers, auf dem Landhausareal aufgelauert und sie brutal mit einem Totschläger attackiert und schwer verletzt. Schlimmeres hatte der Schäferhund der Familie verhindert, der den Angreifer buchstäblich in die Flucht „beißen“ konnte. Nach dieser Attacke hatte Christian Pepper mehrere Wachleute engagiert, um seine Familie zu schützen.

Luftbilder aus Polizeihubschrauber

Doch auch unabhängig von der geplanten Fahndung im Fernsehen waren die brandenburgischen Ermittler am Montag in Bad Saarow aktiv. Mehrere Kriminaltechniker gingen mit Metalldetektoren in der Umgebung des Tatortes auf Spurensuche, um neue Hinweise wie etwa Munition oder Patronenhülsen zu finden. Ein Hubschrauber wurde eingesetzt, aus dem zahlreiche Luftaufnahmen des Geländes angefertigt wurden. Von ihnen erhofft sich die Polizei Hinweise für weitere Suchaktionen. Zudem wurde am Friedrich-Engels-Damm ein Schaukasten mit Informationen zu den Anschlägen installiert. Die konkreten Hintergründe der Übergriffe auf die Unternehmerfamilie sind nach wie vor ungeklärt.

Hinweise von Zeugen nimmt die Polizei unter Tel:070033330335 oder in Frankfurt (O.) unter Tel:0335–5613115 entgegen.