Grüne

Realo-Flügel rechnet mit Renate Künast ab

Nach dem Scheitern von Renate Künast bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl weitet sich der Richtungsstreit der Partei auf die Bundesebene aus. Reinhard Bütikofer soll der Berliner Spitzenkandidatin „Selbstüberschätzung und Fahrlässigkeit" vorgeworfen haben.

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Der innerparteiliche Richtungsstreit der Berliner Grünen-Fraktion weitet sich nach einem Bericht des „Spiegel“ auf die Bundespartei aus. Laut dem Magazin rechnet der Realo-Flügel der Grünen mit Renate Künast ab.

Künast, die als Spitzenkandidatin der Berliner Grünen bei der Abgeordnetenhauswahl gescheitert war, habe im Wahlkampf eine „Mischung aus Selbstüberschätzung und Fahrlässigkeit“ gezeigt, soll ihr der ehemalige Grünen-Chef Reinhard Bütikofer in einem Positionspapier vorwerfen. Künasts Kampagne sei nicht davon geprägt gewesen, „was wir Grüne mit der Hauptstadt vorhaben“, sondern „von der zweifelhaften Vorstellung, eine Renate für alle sei genug“.

Bütikofer kritisiert dem Bericht zufolge auch, dass Künast gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Jürgen Trittin künftige schwarz-grüne Bündnisse am Ende des Wahlkampfes ausgeschlossen hatte. Der linke Flügel der Berliner Grünen-Fraktion hatte Künast dagegen vergangene Woche vorgeworfen, eine Koalition mit der CDU zu lange offen gehalten zu haben.

Nach den Vorstandswahlen in der Berliner Grünen-Fraktion am Mittwoch hatte der linke Flügel einen Eklat angezettelt. Die Abgeordneten Dirk Behrendt und Canan Bayram verlangten, dass einer der beiden wiedergewählten Fraktionsvorsitzenden Ramona Pop oder Volker Ratzmann seinen Fraktionsvorsitz zugunsten eines Vertreters des linken Flügels aufgibt.

Ratzmann forderte die Politikerin im „Spiegel“ auf, bei der Aufarbeitung mitzumachen: „Wir haben alle Fehler gemacht und müssen uns der Kritik stellen.“