Institut für Internet und Gesellschaft

"Durchaus Google-kritisch"

An der Humboldt-Universität wird das "Institut für Internet und Gesellschaft" eröffnet: Die neue Forschungseinrichtung finanziert der Suchmaschinenkonzern Google. Die Forschung soll dennoch unabhängig bleiben, sagt Gründungsdirektorin Jeanette Hofman.

Streetview war so eine Sache. Mit dem Dienst des Suchmaschinenkonzerns Google lassen sich digitale Karten auf eine Straßenansicht umschalten, die recht detailliert ist. In den USA und Großbritannien fand man das nicht so aufregend, in Deutschland schon. Es entsponn sich eine Datenschutzdebatte, bei der insbesondere die Frage diskutiert wurde, ob Google das einfach so machen könne: Deutschlands Straßen entlangfahren und das, was dort zu sehen ist, abfotografieren und mit Daten verknüpft ins Internet stellen. Das war 2010. Google machte während der Auseinandersetzung nicht immer eine gute Figur, verstand es dann aber, den Anlass für sich zu nutzen.

Während des Streetview-Streits, erklärte der damalige Google-CEO Eric Schmidt später, habe man sich entschieden, ein „Institut für Internet und Gesellschaft“ ins Leben zu rufen und auch zu bezahlen. Denn Deutschland habe eine Debattenkultur, die fundamental dafür sei, dass die Gesellschaft so gut funktioniere, sagte Schmidt bei einem Vortrag im Audimax der Humboldt-Universität Anfang 2011. Jetzt wird das Institut eröffnet.

Das wissenschaftliche Rückgrat

Die Humboldt-Universität (HU), die Universität der Künste (UdK) und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sowie das Hamburger Hans-Bredow-Institut (HBI) sind das wissenschaftliche Rückgrat der Einrichtung, die Ihren Sitz an der juristischen Fakultät der HU hat und mit vollem nun „Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft“ heißt. Eröffnung ist am heutigen Dienstag, am Mittwoch beginnt das Symposium „Exploring the Digital Future" mit rund 250 Wissenschaftlern.

David Drummond, im Google-Vorstand für Rechtsfragen zuständig, beschreibt die Zielsetzung des neuen Instituts in einem Beitrag bei Zeit Online so: Das Internet sei heutzutage die „zentralen Plattform für Zusammenarbeit, deren Möglichkeiten sich durch neue Funktionen und Dienste noch um ein Vielfaches erweitern werden“. Google wiederum, „als Teil des Internets“, sei an diesen neuen Formen der Zusammenarbeit sehr interessiert: Der Konzern wolle „die Interaktion zwischen Internet, Wissenschaft und Gesellschaft besser verstehen“. Im „Mission Statement“ des neuen Instituts heißt es ähnlich: „Ziel des Instituts ist es, die vom Internet ausgehenden Veränderungen der Gesellschaft besser zu verstehen und allen Gruppen die Mitgestaltung der digitalen, vernetzten Zukunft zu ermöglichen.“

4,5 Millionen Euro von der Suchmaschine

Google gibt insgesamt 4,5 Millionen Euro, verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren. Wenn es die wirtschaftliche Lage zulasse, könnte es noch mehr Geld geben, hatte Google-Lobbyist Max Senges bei der Präsentation. Themen, mit denen sich das Institut befassen werde, seien technische Innovationen und deren Auswirkungen auf die Nutzer, aber auch Medienpolitik, Regulierung und das Urheberrecht.

Konkret schwebt den Forschern vor, die Plattform „Regulation-Watch“ zu starten, um die politischen Spielregeln für das Internet einem internationalen Vergleich zu unterziehen. Auch die Folgen, die eine Zensur in Ländern wie China für die jeweiligen Angebote habe, werden erforscht. Google hat selbst Probleme, mit seinen Angeboten in den chinesischen Markt vorzustoßen. Der Konzern wehrt sich gegen Zensur.

Die Beteiligten beteuerten, dass Google seiner millionenschweren Förderung zum Trotz keinen Einfluss auf die wissenschaftliche Arbeit nehmen werde. Dafür soll eine Fördergesellschaft gegründet werden, die unabhängig vom eigentlichen Institut die Finanzierung der Forschung organisiere.

"Durchaus Google-kritisch"

Jeanette Hofman, Gründungsdirektorin des Instituts, sagte im Deutschlandfunk , die Einrichtung sei „vollkommen unabhängig“. Hofman weiter: „Wir setzen uns unser eigenes Forschungsprogramm, und da wird uns auch niemand reinreden.” Um das sicherzustellen, habe man zwei Gesellschaften gegründet: Eine ist mit der der Forschung befasst, die andere mit der Finanzierung. Das sei von Anfang an so geplant gewesen – „weil für alle Beteiligten klar war, es würde uns auf die Füße fallen, wenn es versuchen würde, seitens Google auf unsere Forschung Einfluss zu nehmen, und wir individuell würden auch so nicht arbeiten wollen.” Sie selbst, so Hofman, forscht "derzeit zu Google Books und meine Schlussfolgerungen sind durchaus Google-kritisch".