Neues Institut

Google lässt jetzt in Berlin forschen

An der Berliner Humboldt-Universität ist das vom Internetkonzern Google finanzierte Forschungsinstitut für Internet und Gesellschaft eröffnet worden. Es will untersuchen, wie das globale Netz die Welt verändert.

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Das vom Internet-Konzern Google finanzierte Forschungsinstitut für Internet und Gesellschaft an der Berliner Humboldt-Universität ist am Dienstag offiziell eröffnet worden. Ziel des interdisziplinär ausgerichteten Institutes sei es, die vom Internet ausgehenden Veränderungen der Gesellschaft besser zu verstehen, erklärte Google-Vizepräsident David Drummond zur Eröffnung in Berlin.

Google will das „Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft“ in den ersten drei Jahren mit insgesamt 4,5 Millionen Euro unterstützen. Gründungsgesellschafter sind neben der Humboldt-Universität (HU), die Universität der Künste Berlin (UdK) sowie das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Das Hamburger Hans Bredow Institut ist Kooperationspartner. Die Forschungseinrichtung startet mit zunächst vier leitenden Wissenschaftlern, darunter zwei Juristen und jeweils ein Politologe und Informatiker. Das Institut hat seinen Sitz im Gebäude der Juristischen Fakultät am Bebelplatz in Berlin-Mitte.

Die Forscher betonten, bei ihrer Arbeit unabhängig vom Suchmaschinen-Riesen zu sein. „Das Sagen hat die Wissenschaft“, sagte Jutta Almendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Unterstützung der Wirtschaft sei aber willkommen.

Deutschland habe eine stolze Forschungs- und Innovationstradition, sagte Google-Vorstand David Drummond. Und Berlin sei nicht nur die politische, sondern mit seinen Unternehmen und Forschungseinrichtungen mittlerweile auch die digitale Hauptstadt des Landes. Er hob ebenfalls die Unabhängigkeit des Instituts hervor: Der Internet-Konzern freue sich auf die Kritik von Seiten der Wissenschaftler.

Um die Unabhängigkeit des Instituts sicherzustellen, sollen von Beginn an zwei Gesellschaften gegründet werden, hieß es bei Bekanntgabe der Institutsgründung im Sommer. Eine Fördergesellschaft soll die Finanzierung des Wissenschaftsbetriebs gewährleisten, das Forschungsinstitut selbst sei davon unabhängig und bestimme Inhalt und Ziele seiner Arbeit. Ein wissenschaftlicher Beirat werde die Forschungsarbeit kritisch begleiten. Für weitere Kooperationspartner und Förderer sei das Institut offen.

Die beteiligten Kooperationspartner WZB, UdK und HU werden jeweils einen Direktorenposten mit eigenen Wissenschaftlern besetzen. Hinzu kommt ein Mitarbeiter vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Außerdem sollen weitere Doktoranden am Institut arbeiten. Zu den Forschungsthemen sollen unter anderem Innovation, Medienpolitik sowie Rechtsphilosophie und Verfassungsrecht zählen. Dabei soll großer Wert auf die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft gelegt werden.

Zur Eröffnung des Instituts kommen ab Mittwoch rund 250 Wissenschaftler zu einem dreitägigen internationalen Symposium in Berlin zusammen. Unter dem Motto „Exploring the Digital Future“ sollen aktuelle Fragen zur Informationsgesellschaft wie etwa die sogenannten Sozialen Medien wie Facebook diskutiert werden, hieß es.

Benannt ist das Institut nach dem Wissenschaftler und Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859). Im Kuratorium sitzen die Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz (HU), Martin Rennert (UdK) und Jutta Allmendinger (WZB). Weiterhin sollen die Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft Christiane Neumann sowie mp3-Erfinder Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie in Ilmenau je einen Sitz im Kuratorium erhalten.

Internet: www.internetundgesellschaft.de