ImmobilienScout24

Autonome planen Aktionen gegen "Wohnungsnacht"

Eine Immobilienplattform hat zur "Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen" eingeladen. Mit Shuttle-Bussen pendeln Interessierte zwischen exklusiven Wohnungen in ganz Berlin. Die linksautonome Szene fühlt sich davon provoziert.

Foto: dahler / Dahler

Der Online-Immobilienanbieter ImmobilienScout24 hat für Donnerstag zur "Ersten Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen" in Berlin eingeladen. Was als witzige Marketing-Idee gedacht war, hat die linksautonome Szene auf den Plan gerufen. Diese fordert in ihren einschlägigen Internetforen dazu auf, die Veranstaltung massiv zu stören.

Die Firma hat Wohnungssuchende zu einem "exklusiven Streifzug durch das Immobilienangebot der Hauptstadt" eingeladen. Für Internetportale wie Indymedia oder Riseup.net offenbar eine Provokation. "Wir als von Verdrängung durch steigende Mieten bedrohte Mieterinnen und Mieter empfinden diese Veranstaltung als Frechheit und werden sie nicht kritiklos hinnehmen", heißt es dort.

Shuttle-Service in acht Berliner Stadtteile

Als Startpunkt der Besichtigungsnacht dient das BCC, das Berliner Congress Center am Alexanderplatz. Von dort aus fahren ab 18 Uhr Shuttle-Busse in acht Berliner Stadtteile – Charlottenburg, Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Schöneberg und Wedding. Die Teilnehmer der Touren erwarten "spannende Besichtigungen von Wohnungen unterschiedlichster Ausstattung und Größe", heißt es in der Ankündigung.

"Wir sind in Berlin, deshalb haben wir schon damit gerechnet, dass es Proteste geben wird", so Barbara Hexges, die die Veranstaltung für ImmobilienScout24 als Sprecherin betreut. Daran, dass beispielsweise Nackte Wohnungsbesichtigungen stürmen, habe man sich längst gewöhnt. Jedoch sei man überrascht, dass nunmehr offen zu Straftaten aufgerufen werde. "Wir haben entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen", versichert Hexges. Die Veranstaltung sei in enger Zusammenarbeit mit der Polizei vorbereitet worden. "Zudem haben wir auch unseren eigenen Sicherheitsdienst."

In der Tat gehen die Protestaufrufe in den Internetforen weit über "Blankziehen" hinaus. So wird dazu aufgerufen, "die Gelegenheit des kostenlosen Nahverkehrs mit den Immobilienbussen zu nutzen … und Luxuswohnungen nach unseren Vorstellungen einzurichten, die Wände auch farblich neu zu gestalten!". Aufgerufen wird ferner dazu, Wohnungen zu besetzen. Dieses Vorgehen ist offenbar auch in der Szene umstritten. So erklärt die Hedonistische Internationale, nicht mehr teilnehmen zu wollen. "Bei diesem Ausmaß hört der Spaß auf", teilt eine Sprecherin mit. Sämtliche Aktionen der Hedonistischen Internationale wurden abgesagt. Ursprünglich sei geplant gewesen, in Abendgarderobe einzusickern und nackt in den Wohnungen zu tanzen.

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