Marketing-Aktion

Veranstalter bricht Immobilientour in Kreuzberg ab

Bei der Bustour einer Immobilienplattform zu Wohnungen in acht Berliner Stadtteilen ist es vereinzelt zu Protesten gekommen. Die linksautonome Szene fühlte sich davon provoziert.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Ein Immobilien-Portal bot Berlinern abends an, sich schicke Wohnungen in Trend-Bezirken anzusehen. Zu der Tour kamen jedoch auch linke Demonstranten, die Polizei schritt ein.

Video: BMO
Beschreibung anzeigen

Bei einer organisierten Tour des Online-Immobilienanbieters ImmobilienScout24 zu Wohnungsbesichtigungen ist es am Donnerstagabend in Berlin vereinzelt zu Ausschreitungen gekommen.

Jeweils rund 50 Demonstranten äußerten in Kreuzberg und im Prenzlauer Berg ihren Unmut über steigende Mietpreise, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Vereinzelt kam es auch zu Sachbeschädigungen.

Bei der Veranstaltung wurden rund 1000 Wohnungssuchende mit Bussen zu 150 leerstehenden Wohnungen in acht Bezirken gebracht. Wegen der Proteste mussten die Besichtigungen von Wohnungen in der Schlesischen Straße in Kreuzberg abgebrochen werden.

ImmobilienScout24 hatte zur „Ersten Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen“ in Berlin eingeladen. Was als witzige Marketing-Idee gedacht war, hatte jedoch die linksautonome Szene auf den Plan gerufen. Diese hatten in einschlägigen Internetforen dazu aufgerufen, die Veranstaltung massiv zu stören.

Das Unternehmen hatte Wohnungssuchende zu einem „exklusiven Streifzug durch das Immobilienangebot der Hauptstadt“ eingeladen. Für die Betreiber von Internetportalen wie Indymedia oder Riseup.net offenbar eine Provokation. „Wir als von Verdrängung durch steigende Mieten bedrohte Mieterinnen und Mieter empfinden diese Veranstaltung als Frechheit und werden sie nicht kritiklos hinnehmen“, hieß es dort.

Als Startpunkt der Besichtigungsnacht diente das BCC, das Berliner Congress Center am Alexanderplatz. Von dort aus fuhren ab 18 Uhr Shuttle-Busse in acht Berliner Stadtteile – Charlottenburg, Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Neukölln, Prenzlauer Berg, Schöneberg und Wedding.

Gegen 19 Uhr versammelten sich vor einem Objekt in der Schlesischen Straße in Kreuzberg etwa 25 Personen. Hier nahmen Polizisten eine 29-Jährige, die in einem Hauseingang die Wand mit einem Farbstift beschmiert hatte, vorläufig fest.

Nach die Beamten die Personalien der Frau festgestellt und ihr zwei Stifte sowie eine Spraydose abgenommen hatten, wurde sie wieder frei gelassen. Sie muss nun mit einem Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs rechnen.

Gegen 19.40 Uhr betraten rund 30 Personen ein anderes Wohnhaus in derselben Straße, störten dort die Besichtigung und beschmierten Wände. Alarmierte Polizisten drängten die Gruppe aus dem Haus und erteilten Platzverweise.

Zu einem weiteren Vorfall kam es gegen 20.30 Uhr in Prenzlauer Berg. Hier diskutierten etwa 20 alkoholisierte Personen in einer Wohnung mit einer Angestellten, die dann die Gruppe aufforderte, die Wohnung zu verlassen. Noch vor dem Eintreffen der Polizei beschmierten die Unbekannten die Wände zweier Wohnungen sowie das Treppenhaus und nahmen Windlichter und Getränke mit.

Die Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz sowie wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Diebstahls ein.

Mit Protesten gerechnet

"Wir sind in Berlin, deshalb haben wir schon damit gerechnet, dass es Proteste geben wird“, so Barbara Hexges, die die Veranstaltung für ImmobilienScout24 als Sprecherin betreut. Daran, dass beispielsweise Nackte Wohnungsbesichtigungen stürmen, habe man sich längst gewöhnt. Jedoch sei man überrascht, dass nunmehr offen zu Straftaten aufgerufen werde. „Wir haben entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen“, versicherte Hexges. Die Veranstaltung sei in enger Zusammenarbeit mit der Polizei vorbereitet worden. „Zudem haben wir auch unseren eigenen Sicherheitsdienst.“

In der Tat gehen die Protestaufrufe in den Internetforen weit über „Blankziehen“ hinaus. So wurde dazu aufgerufen, „die Gelegenheit des kostenlosen Nahverkehrs mit den Immobilienbussen zu nutzen … und Luxuswohnungen nach unseren Vorstellungen einzurichten, die Wände auch farblich neu zu gestalten!“. Aufgerufen wurde ferner dazu, Wohnungen zu besetzen.

Dieses Vorgehen ist offenbar auch in der Szene umstritten. So erklärte die Hedonistische Internationale, nicht mehr teilnehmen zu wollen. „Bei diesem Ausmaß hört der Spaß auf“, teilt eine Sprecherin mit. Sämtliche Aktionen der Hedonistischen Internationale wurden abgesagt. Ursprünglich sei geplant gewesen, in Abendgarderobe einzusickern und nackt in den Wohnungen zu tanzen.