Gescheiterte Eichborn-Übernahme

Berliner Aufbau Verlag will weiter expandieren

Der Aufbau Verlag eröffnet dieses Wochenende offiziell sein neues Kulturhaus in Berlin-Kreuzberg. Auch sonst hat Eigentümer Matthias Koch große Pläne - auch wenn die Übernahme des insolventen Eichborn Verlages gescheitert ist.

Nach der gescheiterten Übernahme des Eichborn Verlags verhandelt der Aufbau Verlag mit anderen Häusern über eine mögliche Kooperation. „Wir bleiben bei unserem Konzept“, sagte Aufbau-Eigentümer Matthias Koch. „Ich gehe davon aus, dass wir bereits bald bekanntgeben können, mit welchen Verlagen wir künftig kooperieren und welche Verlage dann auch nach Berlin kommen oder vielleicht schon in Berlin sind.“

Der Kaufmann Koch, der 2008 den früher ebenfalls angeschlagenen Aufbau Verlag gekauft hat, hatte den insolventen Frankfurter Eichborn Verlag übernehmen und nach Berlin holen wollen. Insolvenzverwalter Holger Lessing teilte am Mittwoch jedoch mit, der Gläubigerausschuss habe das Angebot abgelehnt, weil es einer „Verschleuderung“ der Insolvenzmasse gleichgekommen wäre. Offenbar habe aber kein anderer Bewerber ein besseres Angebot vorgelegt, sagte Koch.

Er sagte, er könne sich zu Einzelheiten nicht äußern, weil er schon vor Wochen eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben habe. Angesichts des Konzentrationsprozesses bei den Buchhandlungen hätten kleinere Verlage aber nur dann eine Chance, wenn sie sich zusammenschlössen.

„Man braucht eine Umsatzgröße von etwa 25 Millionen Euro im Jahr, um bei den großen Buchhandlungen und Ketten hineinzukommen“, sagte er. „Ich bin sicher, dass wir diese Größenordnung mittelfristig erreichen.“

Im vergangenen Jahr hatte Aufbau einen Umsatz von rund 14 Millionen Euro. Erst vor wenigen Monaten war der Verlag mit knapp 50 Mitarbeitern in ein von Koch gebautes Kulturhaus und Kreativzentrum „Aufbau Haus“ in Berlin- Kreuzberg eingezogen. Mit einem großen Nachbarschaftsfest wird am Freitag und Sonnabend offiziell die Eröffnung gefeiert.

„Es wird in diesem Haus eine Verlagsgruppe geben mit unabhängigen Verlagen, die aber ein gemeinsames Back-Office und einen gemeinsamen Vertrieb haben. Und die werden zusammen diese 25 Millionen Umsatz erreichen“, sagte Koch. Namen nannte er nicht. „Früher ist mir alle zwei Monate ein Verlag angeboten worden. Jetzt geschieht es alle zwei Wochen.“

Dem Konzept zufolge sollen die möglichen Kooperationspartner als Marke eigenständig bleiben. „Das kann nicht alles unter einem Namen laufen. Die Verlage müssen ein eigenes Profil entwickeln, sonst nehmen sie sich gegenseitig die Leser und die Autoren weg“, sagte Koch. „Das geht nur, wenn es auch juristisch unabhängige Firmen mit einer eigenen Geschäftsführung sind, die eigenverantwortlich den Verlag führt.“

Für sein eigenes Haus, den einst größten Literaturverlag der DDR, kündigte Koch eine weitere Profilierung an. Neben den Imprints Rütten & Loening und dem Aufbau Taschenbuch sollten jetzt auch das Jugend- und das Kinderbuch als eigenständige Marke positioniert werden, sagte er. Beim Taschenbuch sei jedoch auch eine Ausgliederung vorstellbar. „Unser Taschenbuch Verlag allein ist zu klein, aus dem Hardcover-Bereich gibt es nicht genügend Titel“, sagte er. „Es wäre schön, Gesellschafter zu haben, die dem Taschenbuch zuliefern, und es kann auch sein, dass man das in einer eigenen Firma macht.“