1. Die Linke benennt drei konkrete Kultur-Projekte im Wahlprogramm. Nur auf zwei von 70 Seiten geht es um die Kultur. Ist alles gut in diesem Bereich?

Wir versprechen nichts, was wir nach der Wahl nicht halten können. Wir benennen nur drei Bauprojekte. Wir streiten für dem Neubau der Zentralen Stadt- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof, die Erweiterung des Stadtmuseums im Marinehaus und den Ausbau des Bauhausarchivs. Das sind ehrgeizige Investitionsvorhaben angesichts der finanziellen Lage der Stadt. Und dass die Kultur nur mit zwei Seiten im Wahlprogramm vorkommt, liegt an der Systematik. Natürlich hat die Kulturpolitik in Berlin erhebliche Defizite: Sowohl die Situation der dezentralen, hauptsächlich der bezirklichen Kultureinrichtungen als auch die Lage vieler freier Künstlerinnen und Künstler ist katastrophal. Da muss gehandelt werden.

2. Die Ausstellung „Based in Berlin“ sollte für die Kunsthalle, ein Lieblingsprojekt des Regierenden Bürgermeisters, werben. Ist das gelungen?

Das Kunsthallenprojekt hat Wowereit als Kultursenator vergeigt. Da wurden nicht nur Standorte zerredet, da wurde eine gute Idee verspielt. Umso zwingender ist es, sich jetzt auf die Potenziale der Stadt zu besinnen. Es ist erbärmlich, dass noch immer kein positives Signal in Richtung bauhaus-archiv, Stiftung Stadtmuseum und die Berlinische Galerie erfolgt ist. Von allen anderen, auch den kleineren Einrichtungen, ganz zu schweigen. „Based in Berlin“ war eine ganz nette Schau. Repräsentativ für die Berliner Kunstszene war sie nicht. Es wäre kleinkariert, von einer einzigen mit großem Bemühen aber dennoch ziemlich geschmäcklerisch kuratierten Ausstellung ein „the best of“ dieser großartigen Kunststadt erwarten zu wollen.

3. Beim Thema Kunsthalle ist die Linkspartei näher bei der CDU als beim Koalitionspartner, ebenso in der Frage des künftigen Ressortzuschnitts. Warum soll Kultur und Stadtentwicklung zusammengelegt werden?

Die erste Aufgabe von Kulturpolitik muss es sein, auf eine lebenswert geplante, gebaute und gestaltete Stadt Einfluss zu nehmen. Das hat unmittelbare Rückwirkungen auf die Kultur. Unsere Stadtentwicklungsverwaltung aber interessiert die „Kulturlandschaft Berlin“ überhaupt nicht, die Verwaltung wurstelt von Projekt zu Projekt vor sich hin. Vorläufige Krone dieser kulturlosen Planungspolitik wird wohl das Zumauern der Friedrichwerderschen Kirche werden. Ein „rekonstruierter“ Schinkelplatz wird so zur Lachnummer. Und die Kulturpolitik ist immer noch auf einen Kulturbegriff des späten 19. Jahrhunderts fixiert. So gewinnt man für Berlin aber keine Zukunft.

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