Altersarmut

Nur ein Fünftel der über 60-Jährigen arbeitet

Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB warnt vor steigender Altersarmut in Berlin. Aufgrund der Rentenkürzungen lägen die Altersrenten im Ostteil der Stadt im Schnitt nur noch bei 852 Euro und in Berlin-West sogar noch darunter.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert den sofortigen Stopp des Konzepts der „Rente mit 67“ auf Bundesebene. Altersarmut sei in der Hauptstadt schon jetzt deutlich zu spüren, sagte DGB-Landeschefin Doro Zinke am Dienstag. Aufgrund der Rentenkürzungen lägen die Altersrenten im Ostteil der Stadt im Schnitt nur noch bei 852 Euro und in Berlin-West sogar lediglich bei 693 Euro.

„Wir müssen dringend umsteuern, damit die gesetzliche Rente wieder armutsfest wird“, betonte Zinke. Nach DGB-Berechnungen müsse in Berlin fast jeder sechste Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden und hohe Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente hinnehmen.

„Die Rente ab 67 Jahre ist für meisten Beschäftigten unerreichbar und wird zu einer reinen Rentenkürzung“, sagte die DGB-Landesvorsitzende. Eine große Zahl von Arbeitnehmern könne auch deshalb nicht bis 65 Jahre arbeiten, weil die Beschäftigungschancen zu schlecht sind. „Auch in Berlin bietet der Arbeitsmarkt nicht genügend Möglichkeiten für Ältere“, sagte Zinke.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind nur 18,8 Prozent aller 60 bis 64 Jahre alten Hauptstädter sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Weit mehr als jeder Fünfte aller Berliner Arbeitslosen sei älter als 50 Jahre. Den meisten dieser fast 50.000 Bürger werde ein Wiedereinstieg in Beschäftigung nicht gelingen, befürchtete die Gewerkschafterin. Auch die wirtschaftliche Erholung habe die Beschäftigungsmöglichkeiten Älterer nicht verbessern können.

Für die Gewerkschaften sei die Rente mit 67 deshalb der falsche Weg, sagte die DGB-Landeschefin. Die Voraussetzungen für eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters seien nicht gegeben. Es wäre „völlig inakzeptabel, wenn die Bundesregierung sehenden Auges in Kauf nimmt, dass Altersarmut zur Perspektive für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird“. Schon heute müssten bereits mehr als die Hälfte aller Altersrentner in Deutschland Abschläge hinnehmen.