Die Proteste gegen die geplanten Flugrouten am neuen Hauptstadtflughafen BBI halten unvermindert an. Am Sonntag zogen in Teltow (Potsdam-Mittelmark) nach Veranstalterangaben rund 3000 Menschen auf die Straße und demonstrierten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus der Stadt. Ein Vertreter der örtlichen Bürgerinitiative forderte, dass es generell keinen Flugbetrieb über bewohntem Gebiet geben dürfe und dass alle Gegenden von Überflügen verschont bleiben, die damit bisher nicht rechnen konnten. Außerdem sollte von 22 bis 6 Uhr ein striktes Nachtflugverbot gelten.
Auf Transparenten und Schildern stand zu lesen „Alle 4 Minuten ein startendes Flugzeug! Nein danke!“ oder auch „Kein Politik-Betrug an einer ganzen Region!“.
Einen Baustopp für den entstehenden Großflughafen in Schönefeld, wie ihn einige verlangen, nannte Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) „volkswirtschaftlichen Blödsinn“. Allerdings handele es sich hier um einen „Hilferuf der Bürger“. An der Teltower Demonstration nahmen neben Abgeordneten aus dem brandenburgischen Landtag und dem Berliner Abgeordnetenhaus auch Bürgermeister der südlichen Berliner Bezirke sowie von Teltows Nachbargemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf teil.
Ein Anfang September von der Deutschen Flugsicherung präsentiertes Modell für die künftigen Flugrouten sorgt seit Wochen für Aufregung und wütende Proteste. Danach wären auch andere Siedlungsgebiete und Kommunen von Fluglärm betroffen als bisher offiziell bekannt.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass die Routen noch verändert werden. Auf dem Weg dorthin werde das Tempo der Verhandlungen mit der zuständigen Deutschen Flugsicherung (DFS) erhöht, sagte Wowereit Morgenpost Online. „Wir werden Druck machen, zu Lösungen zu kommen, die besser sind als alle gegenwärtigen“, sagte Wowreit.
Ähnlich hatte sich am Vortag Brandenburgs Landesregierung anlässlich einer Informationsveranstaltung für Vertreter von Bürgerinitiativen und Kommunen geäußert. Neben den Sicherheitsaspekten müsse es vor allem darum gehen, so wenig Belastung wie möglich für die Bürger zu erreichen, meinte Wowereit. Zuvor hatte die DFS eingeräumt, dass einige Flugzeuge weit niedriger über den Südwesten Berlin fliegen könnten als angenommen.
“Wir haben den Eindruck, dass wir in die Irre geführt werden“, sagte die Vorsitzende der Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“, Marela Bone-Winkel, Morgenpost Online „Es wurde mit geschönten Daten und Mittelwerten gearbeitet.“ Die Flugsicherung verweigere bisher eine Erklärung dafür, warum sie an abknickenden Flugrouten für parallel startende Maschinen festhält. Es gehe bei der Angelegenheit nicht um ein Kommunikationsproblem, sondern um Planungsfehler.
Mittlerweile gibt es in Berlin und Brandenburg mehr als 30 Bürgerinitiativen gegen die geplanten Flugstrecken. Am Montag sind Proteste in Lichtenrade geplant.
dpa/BMO/mim



