Die Bebauung der ehemaligen Kleingartenkolonie an der Württembergischen Straße beschäftigt die Gerichte weiter. Zuerst klagten die Schrebergärtner, die ihre Scholle nicht verlassen wollten, aber schließlich unterlagen. Jetzt wollen sich Nachbarn den Blick nicht verbauen lassen. Am 25. August hat das Oberverwaltungsgericht die streitenden Parteien zu einem Gütetermin geladen. Nachbarn der ehemaligen Kolonie, die die grüne Oase einen Steinwurf vom Kurfürstendamm schätzten, klagen gegen den Bebauungsplan, den das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aufgestellt hat. „Der Investor hat bereits angeboten, uns mit Geld zu entschädigen. Das haben wir aber abgelehnt“, sagt Jens-Peter Kruse, der zusammen mit weiteren Wohnungseigentümern aus dem Haus Olivaer Platz 7 eine Interessengemeinschaft gegründet hat.

Sie fordert, dass die geplante Bebauung abgespeckt werden muss. Dabei stört sie weniger die Randbebauung parallel zur Württembergischen Straße 40–49 als vielmehr der Querriegel parallel zu ihrem Wohngebäude. „Er sollte entfallen. Außerdem muss die Tiefgarage verkleinert werden“, sagt Kruse, ein Stadtplaner im Ruhestand. Fast das gesamte Grundstück werde mit der Parkgarage unterbaut. Nur ein schmaler Streifen zur Grenze an der Bayerischen Straße bleibe frei. Auf der Tiefgarage werde es nur eine 60 Zentimeter starke Erdschicht geben. „Da kann man keine Bäume pflanzen“, kritisiert Kruse. Nicht nur für die Anwohner, auch für die Neubewohner, die in die insgesamt 15 siebengeschossigen Häuser einziehen und auf die Brandwände an der Bayerischen Straße schauen müssten, sei es doch wichtig, dass die Bäume auch die Höhe von Straßenbäumen erreichen könnten.

Kruse sagt, er habe Verständnis dafür, dass der Liegenschaftsfonds das Grundstück in solch einer zentralen innerstädtischen Lage verkauft hat und dort jetzt Wohnungen entstehen sollen – auch wenn die Hausbewohner die Kleingärten mit dem vielen Grün mitten in der Stadt sehr genossen hätten. Als Stadtplaner wisse er, dass es sich um geeignetes Bauland handele, räumt Kruse ein. Doch beim Aufstellen des Bebauungsplans habe der Bezirk Fehler gemacht und gegen viele Bestimmungen verstoßen. Dem Naturschutz sei zu wenig Beachtung geschenkt worden. Der Flächennutzungsplan sei missachtet worden, wirft Kruse den Behörden vor. Der sehe vor, dass das halbe Grundstück als Parkanlage gestaltet werden sollte, der Grünzug zwischen Preußenpark und Olivaer Platz sei für das Klima wichtig.

Michael Plassmann, der in der Kleingartenkolonie eine Parzelle nutzte, ärgert sich, dass die Laufzeiten von Gerichtsverfahren beim Oberverwaltungsgericht selbst bei Eilanträgen so lange dauern – in ihrem Fall habe es mehr als ein Jahr gedauert, den Bebauungsplan durch ein Normenkontrollverfahren zu prüfen. Zu lange, als dass das Urteil den Schrebergärtnern noch hätte helfen können. Sie räumten im November. „Der Bebauungsplan ist rechtmäßig zustande gekommen“, sagt hingegen der Leiter des Stadtplanungsamtes, Rainer Latour. Nachdem der Bebauungsplan festgesetzt gewesen sei, das Planungsrecht und die Baugenehmigung vorlagen, hatte der Liegenschaftsfonds die Räumung des 14000 Quadratmeter großen Geländes durchgesetzt.

Wie berichtet, will hier die Bauwert Investment Gruppe etwa 15 Häuser mit Zwei- bis Fünf-Zimmerwohnungen bauen, insgesamt 210. Anfang kommenden Jahres sollen die Arbeiten beginnen. Sollten die Parteien bei dem Gütetermin keine Einigung erzielen, hat Kruse bereits angekündigt, die Klage fortzusetzen.

In Berlin gibt es insgesamt 934 Kleingartenanlagen mit fast 75000 Parzellen. Etwa 82 Prozent – rund 2500 von insgesamt 3000 Hektar – davon sind dauerhaft gesichert. Für 22 Siedlungen mit 1300 Lauben läuft die Garantie allerdings noch dieses Jahr oder bis spätestens 2014 aus, für 146 Kolonien ist die Zukunft bis 2020 gesichert.

Um welche es sich handelt, kann auf der Internetseite der Senatsverwaltung nachgeschaut werden: www.stadtentwicklung.berlin.de (Natur+Grün, Stadtgrün, Kleingärten).