Bezirkspolitik

Am Gleisdreieck streiten Kleingärtner mit Sportlern

Der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz, lehnt den Bau von zwei Fußballplätzen am Gleisdreieck ab, denn er möchte die Grünflächen erhalten. Nun gibt es Ärger.

Der Präsident des Landessportbundes (LSB), Klaus Böger, hat Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirkbürgermeister Franz Schulz (Grüne) scharf kritisiert. In einem offenen Brief wirft Böger jetzt Schulz Klientelpolitik zum Schaden des Bezirks vor.

"Bedauerlicherweise haben Sie in den Jahren Ihrer Amtszeit als Baustadtrat beziehungsweise Bezirksbürgermeister unseres Wissens keinen Beitrag zur Verbesserung der Sportstättensituation im Bezirk geleistet", heißt es in dem Brief. Böger ärgert sich darüber, dass der Bürgermeister den geplanten Bau einer Sportanlage am Gleisdreieck ablehnt.

Die Planungen der neuen Grünanlage sahen am westlichen Ende des Parks den Bau von zwei Sportplätzen vor, die unter anderem dem Kreuzberger Fußballverein Türkiyemspor als Heimstätte dienen sollten. Schulz lehnt die Pläne ab und will stattdessen die 60 Kleingärten, die sich bislang auf dem Teilstück befinden, erhalten. Böger hält die Sportplätze für die Integration und das soziale Zusammenleben im Bezirk für notwendig. "Sie aber grenzen aus, bedienen Einzelinteressen und missachten den Anspruch junger Menschen an der Teilhabe von sportlichen Bewegungsaktivitäten im Verein", kritisiert Böger. "Die Probleme der Jugend werden nicht Kleingärtner lösen."

"Nur die halbe Wahrheit"

Bezirksbürgermeister Schulz wies die Kritik am Mittwoch zurück. Den Brief habe er noch nicht erhalten, außerdem sei das von Böger kritisierte Vorgehen nur die halbe Wahrheit. Das Gelände am Yorkdreieck an der Yorkstraße sei an die Baumarktkette Hellweg verkauft worden. Die Planungen des Baumarkts sehen demnach vor, auf dem Dach des Gebäudes einen Sportplatz zu errichten. Eine ähnliche Konstruktion befindet sich bereits auf dem Dach der Metro in Friedrichshain. Das sei der bessere Standort für den Sportplatz, sagt Schulz. "Er hat eine optimale Anbindung an die U- und S-Bahn, die Erschließung des Geländes ist wirtschaftlicher und die Realisierung erfolgt schneller." Schulz geht davon aus, dass das Sportamt Türkiyemspor bei der Nutzung des Platzes bevorzugt behandelt.

Beim Verein ist von diesen Plänen nichts bekannt. "Davon wissen wir nichts", sagte der Vorsitzende des Vereins, Celal Bingör. Nach den bisherigen Informationen des Vereins ist der Bau der Sportanlage am Gleisdreieck noch nicht vom Tisch. Dort soll die mehrfach ausgezeichnete Jugendarbeit des Vereins unterkommen, während die Herrenmannschaften in den Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg ziehen sollen. Spätestens in drei Jahren soll die Anlage im Nachbarbezirk bezogen werden. Auch der LSB spricht sich für die ursprünglichen Pläne aus. "Werden Sie endlich Ihrer Verantwortung gerecht", forderte Böger Schulz auf.

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