Sanierung

Berliner Avus-Tribüne soll hinter Glas

Die historische Avus-Tribüne in Berlin-Charlottenburg hat offenbar doch eine Zukunft. Das 240 Meter lange Gebäude ist marode, aber der Eigentümer bereitet einen Umbau vor.

Foto: Avus Tribüne GmbH

Der Eigentümer der Avus-Tribüne in Berlin-Charlottenburg will in Kürze einen Bauantrag zum Umbau des verfallenen Denkmals, das sich vis à vis der Deutschlandhalle am Messedamm befindet, stellen. Das wollte er eigentlich bereits vor zwei Jahren, doch auch hier hat die allgemeine Wirtschafts- und Finanzkrise den Projektentwicklern einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Eigentümer des Bauwerks ist die Avus Tribüne GmbH. Wie ein Sprecher des Unternehmens sagte, habe sich ein großer deutscher Autobauer, der ernsthaftes Interesse an der Nutzung der umgebauten Avus-Tribüne bekundet hätte und dort einen Autosalon mit Museum und Restaurant einrichten wollte, von dem Vorhaben zurückgezogen. Jetzt wolle die Avus Tribüne GmbH die Investition in Eigenregie stemmen. Ein Architekt sei beauftragt, parallel werde nach Betreibern gesucht, denen man dann zumindest einen sanierten Musterbereich präsentieren könne.

Mehrere Nutzungen seien vorstellbar – beispielsweise als Versammlungsstätte, Messe- und Ausstellungsraum oder als Show-Room für Fahrzeuge. Die Tribünen an der Autobahnseite sollen in jedem Fall mit einer Glasfront geschlossen werden, schon um das Gebäude vor weiterem Verfall zu schützen. Um das vorzubereiten, soll noch in diesem Jahr ein Gerüst aufgestellt werden. 800.000 Euro, so rechnet der Eigentümer nach Angaben seines Sprechers, seien erforderlich, um die Glasfassade inklusive Fenster und Türen zu bauen. Das Berliner Unternehmen hatte die Immobilie im Jahr 2007 für rund 500.000 Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft.

Bauaufsicht hat Gehweg gesperrt

Doch bevor es mit Um- und Ausbaubauarbeiten losgeht, muss das marode Bauwerk gesichert und repariert werden. Die Bauaufsicht hat den Gehweg unterhalb der Renntribüne gesperrt, weil vor wenigen Tagen Betonteile herabfielen. Nach Auskunft von Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) waren sie „faustgroß“. „Der Bürgersteig unter den Arkaden bleibt so lange gesperrt, bis die Gefahr beseitigt ist“, sagte Gröhler.

Folgerichtig will die Avus Tribünen GmbH den Bestandsbau nun zunächst sichern, vor allem Kanten und Ecken auf Festigkeit prüfen. In seiner Substanz sei das Bauwerk, auch wenn es heruntergekommen aussehe, nach wie vor gut, so der Sprecher. Der vergangene Winter, der besonders lang und streng war, habe dem Gebäude allerdings zugesetzt. Es stehe schließlich seit 74 Jahren im Freien.

Die Tribüne war 1936 von Fritz Wilms und Walther Bettenstaedt an der Nordkurve der Avus-Rennstrecke errichtet worden. Die letzten Rennwagen sausten dort 1999 vorbei.

Räume im Erdgeschoss der immerhin 240 Meter langen und nur zehn Meter breiten Tribüne, so die aktuellen Pläne, könnten für Gastronomie vermietet werden. „Dafür gibt es bereits Anfragen“, so der Sprecher. Die Tribünen-Struktur im Innern soll zwar erhalten bleiben, aber es sollen Plattformen geschaffen werden, um Flächen nutzen zu können.

Baustadtrat Gröhler wollte sich zu den Plänen noch nicht äußern, da sie ihm noch nicht vorliegen. Nur soviel: „Grundsätzlich ist der Eigentümer eines Denkmals verpflichtet, es zu erhalten.“

Das hatte er übrigens auch den Senatsverwaltungen, die wegen des hohen Sanierungsaufwandes für den Abriss der Deutschlandhalle sind, mit auf den Weg gegeben, als er aus Denkmalschutzgründen den Abriss der Halle versagte. Vergeblich. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hob den Bezirksbeschluss auf.