Bruchlandung

Rosinenbomber bei Schönefeld verunglückt

Riesenschreck in Schönefeld: Nur knapp entgingen die 25 Passagiere, die mit einem "Rosinenbomber" in die Luft abheben wollten, einer Katastrophe. Die Ursache für den Zwischenfall ist noch unbekannt.

Am Sonnabendnachmittag ist bei Selchow (Landkreis Dahme-Spreewald) in der Nähe des Flughafens Schönefeld ein sogenannter “Rosinenbomber” verunglückt. Das Flugzeug machte beim Versuch abzuheben, eine Bruchlandung. Die Meldung ging gegen 14.45 Uhr bei den Rettungskräften ein. Nach Polizeiangaben schlug die Maschine aus noch unbekannten Gründen kurz hinter der Startbahn auf dem Boden auf. Glück im Unglück: Die Maschine traf eine Baustellenstraße des neuen Großflughafens BBI, nur wenige Hundert Meter weiter entfernt stehen mehrere Wohnhäuser.

Das Propeller-Flugzeug des Types DC-3 soll bei dem Unglück Feuer gefangen haben, berichtete ein Augenzeuge über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ein anderer Augenzeuge berichtete, der "Rosinenbomber" sei vor dem Aufprall in Schlangenlinien über das Flughafengelände geflogen. Als die Maschine auf dem Boden aufkam, sei sie dann in Flammen aufgegangen.

Vier der insgesamt 25 Flugzeuginsassen - ein Passagier und drei Crewmitglieder - seien verletzt worden, hieß. Über die Schwere der Verletzungen lagen bisher noch keine Angaben vor. Alle Passagiere und die Besatzung seien von Rettungskräften aus dem Flugzeug herausgebracht worden. Trümmerteile sollen um die Maschine herum verstreut liegen. Die Feuerwehr ist mit 15 Fahrzeugen vor Ort im Einsatz.

Die Fluggäste und die Crew des Rosinenbombers wurden zur Erstversorgung zunächst in ein Terminal des Flughafens Schönefeld gebracht.

In unmittelbarer Nähe des Unglücksortes befinden sich mehrere Wohnhäuser. Von den Anwohnern soll jedoch niemand verletzt worden sein.

Der legändäre Ruf der Rosinenbomber geht auf die Westberliner Nachkriegszeit zurück: Während der Luftbrücke 1948/49 wegen der sowjetischen Blockade versorgten Flugzeuge den Westteil Berlins mit Hilfsgütern. Die ersten Flugzeuge waren die zweimotorigen C-47. Die Amerikaner nannten sie Skytrain, bei den Briten hießen sie Dakota. Diese Maschinen brachten nach Angaben des Deutschen Technikmuseums in den ersten Wochen vor allem Trockenfrüchte nach Berlin. Deshalb hätten die Berliner sie auch „Rosinenbomber“ genannt.

Wegen ihrer geringen Ladekapazität von rund drei Tonnen wurden die Skytrains nach wenigen Wochen von der größeren, viermotorigen C-54 Skymaster abgelöst. Der Name Rosinenbomber hatte sich allerdings inzwischen eingebürgert und bezeichnete alle Flugzeuge der Luftbrücke, unabhängig von Typ und Ladung.

Nach einer anderen Erklärung entstand der Name aus einem Interview des Radiosenders RIAS mit einem amerikanischen Piloten. Er wird zitiert: „Ich bin bis vor drei Jahren bei Nacht und Nebel mit Bomben nach Berlin geflogen. Jetzt kann ich doch auch mit Rosinen kommen.“ Das Unternehmen Air Service Berlin setzt den Original-Rosinenbomber Douglas DC-3 heute für Nostalgie-Rundflüge über der Hauptstadt ein.