Explosion

Sprengsatz bei Demo - drei Männer unter Verdacht

Die Berliner Polizei hat drei Männer unter Verdacht, an dem Sprengsatz-Anschlag auf Polizisten am Wochenende beteiligt gewesen zu sein. Allerdings gibt es keine Beweise. Zwei verletzte Beamte konnten das Krankenhaus am Dienstag wieder verlassen.

Foto: dpa

Drei Männer unter Verdacht: Zwei sind 21 Jahre alt, einer 33 Jahre, sie kommen aus Berlin und Brandenburg und wurden am Wochenende festgenommen. Sie sollen an dem Sprengsatz-Anschlag auf Polizisten bei einer Demonstration am Sonnabend beteiligt gewesen sein. Beweise aber gibt es dafür nicht. Die Wohnungen der Männer - einer ist laut Polizei dem Staatsschutz bereits bekannt - wurden durchsucht. Dabei fanden die Ermittler "größere Mengen zugelassener und nicht zugelassener pyrotechnischer Gegenstände", sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch.

Aber auch der Fund ist kein Beweis, der dafür ausreichen würde, die Männer länger in Haft zu nehmen. Darum wurden sie am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein Tatverdacht gegen sie bestehe aber weiter, sagte Glietsch. Bei dem Sprengsatz, der am Sonnabend bei einer Demonstration 15 Polizisten verletzt hatte, gehen Techniker des Landeskriminalamtes (LKA) davon aus, dass polnische oder italienische Feuerwerkskörper die Basis waren. Die Böller wurden demnach mit brennbaren Flüssigkeiten und Metallteilen aufgerüstet - Anleitungen dazu kursieren seit längerem in der linksextremistischen und autonomen Szene. Ein endgültiges Ergebnis der Untersuchungen steht allerdings noch aus, hieß es am Montag im LKA. Inzwischen wurde die Ermittlergruppe "Torstraße" gegründet, der bis zu zehn Fahnder angehören.

Die Polizisten, die durch den Sprengsatz schwer verletzt worden waren, erlitten sechs bis acht Zentimeter tiefe Wunden durch Metallteile, die bei der Explosion des offenbar selbst gebauten "pyrotechnischen Gegenstand" freigesetzt wurden. Wäre die Tüte mit dem Sprengsatz ein paar Meter weiter geflogen, wäre sie inmitten einer Gruppe von Eltern mit Kinderwagen gelandet. "Der Tod von Menschen wird in Kauf genommen", sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Bei der Demonstration unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" beteiligten sich nach Worten des Innensenators "fast 20.000 Teilnehmer". Der Polizeipräsident bezifferte die Zahl auf 10.000 bezifferte, darunter 450 gewaltbereite Demonstranten. Von Anfang an hätten sich diese zumeist schwarz gekleideten Demonstranten aus dem "antikapitalistischen Block" sehr aggressiv gezeigt, berichtete Polizeipräsident Glietsch. Um 14.08 Uhr hätten Personen aus diesem Block dann auf der Torstraße in Mitte den "offenbar von Hand veränderten oder verstärkten" Sprengsatz auf Beamte der elften Hundertschaft geworfen. Die Explosion verletzte zwei Beamte schwer.

Die beiden Beamten, 36 und 47 Jahre alt, konnten am frühen Dienstagnachmittag das Krankenhaus wieder verlassen, sind aber vorerst nicht diensttauglich. Sie werden nun psychologisch betreut. Ein Polizist erlitt Verbrennungen am Bein, neun weitere trugen Schürfungen, Knalltraumata und Schnittwunden davon.

Glietsch sagte, der Veranstalter sei nicht in der Lage gewesen, besänftigend auf den "autonomen Block" einzuwirken. Im Gegenteil: Aus dem Lautsprecherwagen sei gegen die Polizei agitiert worden, das könne man "nicht als Kooperation mit der Polizei" betrachten. Dennoch müsse man "sorgfältig differenzieren" zwischen friedlichen und gewaltbereiten Demonstranten, sagte der Polizeipräsident und erhielt für diese Aussage ein ausdrückliches Lob des Grünen-Innenexperten Benedikt Lux. Die SPD-Abgeordnete Anja Hertel fragte, ob man nicht künftig "stringenter vorgehen könne, was den Abbruch einer solchen Demonstration" angehe.



Die Innenpolitiker im Abgeordnetenhaus debattierten im Ausschuss die Frage, ob die Anmelder der Demonstration eine Mitverantwortung für die Eskalation tragen und ob es geholfen hätte, die Veranstaltung vorzeitig aufzulösen, nachdem aus dem "schwarzen Block" die ersten Flaschen und Böller auf Polizisten geflogen waren. Innensenator Körting sagte, die Demonstration sei nicht "primär von Gewalt geprägt gewesen". Demonstrationen müssten möglich sein. Als der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorwarf, er mache "gemeinsame Sache mit Linksextremen", wies Körting diese Kritik zurück. Auch Gewerkschaften oder Parteien, die zu Demonstrationen aufriefen, könnten nichts dagegen tun, dass sich ihnen Leute anschlössen, die sie lieber nicht dabei haben wollten.

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