Sprengsatz-Anschlag

Innensenator sieht "neue Brutalität"

Die Berliner Politik reagiert schockiert auf den Anschlag vom Wochenende, bei dem zwei Polizisten schwer verletzt worden waren.

Politiker aller Parteien haben den Sprengstoffanschlag auf Polizisten verurteilt. Bei der Detonation des Sprengsatzes während einer Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung in Mitte waren am Sonnabend zwei Beamte so schwer verletzt worden, dass sie sofort in einem Krankenhaus operiert werden mussten. Dabei wurden den Männern unter anderem Metallsplitter entfernt. Beiden Verletzten geht es nach Polizeiangaben inzwischen besser, einer kann vermutlich bereits heute das Krankenhaus verlassen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte, es sei wichtig, dass sich Veranstalter und Kundgebungsteilnehmer von kriminellen Gewalttätern eindeutig distanzierten. "Es kann und darf für Angriffe auf Polizeibeamte keinerlei politische Legitimation geben", erklärte Wowereit. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sprach von einer "neuen Brutalität" in Teilen des autonomen Spektrums, in der Politik nur Vorwand für Gewalt sei. "Das Verletzen von Menschen ist zum eigentlichen Ziel geworden", sagte Körting. Bodo Pfalzgraf, der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), bezeichnete die Tat als "grausamen Anschlag". "Die Täter bewegen sich hart an der Grenze zum Terrorismus", sagte der Gewerkschaftler gestern.

Die Explosion vom Sonnabend

Quelle: Youtube

Auch die Vertreter der drei Oppositionsparteien im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierten den Anschlag scharf. "Die Brutalität linksextremer Gewalt hat eine neue Qualität erreicht, wenn jetzt sogar Menschenleben gefährdet werden", sagte CDU-Landeschef Frank Henkel. Der FDP-Innenexperte Björn Jotzo sprach von einer "barbarischen Tat", Benedikt Lux, sein Kollege von den Grünen, von einer "absoluten Katastrophe". Sowohl die Senatoren wie auch die Oppositionsvertreter wünschten den verletzten Beamten eine schnelle Genesung.

Bei der Großdemonstration gegen Sozialabbau waren durch die Splitterbombe insgesamt 15 Polizisten verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine selbst gebastelte oder präparierte Bombe, die möglicherweise mit Nägeln oder Glasscherben gefüllt war. Am Tatort an der Torstraße fanden die Kriminaltechniker unter anderem zerfetzte Uniformteile sowie eine Brille und Batterien, die möglicherweise von den Tätern zurückgelassen wurden.

Parallel zu den Untersuchungen läuft die Fahndung nach den Tätern, die nach bisherigen Erkenntnissen aus einer Gruppe von Vermummten handelten. Ob diese Gruppe dem an der Demonstration beteiligten "antikapitalistischen Block" zuzurechnen ist, steht noch nicht fest. Unmittelbar nach dem Anschlag wurden drei Demonstrationsteilnehmer festgenommen. Der Verdacht gegen sie habe aber nicht erhärtet werden können, sodass sie wieder entlassen werden mussten, sagte ein Polizeisprecher gestern Mittag.

Bereits vor der Detonation hatte es heftige Ausschreitungen von militanten Linksextremisten gegeben. Vor allem an der Torstraße, durch die die Demonstration am frühen Nachmittag zog, flogen Flaschen und Steine auf die Einsatzkräfte, es gab Festnahmen und Verletzte. An der Demonstration, zu der unter anderen die Gewerkschaften aufgerufen hatten, hatten nach Angaben des Veranstalters 20.000 Menschen teilgenommen, die Polizei war mit 1200 Beamten im Einsatz.

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