Anschlag

Berliner Polizisten durch Splitterbombe verletzt

Mit einem selbst gebautem Sprengsatz sind am Sonnabend während einer Demonstration in Berlin-Mitte zwei Polizisten attackiert und schwer verletzt worden. Nun ermittelt der Staatsschutz wegen versuchten Totschlags.

Foto: dpa

Die beiden 36 und 47 Jahre alten Polizisten, die am Sonnabend bei der Berliner Großdemonstration gegen Sozialabbau schwer verletzt wurden, sind mit einer Splitterbombe angegriffen worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Sonntag handelte es sich offenbar um einen selbst gebauten Sprengsatz, der möglicherweise mit Nägeln oder Glasscherben gefüllt war. Seinen Worten zufolge mussten den beiden Beamten verschiedene "Gegenstände" herausoperiert werden. Er konnte allerdings nicht genau sagen, um was es sich handelte.

Der GdP-Vorsitzender Konrad Freiberg sagte, Splitter hätten die Schutzkleidung der Polizisten durchschlagen. Die schwer verletzten Beamten hätten mehrere Zentimeter breite Fleischwunden an den Beinen erlitten, die vom Stiefelschaft bis in die Leistengegend reichten. Nach Gewerkschaftsangaben ereigneten sich drei Detonationen.

Den beiden Beamten ging es laut Polizei am Sonntag wieder besser. Einer von ihnen werde voraussichtlich bereits in Kürze entlassen, sein Kollege werde allerdings noch einige Tage in der Klinik bleiben müssen, hieß es. Neben den beiden Schwerverletzten wurden durch den Angriff an der Torstraße 13 weitere Polizisten verletzt. Sie erlitten unter anderem Schnittwunden und Knalltraumata.

Laut Polizei erfolgte der Wurf des Sprengsatzes während einer Demonstration gegen die Sparpläne der Bundesregierung aus einem sogenannten antikapitalistischen Block heraus. Bereits vor der Explosion waren die Polizisten an der Torstraße nahe der Gormannstraße mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Auf Youtube ist ein Video von dem Anschlag zu sehen. Zu erkennen ist, wie in der Menschenmenge der Sprengsatz detoniert, die Umstehenden erschrecken und eine weiße Rauchwolke aufsteigt. Der Staatschutz ermittelt nun wegen versuchten Totschlags.

Drei Personen wurden im Zusammenhang mit der Explosion festgenommen. Sie kamen in der Nacht zum Sonntag aber ebenso wieder auf freien Fuß wie vier weitere Teilnehmer des Protestmarsches, die wegen anderer Delikte festgenommen worden waren.

Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) verurteilte die Attacke. Es sei "ein krimineller Akt, der mit dem Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun hat". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte: "Es kann und darf für Angriffe auf auf Polizeibeamte keinerlei politische Legitimation geben." Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kritisierte, Teilen des autonomen Spektrums diene Politik nur noch als Vorwand, um Menschen zu verletzen. "Hier handelt es sich um eine neue Brutalität."

Wowereit und Körting übermittelten den beiden Beamten ihre Genesungswünsche. "Die Polizistinnen und Polizisten, die im Namen der Allgemeinheit bei großen Demonstrationen eingesetzt werden und dabei auch den Auftrag haben, Gewalttätern entschlossen entgegenzutreten, haben unsere volle Unterstützung und Solidarität", betonte Wowereit.

Unter dem Motto "Die Krise heißt Kapitalismus" waren am Samstag bis zu 20.000 Menschen durch die Berliner Innenstadt gezogen, um gegen Sozialabbau und das Sparpaket der Bundesregierung zu protestieren. Darunter waren auch etwa 450 Personen aus dem sogenannten "Antikapitalistischen Block". Dazu aufgerufen hatte ein breites Bündnis, zu dem auch die Partei Die Linke gehört. Linke-Landeschef Klaus Lederer distanzierte sich in der "BZ" von dem Anschlag: "Jeder Akt von Gewaltanwendung ist zu verurteilen. Das schadet dem Anliegen der Demonstration."

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.