Verkehrsvergehen

Hochzeitsgesellschaft blockiert A3 – Polizei fürchtet Trend

Eine Hochzeitsgesellschaft hat die A3 blockiert. Die irre Aktion ist in dem Bereich kein Einzelfall. Die Polizei hat konkrete Spuren.

Eine Hochzeitsgesellschaft blockierte die A3: Die Polizei fotografierte einige der Luxus-Autos, die Autobahn blockierten.

Eine Hochzeitsgesellschaft blockierte die A3: Die Polizei fotografierte einige der Luxus-Autos, die Autobahn blockierten.

Foto: . / Polizei Düsseldorf

Ratingen.  Die irre Hochzeitsfoto-Akti on auf der A3 – offenbar kein Einzelfall: „Wir haben Hinweise, dass es vor wenigen Wochen eine ähnliche Szenerie auf der A40 zu sehen gab“ sagt Polizeisprecher Kim Freigang. Eine Zeugin habe sich gemeldet, nachdem über einen Vorfall am Freitag berichtet worden war. Ein gefährlicher Trend?

Auf der Autobahn 3 bei Ratingen in Nordrhein-Westfalen hat eine Hochzeitsgesellschaft mit Luxuskarossen die Autobahn für ein Hochzeitsfoto blockiert. Die Autofahrer ließen die Reifen qualmen und wollten unter anderem sogenannte Drifts drehen. Als die Polizei einen Autofahrer zu Rede stellte, bekamen sie eine kuriose Ausrede zu hören.

Update vom 17. Mai 2019: Hochzeitsgesellschaft blockiert A3 - SEK durchsucht Wohnungen

Hochzeitsgesellschaft blockiert Autobahn: Polizei veröffentlicht Fotos

Freigang von der Düsseldorfer Polizei erklärte, dass es kein Trendsport werden darf. „Wir werden konsequent einschreiten, die Leute dürfen sich nicht sicher sein, dass sie mit so etwas durchkommen“, so Sprecher Freigang. „Sie setzen nicht nur ihren Führerschein aufs Spiele, sondern auch ihr Leben und das anderer.“

Nach den Berichten über den Vorfall am Wochenende, den die Polizei mit Fotos öffentlich gemacht hatte, habe es zahlreiche Hinweise gegeben, auch sehr konkrete. „Ein Fahrzeug ist offenbar identifiziert worden – wo es herkommt und wer es verleiht.“

Ob zwischen dem aktuellen Vorfall und dem vor zwei Wochen ein Zusammenhang besteht, wir derzeit überprüft. Damals hatte es keine Polizeimeldung gegeben, bisher keine Ermittlungen – „da wir nichts davon wussten, eine Zeugin hat sich nun erst im Rahmen der Berichterstattung über den neuen Vorfall bei uns gemeldet“, erklärt Behördensprecher Freigang.

Hochzeitsgesellschaft bremste Verkehr hinter sich aus

Wie die Polizei Düsseldorf mitteilte, waren Beamten auf Zivilstreife am Freitagnachmittag in Höhe des Autobahnkreuzes Ratingen-Ost zwei Porsche und ein Audi R8 aufgefallen. Die Fahrer pendelten in Richtung Köln mit Warnblinker über alle Spuren, bremsten so den Verkehr hinter sich aus – und hielten dann an. Dem Bericht der Polizei zufolge konnte niemand mehr die mitten auf der A3 abgestellten Fahrzeuge passieren.

Die Polizisten gingen von einem Unfall oder einem anderen Notfall aus, manövrierten durch den stockenden Verkehr und trauten ihren Augen nicht, als sie an der vermeintlichen Unfallstelle angekommen waren. Ein Ford-Mustang-Cabrio hatte sich vor die Karossen gesetzt – der Audi R8 war mit einem Blumenbouquet geschmückt – und ließ die Reifen qualmen.

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo sich der Vorfall ereignete.

In dem Mustang stand ein Mann, der Fotos von der Situation machte. Auch aus den anderen Wagen stiegen Menschen aus, um ihrerseits Fotos von dem Mustang zu machen, bei dem offenbar nicht nur die Reifen durchdrehten. Als die Gesellschaft die Polizeibeamten bemerkte, seien die Wagen sofort wieder angefahren, teilte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf mit.

Verkehrsgefährder: Haben schon mit unseren Anwälten telefoniert

Zwei der Autos konnte die Polizei an der nächsten Ausfahrt stoppen und kontrollieren. Einer der Fahrer, der mit seinem Wagen die Autobahn blockiert hatte, informierte die Beamten, man brauche sich keine Gedanken zu machen, er kenne einen guten Anwalt. Solch gute Anwälte werden Autoposer in Zukunft um so mehr brauchen. Verkehrsminister fordern höhere Bußgelder für Auto-Poser.

Urteil: Raser nach Autorennen wegen Mordes verurteilt

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Eskalation: Schüsse und blockierte Autobahn – Hochzeitskorso eskaliert

Einige der Beteiligten stritten vor der Polizei ab, irgendetwas falsch gemacht zu haben, andere erklärten, sie hätten schon mit ihren Anwälten telefoniert. Ein Beifahrer im Ford Mustang entschuldigte sich mit damit, dass er nur der Hochzeitsfotograf sei.

Die Polizei ermittelt gegen alle Beteiligten wegen des Verdachts der Nötigung und der Verkehrsgefährdung.

Vorfall in Ratingen nicht die erste Blockade einer Autobahn

Wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ erfuhr, hatte es am 16. März nur wenige Kilometer von Ratingen entfernt einen ähnlichen Vorfall gegeben. Ein Zeugin erstattete Anzeige, nach dem ein Korso von Luxuskarossen sie auf der Autobahn 40 bei Mülheim-Dümpten ausgebremst hatte. Die Frau war an dem Korso vorbeigefahren und wurde dann auf Essener Stadtgebiet auf der A 40 von den Fahrzeugen überholt und erneut behindert. Der Polizei liegen nun die Kennzeichen mehrere Fahrzeuge vor, heißt es in dem Bericht weiter.

Beide Vorfälle erinnern an das Vorgehen von Verkehrsrowdys auf der A226 bei Bendorf (Schleswig-Holstein). Dort hatte im März 2018 eine Hochzeitsgesellschaft ebenfalls die Autobahn blockiert. Aus den Fenstern mindestens eines Autos wurden sogar Schüsse aus einer Waffe abgegeben. Die Polizei stoppte den Korso.

Video- Rapper Sofiane sperrt Autobahn

Der französische Rappe Sofiane ging sogar noch einen Schritt weiter. Er blockierte in Frankreich eine Autobahn, um dort ein ganzes Musikvideo zu drehen. Die Aktion brachte ihm eine Verurteilung über vier Monate Haft auf Bewährung ein.

In Brüssel sah sich die Polizei am Montag gezwungen, vor gefährlichen Aktionen bei Hochzeitskorsos zu warnen. „Erhöhen Sie nicht unnötig die Rechnung für ihren schönsten Tag. Feiern Sie mit Respekt. Wir bleiben wachsam“ – mit diesen Worten hat die Brüsseler Polizei am Montag öffentlich vor allzu wilden Autokorsos zu Hochzeiten gewarnt.

Der Hintergrund zur Meldung der Polizei: Am Wochenende hatten Beamte allein an einem Tag 26 Strafzettel an die Teilnehmer von sechs Hochzeiten verteilen müssen. „Sie fuhren beispielsweise zu schnell, zu gefährlich oder sie behinderten den Verkehr“, sagte eine Polizeisprecherin.

• Immer wieder sind Straßen Schauplätze lebensgefährlicher Aktionen. Ein 22-Jähriger hat bei einem illegalen Autorennen gerade seinen Bruder (24) totgefahren.

(ses/moi/ac/dpa)