Zu Schuljahresbeginn gibt es in Berlin weiter erhebliche Probleme. Wie eine Umfrage der Berliner Morgenpost in den Bezirken zeigt, gab es am gestrigen ersten Schultag gesperrte Turnhallen und Pausenhöfe, an vielen Orten zu wenig Platz und sogar Unterricht im Freien. Der Ärger ist bei vielen Eltern groß: Schon jetzt gibt es mehrere offene Protestbriefe.

So musste an der Lietzensee-Grundschule im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf der Unterricht im Freien abgehalten werden. Zwar waren die Sanierungsarbeiten an der Schule, die im Rahmen der „Schulbauoffensive“ während der Sommerferien stattgefunden hatten, fertig geworden, doch es fehlte die Zeit zur Baureinigung. So verbrachten die Kinder der Lietzensee-Grundschule ihren ersten Schultag unerwartet draußen.

Schülerzahlen steigen an

In vielen Bezirken kämpft man mit den Folgen wachsender Schülerzahlen. 359.000 Schüler sind es in diesem Jahr, damit 8000 mehr als im Vorjahr. Um alle mit Schulplätzen zu versorgen, wurden an verschiedenen Standorten Container für zusätzliche Klassen­räume aufgestellt.

Bei der Fuchsberg-Grundschule im Bezirk Marzahn-Hellersdorf kritisieren Eltern in einem aktuellen Brandbrief die „verheerende Schulsituation“. Die Klassen seien mit bis zu 30 Kindern übervoll. Ab Oktober will man in einen Neubau umziehen, doch auch der scheint schon zu klein geplant. Nun fordern die Eltern sehr schnell weitere Container. Die Schule hat eine Prognose von 117 Schülern. Platz ist nur für 78. „Aber der Bezirk handelt nicht!“, heißt es im Brandbrief.

Schulen müssen sich zusammentun

Andere Schulen sind derzeit noch Baustellen, mit Bagger auf dem Pausenhof. Aus der Not heraus tut man sich mit Nachbarschulen zusammen, um Einrichtungen zu teilen. In einem weiteren Protestbrief, diesmal aus der Hausburg-Grundschule im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, klagen Eltern über den Baulärm, den ihre Kinder nun ertragen müssten. Auch die Nutzung der Turnhalle ist mancherorts unmöglich – wie in der Dunant-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf. Hier wurden die beiden Turnhallen nicht wie vorgesehen fertig.

Die größte Diskussion gibt es aber über die Einstellung von 915 „Lehrern ohne volle Lehrbefähigung“ (LovL) in diesem Schuljahr. Eigentlich sollten das Akademiker mit Abschluss sein, die allerdings kein Fach studiert haben, das in der Berliner Schule gerade gefragt ist. Wie der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, sagte, seien vereinzelt auch Mitarbeiter angestellt worden, die ohne abgeschlossenes Studium sind. „Die werden dann für AGs eingesetzt“, so Erdmann. Formal besetzen sie eine Lehrerstelle.

Bei der Senatsverwaltung für Bildung fühlt man sich nicht dafür verantwortlich. Allein die Schulleiter seien für die Einstellungen der LovLs zuständig. Anders als bei den Quereinsteigern erfolgte hier keine Bewerbung über die Senatsverwaltung für Bildung. Viele hatten vorher als Lehrer in Willkommensklassen gearbeitet. Die meisten Verträge der LovLs sind befristet, häufig nur auf ein Jahr.

Die befristeten Verträge sieht die GEW kritisch. Dort kämpft man gegen sachgrundlose Befristungen. „Kettenverträge wird es mit uns nicht geben“, sagte dazu Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung. Es gehe darum, die LovLs nun schnell weiterzubilden. Das soll in nächster Zeit organisiert werden und sich an dem Programm für die Berliner Quereinsteiger orientieren.

Mehr zum Thema: