Neues Schuljahr

So lief der erste Schultag in Berlin

Dreckige Klassenzimmer, Lärm von Presslufthämmern - zum Schulstart befinden sich viele Gebäude noch in einem provisorischen Zustand.

Foto: pa

Berlin. Unterrichtsbeginn in Berlin: 359.000 Schüler standen am Montagmorgen vor den Schulen, 8000 mehr als im Vorjahr. Zwar sei der Auftakt des Schuljahres insgesamt glimpflich verlaufen, berichten viele Schulstadträte. Doch etliche Gebäude oder Schulhöfe befinden sich noch in provisorischem Zustand. Eltern registrieren dies zum Teil mit großer Verärgerung. Die Berliner Morgenpost hat sich in den Bezirken umgehört:

Friedrichshain-Kreuzberg: Empörung herrscht bei den Eltern der Hausburgschule in Friedrichshain. Auf den ersten Schultag datiert, haben sie einen Protestbrief an Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) geschrieben, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Sie bemängeln, dass die Arbeiten mit Presslufthämmern an der Fassade auch am ersten Schultag fortgesetzt werden.

Baulärm verhindere Gespräche im Gebäude und auf den Schulhöfen. Überall sei Feinstaub, was bei Kindern und Erwachsenen zu Husten und anderer Beeinträchtigung der Atemwege geführt habe. Fazit: In der Schule würden mindestens in der ersten Schulwoche alle Klassen aufgrund der Sanierungsarbeiten Ausflüge unternehmen. „Die Pädagogen versuchen so, sich und unsere Kinder vor den Schäden zu schützen!“ Seitens des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg zeigte man Verständnis. Schulamt, bezirklicher Hochbau und Schule arbeiteten mit Hochdruck an einer Lösung, so eine Sprecherin. Während der Ferien wurde im Bezirk an 20 Schulen gebaut.

Charlottenburg-Wilmersdorf: Zwei Grundschulen des Bezirks mussten zum Schulbeginn noch geschlossen bleiben: die Lietzensee-Grundschule in Charlottenburg und die Judith-Kerr-Grundschule in Schmargendorf. Zwar waren die Baumaßnahmen in beiden Schulen rechtzeitig abgeschlossen. Wegen der Reinigungsmaßnahmen konnte in den Schulhäusern aber noch nicht unterrichtet werden.

Die Lehrkräfte haben nach Angaben der Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) ihre Schüler am ersten Schultag im Schulhof beziehungsweise im Lietzenseepark unterrichtet. Wegen der starken Auslastung sind an einigen Schulen wie zum Beispiel der Grunewald-Grundschule Container im Schulhof aufgestellt worden. Insgesamt aber zieht Schmitt-Schmelz ein positives Fazit: „Alle Bauarbeiten wurden planmäßig beendet.“

Pankow: An der Tesla-Schule mussten die Kinder am Montag auf einen der beiden Schulhöfe verzichten. Eigentlich sollten die Arbeiten am Hof für die Grundschüler bis zu den Sommerferien beendet werden. Aber jetzt graben hier immer noch Bagger. „Eine Katastrophe“, ärgert sich die Schulleiterin Maja Wessolowski über die Verzögerung. Grundschüler tummeln sich nun in den Pausen mit den Schülern der Sekundarschule II auf deren Hof.

Doch bei den Klassenzimmern ging die Rechnung in der Tesla-Schule – wie in allen Pankower Lernorten – auf. Dass keine Platzprobleme entstanden sind, verdankt man einer Punktlandung. „Wir haben rechtzeitig vor den Ferien im Juni unseren Erweiterungsbau bezogen“, sagt Wessolowski. Das neue Gebäude entstand in modularer Bauweise und bietet Platz für 18 Klassen und zwei Willkommensklassen. Obwohl man zwei zusätzliche erste Klassen und drei neue siebte Klassen unterbringen musste, lief der erste Schultag deshalb „entspannt und geordnet.“

Tempelhof-Schöneberg: An 18 Schulen des Bezirks wurde während der Sommerferien intensiv gebaut. An 15 der Schulen laufen die Arbeiten noch immer. Allein am Luise-Henriette-Gymnasium in Tempelhof sollen 2018 rund 20,7 Millionen Euro investiert werden. Unter anderem müssen sich die Schüler auch an der Ruppin-Grundschule, an der Marienfelder Grundschule, der Paul-Klee-Schule, der Finow-Grundschule sowie an der Georg-von-Giesche-Schule und der Johanna-Eck-Schule auf Beeinträchtigungen einstellen. Für etwa drei Monate werden an der Paul-Klee-Schule Schüler in zwei Containern unterrichtet, bis das dort geplante modulare Gebäude aus Holz zur Verfügung steht.

Marzahn-Hellersdorf: Die neu gebaute Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf, in die die Schüler aus der Grundschule am Habichtshorst nach den Herbstferien umziehen sollen, ist ein Problemfall im Bezirk. Sie wurde zu klein geplant, neue Container sollen Abhilfe schaffen, doch die Finanzierung ist noch nicht abschließend geklärt. Die Elternvertretung hat sich inzwischen mit einem Brandbrief an das Bezirksamt gewandt.

Insgesamt, so Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD), habe man bei den Grundschulen alle Erstwünsche berücksichtigen können. Einzige Ausnahme sei die Johann-Strauß-Grundschule. Bei den 15 Oberschulen konnten nur an acht sämtliche Erstwünsche erfüllt werden, besonders überlaufen war die Ernst-Haeckel-Schule mit 248 Anmeldungen bei 150 Plätzen.

Neukölln: „Der Sommer war die Hölle“, sagt Thorsten Gruschke-Schäfer, Schulleiter der Clay-Schule in Rudow. In den Behelfsbaracken, in denen sich die Schule so weit wie möglich gemütlich eingerichtet hat, werde es unerträglich heiß. Vor 30 Jahren hätte die Schule neugebaut werden sollen – 2020 soll es nun endlich so weit sein. Und an der Fritz-Karsen-Schule in Britz fiel nach einem Bericht der RBB-Abendschau der Unterricht gleich ganz aus, die Schüler wurden wieder nach Hause geschickt. Die Schule war offenbar nicht ausreichend gereinigt worden.

Ein Hilferuf kommt von der Sonnen-Grundschule in der Köllnischen Heide: Etwa 330 Kinder werden an der Brennpunktschule unterrichtet. Aber rund die Hälfte der 29 Lehrer hier sind Quereinsteiger, haben also keine pädagogische Ausbildung. Bereits im April hatte die Grundschule einen Brandbrief an Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) geschrieben. Unternommen hat die Senatsverwaltung bisher nichts. In Neukölln gibt es zudem Schulen, die noch Großbaustellen sind. Hierzu gehören das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Buckow sowie der Campus Efeuweg in Gropiusstadt. Beide Schulen sollen 2020 fertig sein.

Spandau: Spandau war in den Sommerferien der Bezirk mit den meisten Schulbaustellen: 41 gab es – an 23 von ihnen wird weiterhin gearbeitet. Grund laut dem zuständigen Bezirksstadtrat Andreas Otti (AfD): „Einige Firmen haben Aufträge für mehrere Schulen angenommen und arbeiten sie nacheinander ab“, heißt es in der Antwort auf eine CDU-Anfrage. An der Carlo-Schmid-Oberschule gehören Bauarbeiten zum Alltag. In den Ferien sei zwar viel passiert, so Schulleiterin Bärbel Pobloth. Allerdings: „Die Reinigung hat wieder gar nicht geklappt“, so Pobloth.

Thorsten Hartje, Vorsitzender des Bezirkselternausschusses, berichtet, dass auch an der Grundschule am Eichenwald längst nicht alles fertig sei. Die Heizungen seien ausgebaut und nicht ersetzt worden. Das Gelände sei von Bauschutt verdreckt. Andere Schulen hätten zwar nicht mit Baustellen, dafür aber mit Lehrermangel zu kämpfen. „Eine Schule hat eine Lehrerausstattung von nur 82 Prozent“, so Hartje. „Und ausgerechnet dort gibt es besonders viele Quereinsteiger.“

Steglitz-Zehlendorf: Immerhin: In der Dunant-Grundschule in Steglitz wurde der Direktorenposten endlich wieder besetzt. Doch der neue Schulleiter Thomas Schumacher hat gleich ein Problem. Die beiden Turnhallen sind nicht wie geplant fertig geworden. „Wir können keine Halle nutzen“, sagt Schumacher. Wenn er Glück habe, stehe eine Halle nach den Herbstferien zur Verfügung. Auch die Mensa sei noch eine Baustelle. Ansonsten verlief der erste Tag nach Aussagen von Schulamtsleiter Henning von Wittich reibungslos. Alle Schulen seien offen, bis auf die neue 34. Grundschule in der Plantagenstraße. Dort werden die Erstklässler am Freitag eingeschult.

Im Zickzack-Kurs ging es am ersten Schultag für die Schüler der Schweizerhof-Grundschule in Zehlendorf in die Schule. „Alle sind gut angekommen, die Lehrer finden es sehr amüsant“, heißt es aus dem Büro der Schulleitung. Berlins absurdester Radweg, der die Zehlendorfer Leo-Baeck-Straße bis in die Schweiz berühmt gemacht hat, sollte eigentlich zum neuen Schuljahr verschwunden sein. Aber wen wunderts, er war noch da. Der Auftrag war erteilt, am vergangenen Wochenende sollte die Tetris-Linie mit einem Sandstrahler entfernt werden. „Die Firma kriegt es offenbar nicht hin“, sagt Petra Margraf, Referentin der zuständigen Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). Man finde es auch nicht lustig. „Aber woran es liegt, weiß ich auch nicht“, so die Referentin. Der Radweg soll auf jeden Fall weg – so viel sei sicher. Und wenn es die eine Firma nicht hinkriege, müsse man vielleicht eine andere Firma finden. Ein neues Datum, bis wann die weißen Zickzack-Linien rund um die Baumscheiben auf dem Gehweg verschwunden sind, wollte die Referentin nicht mehr nennen. „Aber wir machen natürlich Druck“, sagt Petra Margraf.

Den Radweg haben bereits Fahrradartisten entdeckt und Kunststücke im Netz hochgeladen. Bis er weg ist, können sie ihn als Übungsstrecke nutzen.

Das ist Berlins absurdester Radweg

Nein, dies ist kein analoges Tetris-Spiel von Schülern. Dies ist ein Fahrradweg auf der der Leo-Baeck-Straße in Steglitz-Zehlendorf.
Das ist Berlins absurdester Radweg

Treptow-Köpenick: 23 Schulen im Bezirk befinden sich in der Sanierung. Wenig glücklich ins Schuljahr startete die Merian-Schule. Eine Firma fiel aus, so wird in Containern unterrichtet. Sabine Scholze, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Grünau, ist jedoch optimistisch: „Alle Kollegen sind an Bord, die Umgestaltung des Schulhofes konnte am vergangenen Freitag noch abgeschlossen werden“, sagt sie.

Reinickendorf: „Was die laufenden Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen betrifft, sind noch viele Handwerker im Einsatz“, so Bezirksstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU) am Montag. Alle Baumaßnahmen, die enormen Lärm verursachen, seien aber abgeschlossen. Auch die Filiale der Albrecht-Haushofer-Schule in Heiligensee ist fertig geworden. In der neuen Zweigstelle werden nun 197 Schüler der neunten und zehnten Klassen unterrichtet. Insgesamt sei der Schulstart mit rund 2460 Schülern in Reinickendorf aber reibungslos verlaufen, so der Stadtrat. Jörg Kayser, Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums in Tegel, ist glücklich, dass alle Renovierungsarbeiten abgeschlossen worden seien. „Bei uns sind auch alle Kollegen an Bord“, sagt Kayser.

Lichtenberg: Im Bezirk gibt es Schwierigkeiten im Hochbauamt, dort sind acht Stellen unbesetzt. In der Folge sind von den vorhandenen mehr als zehn Millionen Euro aus dem Schulsanierungsprogramm bisher nur 6,3 Millionen Euro zugewiesen worden.

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