Berlin

Neues Schuljahr: Manche Kinder müssen im Container lernen

Einige Grundschulen müssen Container aufstellen, um alle Kinder unterrichten zu können. Es sind mehr angemeldet als erwartet.

Das neue Klassenzimmer: in diesem Schuljahr wird manches Kind im Container lernen. Nur so kann die wachsende Schülerzahl aufgefangen werden

Das neue Klassenzimmer: in diesem Schuljahr wird manches Kind im Container lernen. Nur so kann die wachsende Schülerzahl aufgefangen werden

Foto: Bezirksamt Lichtenberg

Berlin. „An vielen Stellen wird es eng.“ Das sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag auf der Pressekonferenz zum neuen Schuljahr. Einige Bezirke mussten Container aufstellen, um kurzfristig neue Klassenzimmer zu schaffen – wie in Lichtenberg oder Charlottenburg-Wilmersdorf. So meldeten sich allein im letzteren Bezirk 700 Erstklässler mehr an als erwartet. Das ehrgeizige Raumprogramm, klagen nun viele Bezirke, könne jetzt in den Schulen nicht mehr umgesetzt werden. Scheeres räumte ein, dass bestimmte Fachräume nun für eine Weile als Klassenraum herhalten müssten. „Die Stadt wächst so schnell.“ Nun spüre man die Folgen.

Neu ist im kommenden Schuljahr, dass Schüler aus sozial schwachen Familien ein kostenloses Ticket für die BVG erhalten (AB-Tarif). Das betrifft 138.000 Schüler, deren Eltern Sozialtransfers erhalten. Außerdem fällt für alle Familien der Eigenanteil an den Lernmitteln weg. „Wir wollen die Familien entlasten“, so Scheeres.

Um schwierige Schüler, die „regelrecht den Unterricht zerschießen“ wie sich die Senatorin ausdrückte, eine Weile aus dem Klassenverband zu nehmen, werden 90 Kleingruppen mit weiteren 744 temporären Schulplätzen in Berlin entstehen. Das Angebot wird also ausgebaut. Außerdem erhalten die Bezirke 22.000 Stunden „ergänzende Hilfe für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf“. Es werden zusätzliche Schulpsychologen eingestellt.

Einwöchiger Crashkurs für Quereinsteiger

Strittigster Punkt des kommenden Schuljahres sind aber weiterhin die Quereinsteiger und die „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“ (LovL). Ab diesem Schuljahr wurden die Quereinsteiger in einem einwöchigen Crashkurs auf ihren Einsatz in der Schule vorbereitet. Außerdem werde ihnen in den ersten acht Wochen eine erfahrene Lehrkraft – beispielsweise ein Pensionär – zur Seite stehen. Eine Woche Vorbereitung sei viel zu kurz, heißt es dagegen aus dem Bereich der Lehrerentwicklung an der Humboldt-Universität.

Ein Problem ist auch die Verteilung der Quereinsteiger und LovLs innerhalb der Stadt. So ist ihr Anteil an Brennpunktschulen besonders hoch. Man habe versucht, bei den Lehrer-Castings die problematischen Regionen der Stadt vorzuziehen, so Scheeres. Außerdem werde die Schulaufsicht genau hinschauen, an welchen Schulen es eine Überversorgung von Pädagogen gebe und wo eine Unterversorgung herrsche.

Besonders im Fokus sind die LovLs. Einer von ihnen ist Maik Otto (44). Der studierende Musikpädagoge arbeitet an der Martin-Niemöller-Grundschule in Lichtenberg. Er hilft Förderkindern, unterrichtet aber auch Kernfächer wie Mathematik und Deutsch. Ursprünglich kommt er aus dem Sonderschulbereich. Seine Schulleiterin Monika Rümpel ist von ihm und anderen Fachfremden begeistert. „Sie sind eine Bereicherung.“ Das überalterte Kollegium sei verjüngt worden.

Kritischer sieht man die Situation an der Neuköllner Sonnengrundschule. Mit einer Mahnwache will man am Freitag gegen die „unfaire Verteilung“ der Quereinsteiger protestieren.

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