Rot-Rot-Grün

Berlins neuer Senat will doppelt so viele Lehrer ausbilden

Koalitionsverhandlungen: Hochschulen sollen von 2018 an auf 2000 Absolventen pro Jahr verpflichtet werden.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Berlin.  An den Berliner Hochschulen sollen künftig 2000 Lehramtsstudenten pro Jahr und damit doppelt so viele wie bisher ihr Studium abschließen. Das hat die Berliner Morgenpost aus Kreisen der künftigen Koalition erfahren. In den aktuell geltenden Hochschulverträgen ist für Lehramtsstudenten eine Absolventenzahl von 1000 pro Jahr als Verpflichtung der Universitäten festgelegt. Die künftige Zielzahl soll dann in den neuen Hochschulverträgen verankert werden, die Anfang 2018 in Kraft treten. Die verstärkte Lehrerausbildung soll als sogenannter Sondertatbestand extra vom Land Berlin finanziert werden und nicht zulasten anderer Aufgaben der Hochschulen gehen.

Die Verdoppelung der Absolventenzahl heißt nicht automatisch, dass auch die Zahl der Studienplätze verdoppelt wird. Die Universitäten können die Zielzahl auch auf anderem Weg erreichen, etwa, indem sie die Zahl der Studienabbrecher reduzieren. Klar sei aber, so sagen Experten, dass die Zahl der Studienplätze für angehende Lehrer stark erhöht wird. Die meisten Lehrer werden an der Freien Universität und an der Humboldt-Universität ausgebildet. An beiden Universitäten gab es zum vergangenen Wintersemester insgesamt knapp 300 Studienplätze für Bewerber auf das Grundschullehramt und rund 1250 Plätze für das Lehramt an Sekundarschulen und Gymnasien.

Schülerzahl steigt jährlich um bis zu 10.000

Berlin braucht dringend mehr ausgebildete Lehrer. Bereits jetzt kann der Bedarf nur durch eine hohe Zahl von sogenannten Quereinsteigern gedeckt werden. Von den 1900 Lehrern, die im September zu Beginn des neuen Schuljahres eingestellt wurden, waren 667 Quereinsteiger. Diese haben zwar ein Hochschulstudium absolviert, aber keine pädagogische Ausbildung. Insgesamt sind in Berlin mehr als 33.000 Lehrer tätig. Hinzu kommt, dass Berlin stark wächst und damit zusätzlicher Bedarf an Lehrern entsteht. In jedem Schuljahr steigt die Schülerzahl um 6000 bis 10.000 an. In den nächsten zehn Jahren müssten 75.000 weitere Schulplätze geschaffen werden, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Die wachsende Stadt führt insbesondere zu einem eklatanten Mangel an Grundschullehrern. In diesem Frühjahr sorgte dies für eine Debatte über die wenigen Studienplätze in diesem Bereich. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und die Hochschulpräsidenten hatten sich lange gegenseitig für die Misere verantwortlich gemacht. Im April beschlossen sie dann, die Zahl der Studienplätze für Grundschullehrer auf rund 600 zu verdoppeln.

Förderung der Fachhochschulen

Die neue Absolventenzahl für die Lehrerausbildung wird voraussichtlich am Montag verkündet, wenn SPD, Grüne und Linke ihre Koalitionsverhandlungen fortsetzen und das Thema Wissenschaft behandeln. Dort soll nach Morgenpost-Informationen auch eine Förderung der Fachhochschulen beschlossen werden. Insbesondere das bei der Senatsforschungsverwaltung angesiedelte Institut für angewandte Forschung (IfaF) soll gestärkt werden, um den Technologietransfer in die Wirtschaft auszuweiten.

Möglicherweise könnten die Fachhochschulen bei Forschungsprojekten künftig von einem Finanzierungsmodell profitieren, das bereits für die Einstein-Stiftung gilt: Für jeden von der Hochschule eingeworbenen Euro an Drittmitteln zahlt das Land Berlin 50 Cent dazu.

Ursprünglich sollte am Montag in den Koalitionsverhandlungen über Innenpolitik und Sicherheit gesprochen werden. Dazu aber reiche, wie es hieß, die Zeit nicht. Ein neuer Termin für das Thema wurde noch nicht genannt. Es ist sehr konfliktträchtig, etwa was die Drogenpolitik oder die Zukunft des Verfassungsschutzes anbelangt. Am Mittwoch will Rot-Rot-Grün dann über Bildung und Jugend sowie über Inte­gration verhandeln.