Ausbildung in Berlin

Wirtschaft warnt vor rot-rot-grüner Ausbildungsabgabe

Die Pläne von SPD, Linken und Grünen für eine Ausbildungsplatzabgabe stoßen in der Wirtschaft auf scharfe Kritik.

Nicht Lehrstellen fehlten, sondern motivierte Bewerber so die IHK

Nicht Lehrstellen fehlten, sondern motivierte Bewerber so die IHK

Foto: dpa

In der Koalitionsrunde zur Sozial- und Arbeitsmarktpolitik haben sich die künftigen Regierungsparteien darauf verständigt, Unternehmen bezahlen zu lassen, die nicht selbst Lehrlinge ausbilden. Zunächst solle die Abgabe in der Pflegebranche eingeführt werden, weil dort der Fachkräftemangel am größten sei, begründete die amtierende Arbeitssenatorin und SPD-Verhandlungsführerin Dilek Kolat den Plan. Die Regelung könne aber auch auf weitere Branchen ausgeweitet werden.

Das sind Berlins 160 neu gewählte Abgeordnete

Aus Sicht der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) ist eine Ausbildungsplatz-Abgabe „eindeutig der falsche Weg“. „Sie würde die Unternehmen unnötig belasten und enorm viel Bürokratie verursachen und womöglich kontraproduktiv wirken“, warnte Andreas Fleischer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der UVB. An den Problemen im Bildungssystem würde sich zudem auch mit einer Ausbildungsplatz-Abgabe nichts ändern.

IHK: Es gibt keinen Angebotsmangel

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) mahnte den Senat, zunächst die Defizite in der Bildungspolitik aufzuarbeiten, bevor die Unternehmen mit einer Strafsteuer zur Kasse gebeten würden. Die Kammer schätzt die Lage auf dem Ausbildungsmarkt völlig anders ein als die rot-rot-grünen Politiker.

Fehlen nicht Lehrstellen sondern motivierte Bewerber?

Nach dem Beginn des Ausbildungsjahres im September seien noch 5.200 Plätze unbesetzt, so die IHK. Jeder dritte Ausbildungsbetrieb könne seine angebotenen Lehrstellen nicht besetzen. Zu der Last-Minute-Börse für Ausbildungsplätze der Arbeitsagenturen, der IHK Berlin und der Handwerkskammer seien nur 875 der 6.400 unversorgten Jugendlichen erschienen.

„Angesichts dieser Situation von einem Angebotsmangel zu sprechen, ist Realitätsverweigerung“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Nicht Plätze fehlten, sondern qualifizierte und motivierte Bewerber. „Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen, statt für die Bildungsprobleme der Hauptstadt die Berliner Unternehmen zur Kasse zu bitten“, sagte Eder.