Missbrauch

Geflüchtete Kinder müssen besser geschützt werden

In einem Berliner Flüchtlingsheim soll eine Sechsjährige missbraucht worden sein. Das wirft brennende Fragen zum Kinderschutz auf.

Der Kinderschutz in Flüchtlingsheimes soll verbessert werden, fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung

Der Kinderschutz in Flüchtlingsheimes soll verbessert werden, fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung

Foto: Roos Koole / picture-alliance / ANP

Beim Kampf gegen Kindesmissbrauch in Flüchtlingsunterkünften fehlen aus Sicht des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, noch immer einheitliche Standards. „Im Moment hängt es vom Zufall oder Engagement einzelner Menschen ab, ob Kinder und Jugendliche in Unterkünften sicher sind oder nicht“, sagte Rörig der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen eine Verpflichtung, Freiwilligkeit allein reicht nicht aus.“ Die Situation für Kinder und Jugendliche sei „wirklich gefährlich“. Zahlen zu Übergriffen in Deutschland gibt es aber nicht.

Familien und alleinstehende Mütter müssen besser geschützt werden

In Berlin hat der Fall eines sechs Jahre alten Flüchtlingsmädchens, das von einem Mitbewohner missbraucht worden sein soll, ein Schlaglicht auf die Lage von Kindern in Notunterkünften geworfen. Der Vater des Mädchens wurde am Dienstagabend von Polizisten erschossen , als er mit einem Messer auf den Beschuldigten losging.

Rörig fordert seit langem Mindeststandards zum Schutz von Flüchtlingskindern vor sexueller Gewalt. Wichtig sei zum Beispiel, dass Familien und alleinstehende Mütter grundsätzlich getrennt von allein geflüchteten Männern untergebracht werden. Zudem müsse es Spiel- und Freizeitbereiche für Kinder mit pädagogischem Fachpersonal geben. „Flüchtlingskinder sind durch das Erlebte besonders verletzlich und gefährdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Deshalb müssen sie ganz besonders geschützt werden“, erläuterte der Beauftragte.

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Bundesregierung muss Gesetzesvorschlag formulieren

Manche Träger von Unterkünften hätten solche Schutzmaßnahmen bereits etabliert. „Andere, denen das nicht so wichtig ist, die machen das halt nicht - und da besteht die große Gefahr“, so Rörig. Das Thema hängt nach seinen Angaben nach einigem Hin und Her zwischen Bund und Ländern nun an einem Gesetzesvorschlag, den die Bundesregierung formulieren muss. Bislang liege dieser Entwurf nicht vor. „Das Thema hat nach wie vor nicht die Priorität, die erforderlich wäre, um den Schutz der der vielen tausend geflüchteten Mädchen und Jungen in den Unterkünften zu sichern“, sagte Rörig.