Kinderhilfswerk

Missbrauch von Kindern ein Problem in Flüchtlingsheimen

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Andreas Abel
Kinderkleidung hängt in Berlin vor einem Hangar der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof an einem Bauzaun zum Trocken in der Sonne

Kinderkleidung hängt in Berlin vor einem Hangar der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof an einem Bauzaun zum Trocken in der Sonne

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Mehr als 12.000 Minderjährige leben in Berliner Unterkünften. Sie müssen besser geschützt werden, fordert das Kinderhilfswerk.

In den Berliner Erstaufnahmeeinrichtungen sowie den Not- und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge leben derzeit rund 38.000 Menschen. Ein knappes Drittel davon sind Minderjährige. Nach Einschätzung des Deutschen Kinderhilfswerks ist sexueller Missbrauch von Kindern in Flüchtlingsheimen bundesweit ein „riesengroßes Problem“. Es gebe etliche Einzelfälle, sagte Sprecher Uwe Kamp am Mittwoch. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, so Kamp.

Das Kinderhilfswerk fordert bessere Schutzkonzepte. Flüchtlingsunterkünfte, in denen Kinder untergebracht sind, sollten nur genehmigt werden, wenn sie genügend Rückzugsräume für Minderjährige sowie abschließbare Zimmer vorweisen können.

Es gebe im Grundsatz keine Unterkünfte, die ausschließlich mit allein reisenden Männern oder mit Familien belegt würden, sagte Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle der Berliner Morgenpost. Die Gruppen innerhalb der Heime zu trennen, sei Aufgabe des Betreibers. Bei Notunterkünften in Turnhallen komme es aber vor, dass dort nur allein reisende Männer untergebracht seien. Familien böten die Hallen keine Privatsphäre.

Evangelisches Fürsorgewerk droht mit Kündigung

Dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) drohte kurzfristig der Verlust der Gemeinschaftsunterkunft an der Salvador-Allende-Straße in Treptow-Köpenick, in der 330 Flüchtlinge leben. Sie wird vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) betrieben.

Am 20. September 2016 habe das EJF dem Landesamt die Kündigung zum Ende dieses Monats geschickt, bestätigte dessen Sprecherin Katrin Wilcken am Mittwoch auf Anfrage. Grund sei die marode Elektroanlage. Es bestehe die Gefahr, dass ein Brand ausbricht oder Menschen einen Stromschlag bekommen, so Wilcken. Darauf habe das Jugend- und Fürsorgewerk mehrfach schriftlich hingewiesen und eine Kostenübernahme-Bestätigung des Senats für die Sanierung der Anlage eingefordert – vergeblich. Den weiteren Betrieb könne man nicht verantworten. Nach Morgenpost-Informationen wird die Erneuerung der Elektrik auf mehr als 900.000 Euro taxiert.

„Wir sind sehr daran interessiert, die Einrichtung weiter zu betreiben“, sagte Staatssekretär Gerstle wenig später der Morgenpost. Der Betreiber habe korrekt auf die potenzielle Gefährdung hingewiesen. Allerdings hätten die beteiligten Behörden dies „nicht mit dem nötigen Nachdruck“ verfolgt. In der Sache gebe es keinen Dissens. Gerstle sagte dem EJF zu, das Problem umgehend zu lösen. Für diesen Fall werde die Kündigung zurückgezogen, so Wilcken.