Es war ein besonderer Jahrgang an der Katholischen Schule Salvator (Reinickendorf). Nicht nur, weil alle 61 Schüler bestanden haben und die Durchschnittsnote bei 2,0 liegt. Die verhältnismäßig geringe Schülerzahl habe vor allem für „einen besonderen Zusammenhalt“ gesorgt, sagt Miriam Böhm (18). „Jeder kannte jeden und alle mochten sich.“ Das bestätigt Matthias Hoppe (18): „Durch den kompakten Jahrgang waren die Kurse sehr viel kleiner, was mir gut gefallen hat. Die Lehrer waren entspannt und man konnte sich auf seine Stärken konzentrieren.“ Für Matthias, der Deutsch und Erdkunde als Leistungskurse gewählt hatte, sprang eine 2,4 heraus. Lydia Kloss (18) hat „in der Oberstufe neue Freunde gefunden“ und nur einen Kritikpunkt:„Ich habe keine Klassenfahrt mitgemacht, es gab immer zu wenig Plätze.“
Mit dem Abi-Zeugnis in der Tasche ist die über zwölf Jahre gelernte Tagesstruktur urplötzlich Vergangenheit. Manche Abiturienten fallen in ein vorübergehendes Loch, nicht jedoch dieser Achter, denn alle haben sich Gedanken über die Zukunft gemacht, teils sogar schon konkrete Pläne geschmiedet.
Simon Moosburner zum Beispiel. Der 18-Jährige schloss zunächst mit einer 1,1 ab, die er dann über eine freiwillige Nachprüfung auf das 1,0 verbesserte. Es ist nur eine Zehntelstelle hinter dem Komma, doch sie kann über eine Karriere entscheiden. Im Fall von Simon ist es der Wunsch, Medizin an der Charité studieren zu wollen – und die Berliner Vorzeigeadresse legt bei ihren Studienbewerbern größten Wert auf ein Zeugnis mit einer 1,0. Auch die Zeit nach dem Studium hat Simon Moosburner schon geplant. „Ich möchte Kinderarzt werden. Wenn man Kindern helfen kann, gesund zu werden, ist das doch wunderbar. Sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich.“
Im Politikbereich „schon einen Job sicher“
Eine klare Lebens- und Karriereplanung hat auch Benedikt Schmitz. Eine 2,0 ist es geworden, dabei „ich hatte schon ernsthaft überlegt, nach der zehnten Klasse aufzuhören. Aber in der Oberstufe hat sich alles sehr entspannt.“ Nun will der 18-Jährige Jura studieren, entweder an der Humboldt-Universität oder an der Freien Universität, in jedem Fall aber in Berlin. Der Numerus Clausus von 1,7 an der HU könnte zu einer Runde in der Warteschleife führen, doch „wenn ich etwas warten muss, ist das okay“. Benedikt ist entspannt, weil er im Politikbereich „schon einen Job sicher“ habe. Das große Berufsziel: Staatsanwalt.
Josefine Halbeisen und Lydia Kloss (beide 18) gehen beide zunächst in Ausland, um später zu studieren. Josefine ist eine perfekte Verbindung ihrer beiden Leistungskurse Englisch und Kunst geglückt: Mit ihrem 1,7er-Abi hat sie sich für fünf Monate an einer kanadischen High School mit dem Schwerpunkt Kunst eingeschrieben. Kunst und Design sollen auch die späteren Studien- bzw. Arbeitsgebiete werden.
Lydia Kloss hatte ihr Abitur (2,9) ruum die Leistungskurse Musik und Biologie gebaut. Ihr späteres Berufsleben soll „in jedem Fall etwas mit Musik“ zu tun haben. Doch zunächst freut sie sich auf Indien, obwohl sie sich eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe stellt: Lydia geht im Rahmen eines sozialen Jahres in den Bundesstaat Assam, um dort an einer Blindenschule zu arbeiten. „Ich weiß, dass das nicht einfach wird, aber ich will einfach eine solche Erfahrung machen. Ich glaube, das ist gut für das spätere Leben.“
„Seit dem Alter von zehn Jahren“ steht für Myriam Fillep ihre Berufung fest: „Ich möchte in den diplomatischen Dienst. Ich habe mich beim Auswärtigen Amt beworben.“ Falls die 1,3 wider Erwarten zunächst nicht zum Ziel führen sollte, möchte die 18-Jährige Wirtschaftswissenschaften in Straßburg studieren – dort gibt es für dieses Fach keinen Numerus Clausus.
Erstmal als Au-pair nach Washington
Und danach? „Dann würde ich mich wieder beim Auswärtigen Amt bewerben“, sagt sie mit einem entschlossenen Lächeln. Auslandserfahrung bringt sie schließlich schon mit, ein Stipendium hatte Myriam in der zehnten Klasse zu einem Aufenthalt an einer Schule in Oregon verholfen. „Es war eine internationale Schule, eine reine Mädchenschule, an der Schuluniformen getragen wurden. Die Schule war sehr klein, weswegen man zu den Lehrern ein fast schon persönliches Verhältnis hatte.“
Auslandserfahrung in den USA und ein 1,3er-Abi kann auch Theresa Brunner (18) vorweisen. „Ich war an einer Privatschule in Colorado, um mein Englisch zu verbessern. Sie hatten dort ein riesiges Angebot – von Schmieden bis zu Climbing gab es viele Dinge, die ich hier nie hätte machen können.“ Im Sommer geht Theresa nach Kapstadt, um sich in Entwicklungsökonomik fortzubilden, im Herbst beginnt das Jura-Studium. „Ich kann mir gut vorstellen, später in einer Organisation mit internationaler Ausrichtung zu arbeiten, die sich mit Entwicklungsarbeit, Ökonomie und solchen Themen beschäftigt.“
Auch für Miriam Böhm sollte die spätere Studienplatzwahl kein Problem werden, sie schloss mit 1,9 ab. „Ich gehe zunächst als Au-pair für 13 Monate nach Washington DC, bin dort bei Diplomaten. Wir haben schon über Skype gesprochen, die sind sehr nett. Dort habe ich auf jeden Fall Zeit genug, mich zu entscheiden, was ich studieren möchte.“ Matthias Hoppe schließlich sieht seine Zukunft im Bereich des Medienmanagements und der Medienwissenschaften. Der erste Schritt ist gemacht: „Ich habe eine Zusage für ein Praktikum bei BB-Radio.“





