Luisa Weber bringt es auf den Punkt: „Wir Schüler sind hier alle willig.“ Willig zu lernen, zu erfahren, zu wissen, zu erkennen. Die Abiturientin ist eine des Septetts, das freiwillig eine Sonderprüfung abgelegte, um den Abi-Schnitt zu verbessern. Jetzt hat Luisa eine 1,3. Mit ihren überdurchschnittlich guten Noten im Abitur ist die Evangelische Schule Frohnau die „schlauste Schule“ Berlins. 2012 lag die Note bei 1,74 (Landesdurchschnitt: 2,4), in den Jahren zuvor sah es ähnlich aus. Wie machen die das nur? Sind die Lehrer vielleicht so christlich eingestellt, dass sie aus reinster Nächstenliebe nur gute Note verteilen?
Oberstudiendirektor Heinz Dykstra lacht: „Wir sind zwar sehr menschen-, aber auch sehr leistungsfreundlich.“ Für ihn sind es eher institutionelle und personelle Gründe. Etwa dass Grundschule und Gymnasium unter einem Dach sind. „Die Grundschulkollegen wissen, was wir am Gymnasium erwarten. Und wir wissen, was wir von den Kindern erwarten können.“
Zwei Drittel der Gymnasiasten rekrutieren sich aus der eigenen Grundschule. Einige Studienräte unterrichten in der Grundschule, und deren Lehrer sind zum Teil wiederum bis in die Mittelstufe hinein im Einsatz. Ein anderer Aspekt ist das familiäre Verhältnis. „Einige Familien haben drei bis vier Kinder an unserer Schule. Es gibt sogar Eltern, die selber hier bei uns als Schüler waren“, sagt Oberstufenkoordinator Stefan Klein. „Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes ein soziales Netzwerk, da kann Mark Zuckerberg nur von träumen.“
Die christliche Ausrichtung ist wichtig
Aber sicher spielt auch die christliche Ausrichtung der Schule eine große Rolle. „Nächstenliebe, Respekt und Wertschätzung beeinflussen schon unser Menschenbild“, so Heinz Dykstra. Die Schüler helfen sich untereinander, wenn es bei dem einen oder anderen mal nicht gleich so klappt. „Mobbing gibt es bei uns nicht“, sagt Abiturientin Charlotte Rohde, die mit 1,7 bestanden hat. Statt Neid und Missgunst auszuleben, wird lieber miteinander gebetet. „Unsere Andachten werden von den Schülern selber gehalten“, sagt der Schulleiter.
Das Thema kommt ebenfalls von den Schülern. Was die Schüler besonders zusammenschweiße, sei das Sozialpraktikum. Hier machen jeweils 30 Schüler der zehnten Klassen durchgehend für zwei Wochen in einer Behinderteneinrichtung in Bad Oeynhausen prägende Erfahrungen. „Da gehen wir zusammen durch Höhen und Tiefen“, sagt Maximilian Neubert (Abi-Note 1,4). Wenn die Schüler danach zurückkommen, haben sie zum Teil eine tiefgreifende Veränderung durch gemacht. „Wir erziehen unsere Schüler zur Selbständigkeit“, sagt Heinz Dykstra. Lernen nicht als ein Muss, sondern als ein „Ja, ich will.“
Der gute Ruf der Schule hat sich in ganz Berlin herumgesprochen. „Einige denken schon, wir sind die absoluten Streber“, sagt Helen-Maja Rudolph (1,8). „Aber wenn sie uns näher kennenlernen, merken sie, dass das nicht stimmt.“ „Bei uns ist einfach der Sog des Gut-sein-Wollens so stark ausgeprägt, da wird man einfach mitgezogen“, sagt Nina Appenzeller (1,7). „Die Lehrer haben es leicht mit uns“, sagt Charlotte Rohde. Null Bock-Schüler haben hier erst gar keine Chance.
Mit welchen Noten haben denn die Lehrer einst abgeschlossen? Mit seiner 1,7 kann Oberstufenkoordinator Klein bestens mithalten. Und der Schulleiter? „Ich habe mich wohl mehr für Fußball und Freizeit interessiert“, lacht Heinz Dykstra. Und schweigt.





