„Problemkiez“

Kreativer Protest und Vandalismus bei Grunewald-Demo

Zur Satire-Demo durch Grunewald kamen weit mehr Teilnehmer als erwartet. Dabei kam es auch zu Sachbeschädigungen und Festnahmen.

Berlin. „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg“, skandierten die Teilnehmer der Satire-Demo, die ein „Quartiersmanagement Grunewald“ für den 1. Mai im Edel-Kiez angemeldet hatte. 200 Teilnehmer wurden am Dienstagnachmittag erwartet, im Endeffekt waren es bei strahlendem Sonnenschein deutlich mehr. Die Berliner Polizei bestätigte zunächst 1300 Teilnehmer und korrigierte die Zahl dann auf bis zu 3000. Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte am Abend, die Polizei sei von der Menge "überrascht" gewesen. Laut der Organisatoren habe die Zahl der Demonstranten sogar bei 5000 gelegen.

Unter dem Motto „Heraus zum Tag der sozialen Arbeit“ hatte das „Quartiersmanagement Grunewald“ kreativen Protest angekündigt. „Warum immer Kreuzberg?“, fragen die Veranstalter auf einem Flyer. Sie wollen in einem „richtigen Problembezirk“ auf die Straße gehen, denn „wo eine Villla ist, ist auch ein Weg“.

Teilweise "Happeningcharakter"

Um kurz vor 15 Uhr setzte sich der Zug am S-Bahnhof Grunewald in Bewegung. Die Demoroute führte über die Auerbachstraße, Koenigsallee, Wildpfad, Dellbrückstraße, Bismarckallee und Herbertstraße bis zum Hagenplatz und schließlich wieder zurück zum S-Bahnhof Grunewald, wo die Demo gegen 17.30 Uhr endete.

Die Demo startete zunächst friedlich, hatte laut Polizei teilweise „Happeningcharakter“. Sie sprach von einem „weitgehend friedlichen Verlauf“, obwohl der Zug vor dem Haus des britischen Botschafters einmal gestoppt werden musste. Aus der Menge heraus hatten einzelne Demo-Teilnehmer Autos bespuckt und besprüht, Fensterscheiben beschädigt, Türklingeln beklebt und Sturm geklingelt.

Anwohner beschweren sich über schlechte Polizeiinformation

Die Polizei bestätigte am Abend eine Festnahme. Laut dem Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, seien 39 Autos von Anwohnern beschädigt worden. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte am Abend, es habe 66 Sachbeschädigungen geben. Insgesamt sei die Stimmung aber "sehr entspannt" gewesen.

Kritik kam hingegen vom FDP-Abgeordneten Marcel Luthe. Trotz deutlicher Hinweise im Vorfeld sei der Innensenator offenbar nicht willens gewesen, die angekündigten Straftaten in Grunewald zu verhindern, sagte Luthe. Die Sachbeschädigungen im Zuge der Demonstration gingen "letztlich auf das Konto des Senats".

Einige Anwohner hatten sich zuvor bei der Polizei beschwert, sie seien vorher über die Demo nicht informiert worden und hätten deshalb keine Gelegenheit gehabt, ihre Autos umzuparken. Andere nahmen die Demo gelassen und schenkten sogar Wein an die Demonstranten aus.

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