Mit einem neuen Sicherheitskonzept und einem Flaschenverbot hoffen die Organisatoren des Myfestes in Berlin-Kreuzberg auf ein friedliches Straßenfest am 1. Mai. Dennoch kann Bezirksbürgermeister Frank Schulz (Grüne) Krawalle nicht ausschließen. "Wir haben die Rahmenbedingungen für einen friedlichen Verlauf geschaffen, aber niemand kann eine sichere Prognose abgeben", sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei der Vorstellung des Festprogramms.

Das Myfest wurde 2003 ins Leben gerufen, um das Stadtviertel angesichts der Jahr für Jahr wiederkehrenden Ausschreitungen am 1. Mai zu befrieden. Seither ist das Stadtteilfest stets gewachsen. Im vergangenen Jahr feierten 40.000 Besucher, die von 20 Bühnen aus unterhalten wurden. Dabei wurden allerdings – neben Ausschreitungen am Rande der Mai- Demonstrationen – auch ungehemmter Alkoholgenuss von Besuchern und Müllberge zu einem Problem. "Ein Myfest, das sich zu einem Saufgelage entwickelt, wollten wir nicht“, sagte Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Frank Schulz (Grüne).

In diesem Jahr ist der Verkauf von Dosen und Glasflaschen auf dem Fest nicht nur verboten, das Verbot soll auch konsequent umgesetzt werden. Ladeninhaber sind verpflichtet, ihre Geschäfte an diesem Maifeiertag zu schließen. Polizisten würden sich unter die Feiernden mischen, "am Morgen wenige und später dann ein paar Hundert", kündigte Polizeidirektionsleiter Bernhard Kufka an.

Doch viele Gewerbetreibende und Anwohner fühlen sich durch die Reglementierungen gegängelt und vom Bürgermeister aus der Organisation des Festes gedrängt. In den Augen langjähriger Mitstreiter hat das Myfest zudem viel von seiner ursprünglichen Botschaft eingebüßt. Doch auch der Bürgermeister Schulz wünscht sich, dass der politische Sinn wieder stärker in den Vordergrund des Myfestes rücken soll. Bestimmte Verdrängungsprozesse im Kiez könne man "politisch nicht akzeptieren", sagte Schulz.

"Es geht nicht mehr um die politischen Inhalte und die Probleme des Kiezes, es geht nur noch um Geld, Flächen, Stände, Alkohol", kritisierte die ehemalige Betreiberin der Rockbühne am Oranienplatz, Mo.Skito. Die "AG Kiezkultur von unten" aus ehemaligen Mitorganisatoren bezeichnete das Fest in einem Protestschreiben als durchorganisierte Inszenierung von Senat, Bezirksamt und Polizei. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Veranstaltung sei kaum noch gegeben. Zudem musste die AG nach eigenen Angaben ihre Musikbühne "vom Kottbusser Tor in die enge Oranienstraße" verlegen. Aus Protest verzichte die "AG Kiezkultur von unten" nun darauf, ihren Festbeitrag mit einem Bühnenprogramm zu leisten, heißt es in einer am Donnerstag verbreiteten Mitteilung. Damit sind zwei langjährige Betreiber von Programmbühnen aus dem Myfest ausgestiegen.

Auch der Umstand, dass die Route der "Revolutionären-1.-Mai-Demo" auf Wunsch der Polizei vom Kreuzberger Myfest strikt ferngehalten wird, stößt bei unabhängigen Festorganisatoren auf Unverständnis. Unterdessen begannen am Donnerstag Anwohner und Gewerbetreibende entlang der Demo-Route mit Schutzvorkehrungen. An der Ohlauer Straße deckten Handwerker die große Fensterfront eines Waschsalons mit Spanplatten ab. Die Hausverwaltung will keine teuren Glasbruchschäden riskieren. Gelassen äußerte sich der Betreiber einer Eckkneipe an der Friedelstraße. Er werde diesen Sonnabend öffnen, er und seine Gäste seien selber Chaoten, sagte der Wirt.

mit dpa