Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat auf seiner Mai-Kundgebung am Brandenburger Tor bessere Einkommensbedingungen für alle gefordert. Jeder habe „das Recht, von seiner Arbeit leben zu können“, sagte DGB-Landeschefin Doro Zinke. Gebraucht würden Mindestlöhne, die lebenstauglich seien. Allein in 69 Branchen der Berliner Wirtschaft würden weniger als 7,50 Euro pro Stunde bezahlt, sagte Zinke. Wer europäisch denke, müsse endlich den Mindestlohn einführen – wie es bereits 21 EU-Staaten vorgemacht hätten.
Nach DGB-Angaben nahmen an der Kundgebung auf der Straße des 17. Juni mehr als 10.000 Menschen teil. 6000 Gewerkschaftsanhänger, darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), waren zuvor vom DGB-Haus in der Keithstraße in Schöneberg zum Brandenburger Tor gezogen. Auf Schildern und in Sprechchören forderten sie: „Von Arbeit muss man leben können“, „Leiharbeit verbieten“ und „Mindestlohn einführen“.
Der Tag der Arbeit in Berlin stand wie im Vorjahr auch im Zeichen der internationalen Finanzkrise. Aktivisten mit Robin-Hood-Hütchen sammelten Unterschriften für eine Besteuerung von Finanztransaktionen. Auf Transparenten forderten Demonstrationsteilnehmer ein Umdenken in der Weltwirtschaft. Angesichts des drohenden Staatsbankrotts in Griechenland rief DGB-Landeschefin Zinke die Teilnehmer zur Solidarität auf. Schon jetzt würden Spekulanten nicht nur gegen Griechenland, sondern auch gegen das ebenfalls hoch verschuldete Portugal wetten. „Irgendwann sind wir dran“, so Zinke.
Im Anschluss an die Kundgebung feierten Tausende friedlich bei Bratwurst, Bier und Gulaschsuppe das traditionelle Kinder- und Familienfest. Auf mehreren Bühnen spielten bis zum Abend Bands. Zahlreiche Gewerkschaftsgruppen, Parteien und Verbände – darunter die Arbeitnehmervertretungen von BSR und BVG – hatten Informationsstände entlang der Straße des 17. Juni aufgebaut. Komplett konfliktfrei blieb der 1. Mai der Gewerkschaften allerdings nicht. Am Mittag kam es zu Streitigkeiten, weil DGB-Ordner mit Hilfe von Einsatzkräften der Polizei versuchten, einen Stand der marxistisch-leninistischen MLPD vom Gelände zu entfernen.
Auch in Potsdam hatte der DGB zur Mai-Kundgebung aufgerufen. Landesvize Christian Hoßbach forderte dort vor allem bessere Bedingungen für junge Menschen. Nur eine Perspektive auf gut bezahlte und sichere Jobs werde die Abwanderung junger Fachkräfte aus Brandenburg stoppen helfen, sagte Hoßbach. Zu „guter Arbeit“ zählten Betriebsräte, die über Arbeitsbedingungen wachten ebenso wie Einkommen, die mehr als die Existenz sicherten. mit ddp





