In Berlin ist es am Vorabend des 1. Mai weitgehend ruhig geblieben. Bis zum frühen Morgen wurden nach Polizeiangaben insgesamt 60 Personen vorübergehend festgenommen. 23 von ihnen wurden nach Identitätsfeststellung noch vor Ort wieder entlassen. 16 Randalierer sollen einem Bereitschaftsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden. Bei den übrigen Festgenommenen steht eine Entscheidung noch aus. Es wurden Ermittlungsverfahren u. a. wegen schweren Landfriedensbruchs, versuchter Gefangenenbefreiung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Zwölf Polizisten wurden bei dem Einsatz am Abend und in der Nacht verletzt.
Im Vorjahr waren in der Walpurgisnacht knapp 60 Randalierer festgenommen worden.
Am Boxhagener Platz hatten rund 2000 Menschen in den 1. Mai gefeiert. Nach dem Ende eines Konzerts hatte sich die Stimmung dort zeitweise aufgeheizt. Dort flogen in den Abendstunden vereinzelt Flaschen und Bierbecher gegen Polizisten, Beamte wurden auch angepöbelt. Die Polizei hatte mit ihrer massiven Präsenz die Lage aber unter Kontrolle. Mehrmals forderte sie dazu auf, die Grünberger Straße freizumachen. Etliche Angetrunkene wollten dies zunächst nicht akzeptieren. Die Polizei schob die Menge dann auseinander. Kurz nach Mitternacht mussten die Einsatzkräfte nach Polizeiangaben Reizgas einsetzen, als mehrere Personen auf einen Schweinwerferwagen und dessen Besatzung losstürmten.
Die Feiern im Mauerpark in Prenzlauer Berg sowie im Viktoriapark in Kreuzberg mit jeweils etwa 1000 Teilnehmern verliefen nach Angaben der Polizei weitgehend ohne Probleme. Es sei insgesamt friedlicher als im Vorjahr gewesen, zeigte sich die Polizei am frühen Sonnabendmorgen zufrieden.
Einzelheiten zum Verlauf der Walpurgisnacht in Berlin können Sie im Live-Ticker von Morgenpost Online nachlesen.
Nach 2 Uhr musste die Feuerwehr zu mehreren Bränden ausrücken. An der Mainzer Straße und an der Matthiasstraße brannten Müllcontainer. An der Matthiasstraße wurden zwei Funkstreifenwagen durch sogenannte "Krähenfüße" beschädigt. An der Rigaer Straße brannte im Hof eines leerstehenden Gebäudes gelagerter Sperrmüll. Das Feuer griff auf das Gebäude über. Verletzt wurde niemand. Einen 27-Jährigen nahmen Polizeibeamte bei dem Versuch fest, einen Müllcontainer an der Grünberger Ecke Warschauer Straße anzuzünden.
Am frühen Abend hatten rund 700 linke Demonstranten in Schöneweide gegen die bei Neonazis beliebte Kneipe „Zum Henker“ an der Brückenstraße protestiert. Gewalttätige Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten blieben aus. In Nebenstraßen waren Wasserwerfer und Räumfahrzeuge geparkt. Der Berliner Grünen-Politiker Benedikt Lux, der den Protest beobachtete, lobte den Polizeieinsatz. Die linke Szene moniert allerdings in Internetforen, dass es aus ihrer Sicht zu ruhig bei der Protestdemo abgelaufen sei. Einzelne Gruppierungen weisen sich dafür gegenseitig die Schuld zu.
Allerdings wurden am Rande der Demonstration zwei Neonazis festgenommen. Einer von ihnen habe den Hitlergruß gezeigt, als der Protestzug linker Demonstranten an dem Rechtsextremisten-Treff „Zum Henker“ in der Brückenstraße vorbeilief, sagte ein Polizeisprecher. Auch der zweite Festgenommene habe verbotene Kennzeichen zur Schau gestellt. Die beiden Männer wurden aus der Kneipe herausgeholt und kamen in Polizeigewahrsam. Bei den Vorkontrollen zur Demonstration stellten die Beamten außerdem fest, dass gegen eine 22-Jährige ein Haftbefehl wegen Urkundenfälschung bestand. Sie wurde festgenommen. Bei mehreren Teilnehmern stieß die Polizei auf Drogen und Vermummungsgegenstände. Es wurden entsprechende Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Ausschreitungen in Hamburg
Nicht so ruhig wie in Berlin blieb es hingegen in Hamburg. Dort errichteten rund 150 Linke rund um das alternative Kulturzentrum „Rote Flora“ Straßenbarrikaden aus Möbel, Holzlatten und Müll und zündeten sie an. Außerdem warfen sie den Polizeiangaben zufolge Flaschen und Steine auf die Einsatzkräfte und gegen eine Bankfiliale. Verletze gab es nach Angaben der Feuerwehr auch hier nicht. Im Schanzenviertel war es in den vergangenen Jahren bereits zu Krawallen rund um den 1. Mai gekommen.
In Bremen gingen in der Nacht zwei Streifenwagen der Polizei in Flammen auf. Auch hier wird nach Polizeiangaben ein Zusammenhang mit den Mai-Protesten vermutet.
Polizei rüstet sich für den 1. Mai
Am Mai-Feiertag kommen auf die Polizei in Berlin mehrere Großeinsätze zu. Nach Angaben von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) werden am Samstagvormittag in Prenzlauer Berg bis zu 3000 Rechtsextremisten sowie bis zu 10.000 linke Gegendemonstranten erwartet. Die Polizei befürchtet Gewalt und will beide Züge strikt trennen. 6000 Beamte sollen eingesetzt werden. Dabei werden die Berliner Kräfte von Polizisten aus anderen Bundesländern unterstützt.
Was am 1. Mai in Berlin passiert, lesen Sie hier im Live-Ticker von Morgenpost Online.
Ein breites Bündnis will gegen den Aufmarsch der Rechtsextremisten mit Sitzblockaden protestieren. Dem Protest-Bündnis haben sich Politiker von SPD, Grünen und der Linken angeschlossen, darunter Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Linke-Vorsitzender Oskar Lafontaine und Grünen- Vorsitzende Claudia Roth. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief zu Gewaltfreiheit auf. „Das Recht auf Demonstration ist kein Recht zu Gewalt und Regelverletzung.“
dpa/mb/sei




