Der Streik des Kabinenpersonals der Lufthansa zeigt auch am Sonnabend noch Wirkung. Obwohl die Stewards und Stewardessen ihren Ausstand am Rhein-Main-Flughafen am Freitag bereits um 13 Uhr MESZ beendet hatten, sagte die Lufthansa am Sonnabendmorgen noch 18 Flüge auf innerdeutschen und europäischen Strecken ab. In Berlin-Tegel läuft aber alles planmäßig.
Am Flughafen Frankfurt hätten bis zu 1000 Passagiere festgesessen, die am Vortag ihre Transkontinentalflüge wegen des Streiks unterbrechen mussten, sagte ein Pressesprecher der Lufthansa am Morgen. Da diese Fluggäste keine Visa für Deutschland besaßen, mussten sie die Nacht im Transitbereich des Flughafens verbringen, wie die Flughafenpolizei mitteilte.
Wegen des Tarifstreits waren am Vortag in Deutschland und Europa hunderte Flüge ausgefallen, Tausende Passagiere saßen fest. Der Arbeitskampf des Bordpersonals der Lufthansa kurz vor dem Wochenende wirkte sich auch auf Flughäfen auf dem ganzen Kontinent und auch auf andere Airlines aus. Die Lufthansa allein meldete am Freitag rund 190 Stornierungen.
Der nächste Streik könnte schon bald folgen. Wann und wo es genau weitergeht, ließ die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo noch offen.
Auch in Berlin fielen Flüge aus
Vom Streik der Lufthansa-Flugbegleiter in Frankfurt waren am Freitag auch Hunderte Passagiere in Berlin betroffen. Bis zum Nachmittag fiel nach Flughafen-Angaben ein gutes Dutzend Flüge von und nach Frankfurt am Main aus. Dort hatten am Morgen die Stewardessen und Stewards für acht Stunden die Arbeit niedergelegt und Deutschlands größten Flughafen ins Chaos gestürzt. Die Gewerkschaft droht mit Streiks, die bis zum Herbst oder Winter dauern können.
Am Flughafen in Frankfurt am Main mussten 26.000 Passagiere am Boden bleiben, 190 Flüge fielen ab fünf Uhr morgens aus, wie ein Lufthansa-Sprecher sagte. Vor allem Verbindungen innerhalb Deutschlands und Europas seien betroffen gewesen. Die Lufthansa war offensichtlich von der Wucht des achtstündigen Streiks überrascht – zunächst hatte die Airline lediglich 64 Flugausfälle einkalkuliert. Der größte Flughafen Deutschlands musste teilweise schließen– wegen des Streiks. Die Parkpositionen für Jets seien knapp geworden – vorübergehend durfte in ganz Europa kein Flugzeug mehr Richtung Frankfurt starten, bestätigte ein Flughafen-Sprecher. In Berlin buchten laut Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber zahlreiche Betroffene auf Flüge der Konzerntöchter Eurowings und Germanwings um. Die 200 in Berlin stationierten Flugbegleiter der Lufthansa waren nicht zum Ausstand aufgerufen worden.
„Wir fordern die Gewerkschaft auf, rasch wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und diese Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen“, sagte der Lufthansa-Sprecher. Die Gewerkschaft Ufo (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) hatte am Dienstag nach dem Scheitern langwieriger Verhandlungen den Streik ausgerufen. Sie fordert nach drei Jahren mit Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Nach Ansicht des Lufthansa-Managements sind wegen der harten Konkurrenz von Billig-Fliegern wie Ryanair dagegen Einschnitte nötig.
Weitere Streiks drohen schon am Wochenende. Denn die seit gut einem Jahr währenden und überaus zähen Tarifgespräche sind festgefahren – neue Verhandlungen sind nicht in Sicht. Beide Seiten sprechen derzeit nicht einmal miteinander. Ufo gibt sich nach dem unerwartet deutlichen Erfolg des ersten Tages kampfeslustig. „Wir sind auf einen sehr langen Arbeitskampf eingerichtet“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Wenn die Lufthansa nicht einlenke, könne der Ausstand auch bis zum Herbst oder Winter dauern. „Ich habe warme Schuhe dabei“, betonte er. „Wir hoffen, dass es am Wochenende ruhig bleibt, aber wir haben noch keine Signale von der Ufo bekommen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Nicht einmal über die Zahl der Flugbegleiter bei der Lufthansa sind sich die Streithähne einig: Die Lufthansa spricht von 18.000 – Ufo von gut 19.000.
dpa/sei


