Obst und Gemüse sind gesund. Sie enthalten neben Vitaminen und Mineralien auch Antioxidantien, Stoffe, die Pflanzen zum eigenen Schutz bilden. Von vielen profitiert auch der Mensch, wenn er Obst und Gemüse verzehrt. Manchmal jedoch kommt es zu unerwünschten Wirkungen. So kann Grapefruit- oder Pampelmusensaft die Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen.

Grapefruits bilden besonders viel des Antioxidans Naringin. Das verleiht den Früchten ihr typisch bitteres Aroma. Von Naringin ist länger bekannt, dass es die Wirkung von Arzneimitteln beeinflusst, indem es Stoffwechselwege in der Leber hemmt. Dadurch kann die Wirkstoffkonzentration im Blut auf bedenkliche Werte ansteigen und Unverträglichkeiten auslösen. Hersteller von Arzneimitteln warnen deshalb auf den Beipackzetteln von betroffenen Medikamenten davor, diese mit Grapefruitsaft einzunehmen.

Weniger Arznei-Nebenwirkungen

Manchmal hat der Mechanismus aber auch seine guten Seiten. Dann macht Grapefruitsaft Medikamente sogar wirksamer, ohne dass Nebenwirkungen auftreten. Einen solchen positiven Effekt haben US-Forscher nun bei dem Medikament Sirolimus entdeckt. Es wird eigentlich zur Dämpfung des Immunsystems nach Transplantationen eingesetzt, senkt aber nach neuesten Erkenntnissen auch das Risiko, an einem bösartigen Tumor nach einer Organübertragung zu erkranken. Wie das Team von Ezra E.W. Cohen von der University of Chicago fand, konnten Krebspatienten, die täglich ein Glas Grapefruitsaft tranken, die Dosis des Medikaments um zwei Drittel verringern. Die Wirksamkeit blieb dieselbe, aber die Nebenwirkungen wurden geringer, sagen die Forscher.

In ihrer Studie teilten diese ihre Probanden in drei Gruppen. Eine bekam nur die Arznei, eine zweite zusätzlich zum Medikament ein Glas Grapefruitsaft und eine dritte Gruppe das Medikament und zur Kontrolle Ketoconazol, ein Wirkstoff, der wie Grapefruitsaft Enzyme hemmt, welche Medikamente abbauen. Bei der zweiten und dritten Gruppe blieb das Medikament länger im Körper, und es erzielte eine geringere Dosis die gleiche Wirkung. Bei der Grapefruit-Gruppe wurde eine bis zu 350 Prozent höhere Dosis gemessen.

Billig und ohne Nebenwirkungen

Dieser Effekt war bei Ketoconazol sogar noch stärker. Grapefruitsaft hat aber den Vorteil, dass er billig und ohne Nebenwirkungen ist. Das Fazit: Die festgestellte Wirkung des Saftes könnte künftig dazu beitragen, die Dosis von Sirolimus und verwandter Mittel zu senken.

Wie es bei dem Medikament zu der speziellen Wirkweise kommt, wissen die Forscher noch nicht. Erst kürzlich hatte der Pharmakologe David G. Bailey von der kanadischen University of Western Ontario einen anderen, bis dahin unbekannten Effekt von Grapefruitsaft aufgedeckt. Danach senkt Naringin die Blutspiegel von einigen verbreiteten Arzneimitteln, weil der Wirkstoff nicht in vollem Maß aus dem Darm aufgenommen wird. Betroffen sind die Betablocker Celiprolol, Atenolol und Talinolol, die Antibiotika Ciprofloxacin und Levofloxacin, das Antipilzmittel Itraconazol, das Zytostatikum Etoposid und das Allergiemittel Fexofenadin.

Bei letzterem hatten Probanden, die die Arznei mit einem Glas Grapefruit eingenommen hatten nur halb so hohe Wirkstoffpegel im Blut wie die Kontrollgruppe, die das Mittel mit Wasser getrunken hatte. Patienten, welche die Mittel einnehmen, sollten deshalb stets die Informationen auf dem Beipackzettel beachten.

Broccoli gegen Darmentzündungen

Auch für ein beliebtes Gewürz haben australische Forscher einen pharmazeutischen Effekt nachgewiesen, wenn auch erst bei Zellkulturen. Auszüge aus Ingwerwurzeln können die Aufnahme von Glukose in Muskelzellen unterstützen, ohne dass dazu Insulin nötig wäre. Offenbar erhöht die Aufnahme der Ingwerverbindungen die Menge eines Proteins auf den Muskelzellen, das den Glukosetransport in das Zelle steuert, wie Basil Roufogalis von der University of Sydney berichtet. Verantwortlich dafür sind „Gingerole“, die zur chemischen Gruppe der Phenole gehören. Von denen wiederum werden etliche pharmazeutisch genutzt. Die beiden im Experiment aktiven Gingerole könnten eine neue Diabetes-Therapie ermöglichen.

Viele Gemüsesorten bilden pharmazeutisch wirksame Bestandteile. Vor allem die Senfölverbindungen aus Broccoli, Blumen-, Rot- und Weißkohl, Kohlrabi und Meerrettich stärken das Immunsystem und schützen vor Infektionen. Senföle verleihen dem Gemüse einen pikant scharfen, leicht bitteren Geschmack. Um deren Heilwirkung wusste schon die alte Klostermedizin, doch erst die moderne Molekularbiologie macht die Wirkmechanismen transparent. Das Zusammenspiel zwischen solchen Pflanzenstoffen und dem Körper erforscht Andreas Diefenbach von der Uniklinik Freiburg. Er fand im Tierversuch, dass Senfölglykoside die Bildung von Immunzellen regulieren, den so genannten Lymphoid-Tissue-Inducer (LTI)-Zellen. Diese sind wichtig für den Schutz der Darmschleimhaut und verhindern Entzündungen. Die Forscher fütterten Mäuse mit einer synthetischen Kost ohne Pflanzenbestandteile und damit ohne Senfölverbindungen. Das schwächte die Abwehr der Tiere. Sie bildeten nur wenige LTI-Zellen und waren für Darmerkrankungen sehr anfällig.

Gaben die Forscher eine oder mehrere Senfölverbindungen zum Futter, verschwanden die Symptome wieder. Zum ersten Mal zeige sich klar einer der Wege, wie Bestandteile bestimmter Gemüsesorten das Immunsystem des Darms stärken, so die Forscher. „Es ist jetzt vorstellbar, dass solche Pflanzenbestandteile zur Vorbeugung oder Behandlung von Darminfektionen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn eingesetzt werden“, sagt Diefenbach.

Für Senfölverbindungen interessiert sich auch Andreas Conrad vom Freiburger Uniklinikum. Seine Studien an Zellkulturen ergaben, dass Verbindungen aus dem Kraut der Kapuzinerkresse und aus Meerrettichwurzeln gegen 13 klinisch relevante Bakterienstämmen „eine ausgeprägte keimhemmende Wirkung“ zeigen. Dabei handelt es sich um Bakterien, die schwere Infektionen der Harn- und Atemwege auslösen, darunter auch der gefährliche Krankenhauskeim MRSA, der gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent ist. Die Forscher hoffen nun Alternativen zu chemisch hergestellten Antibiotika entwickeln zu können.