Amelia Earhart war das, was man heute eine Pionierin nennt. Sie überflog als erste Frau den Atlantik. Sie entschied sich gegen Kinder - obwohl sie verheiratet war. Und sie war das Idol einer Generation von Frauen, die langsam anfing, sich von den Fesseln des Patriarchats zu befreien. Und ihr Verschwinden machte sie zu einer Legende.

Geboren wurde sie 1897 im US-Bundesstaat Kansas. Schon als Kind verhielt sie sich gar nicht mädchenhäft. Angeblich jagte sie Ratten mit dem Gewehr und kletterte auf Bäume. 1920 kam für sie ein Erlebnis, das einer Art Erleuchtung geglichen haben muss. Sie flog zum ersten Mal in einem Flugzeug mit. Danach setzte sie alles daran, selber fliegen zu können. Schon ein Jahr später nahm sie die erste Flugstunde und kaufte sich kurz darauf ihr erstes Flugzeug, mit dem sie kurz darauf einen Höhenweltrekord für Frauen aufstellte.

Als ihre Eltern sich 1924 scheiden ließen, verkaufte sie schweren Herzens ihre Maschine und arbeitete als Lehrerin.

Berühmt wurde sie nur vier Jahre später. Da überflog sie am 17. und 18. Juni als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik - als Passagierin. Dennoch war das eine Sensation. Man feierte sie als Heldin, kürte sie zur Frau des Jahres. Sie wurde das Idol der jungen Amerikanierinnen. Ihren Ruhm nutzte sie, um sich für die Gleichberechtigung einzusetzen. Nach dem ersten Flugrennen für Frauen, dem sogenannten Puderquasten-Rennen gründete sie 1929 mit anderen Pilotinnen den Club der „Ninety-Nine“, um die Stellung der Frau in der Luftfahrt zu erreichen.

Zwei Jahre später heiratete sie ihren langjährigen Verehrer und Mentor George P. Putnam. Kinder wollte sie nicht, das hätte sie in ihrer Fliegerei eingeschränkt. Nur ein halbes Jahr später festigte sie endgültig ihren Ruhm. Fünf Jahre nach Charles Lindbergh überflog sie am 20. Mai 1932 von Neufundland aus den Atlantik. Das Ziel Paris erreichte sie zwar nicht - sie musste in Nordirland notlanden, das tat der Leistung jedoch keinen Abbruch. US-Präsident Herbert C. Hoover ehrte sie mit der Goldmedaille der National Geographic Society.

Es folgten weitere Pionierleistungen. 1935 überflog sie als erster Mensch im Alleinflug den Teil des Pazifik zwischen Hawaii und Kalifornien. Im gleichen Jahr kam der erste Soloflug nach Newark.

Zur Legende wurde Earhart schließlich mit ihrem mysteriösen letzten Flug im Jahr 1937. Damals versuchte sie, als erster Mensch die Erde am Äquator zu überrunden. Sie startete in Miami (Florida) und kam über Brasilien, Westafrika, Indien schließlich nach Neuguinea. Dort startete sie am 2. Juli zum Flug über den Pazifik. Was dann geschah, darüber gibt es viele Spekulationen. Möglicherweise verflog sie sich. Auf der angepeilten Howlandinsel kam sie jedenfalls nie an.

Die US-Regierung leitete eine riesige Suchaktion ein. 64 Flugzeuge und acht Kriegsschiffe waren daran beteiligt. Nach zwei Wochen stellten sie die Suche ein. Ohne Ergebnis.

Seitdem beschäftigt das Schicksal von Amelia Earhart die Fantasie. Ist sie wirklich in den Pazifik gestürzt? Oder konnte sie auf Gardner Island, das seit 1979 Nikumaroro heißt, notlanden? Auf dem unbewohnten Atoll könnte sie noch kurze Zeit überlebt haben. Es gibt Berichte über ein Biwak und Notfunksprüche, die von Earhart stammen könnten.

75 Jahre nach ihrem Verschwinden soll jetzt eine millionenteure Expedition das Flugzeug der Fliegerlegende aufspüren. Selbst wenn sie erfolgreich sein sollte. Dem Mythos Earhart wird das keinen Abbruch tun - was auch die Suchmascine Google beweist, die der Flugpionierin und engagierten Feministin am Dienstag zum 115. Geburtstag ein “Doodle“ widmete.