21.04.12

Friedrich Fröbel

Google ehrt Erfinder des Kindergartens

Vor 230 Jahren wurde Friedrich Fröbel, der "Erfinder" des Kindergartens geboren. Die Ideen des Thüringers sind noch heute aktuell.

Foto: DAPD
Noch heute modern: Der Pädagoge Friedrich Froebel (1782-1852) entwickelte dieses Holzspielzeug
Noch heute modern: Der Pädagoge Friedrich Froebel (1782-1852) entwickelte dieses Holzspielzeug

"Hat der Friedrich Fröbel einen Fernseher gehabt?" Im Friedrich-Fröbel-Museum in Bad Blankenburg deutet Margitta Rockstein in das nachgebildete Arbeitszimmer Fröbels. "Nein!", rufen ein gutes Dutzend Kinder gleichzeitig. "Den gab es damals auch noch nicht", sagt Rockstein, die das 1982 eröffnete Haus leitet. "Der Friedrich Fröbel hat abends immer gelesen und sich Spiele für die Kinder ausgedacht."

In dem Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, gründete der einflussreiche Pädagoge 1839 den ersten Kindergarten weltweit, damals noch unter der Bezeichnung "Spiel- und Beschäftigungsanstalt". Am Sonnabend (21. April) vor 230 Jahren wurde Friedrich Fröbel geboren. Seine Ideen und die Probleme, mit denen er sich auseinandersetzen musste, sind noch erstaunlich aktuell.

Fröbels Denken habe um das "Lernen im Spiel" gekreist, sagt Rockstein. "Von der Hand in den Verstand, ich greife und begreife, das waren für ihn zentrale Überlegungen." Darauf aufbauend habe er verschiedene Spielsachen – sogenannte "Spielgaben" – entwickelt, mit denen sich Kinder die Welt Stück für Stück erschließen sollten. Oft seien sie an geometrische Figuren und Körper angelegt gewesen. Die wohl berühmtesten: Kugel, Walze und Würfel. Außerdem habe er Lieder als wichtige Bausteine frühkindlicher Erziehung verstanden.

Fröbels Erbe wird gelebt

In Bad Blankenburg wird Fröbels Erbe ebenso gepflegt, wie auch in anderen Thüringer Orten. Wichtige Stationen seines Lebens liegen in Städten und Gemeinden des heutigen Freistaates: In Oberweißbach wurde er 1782 geboren, in Bad Blankenburg lebte und arbeitete er viele Jahre lang, in Griesheim und Keilhau stand Fröbel einer von ihm gegründeten Schule vor, in Schweina wurde er nach seinem Tod 1852 begraben.

Jenseits dieser musealen Erinnerungskultur halten die vielen Kindergärten in Thüringen und Deutschland sein Erbe lebendig, die noch heute nach seinen Ideen funktionieren. In der Kindertagesstätte "Fröbelhaus" in Bad Blankenburg beispielsweise werden noch immer genau nach den Vorstellungen des Namensgebers gearbeitet, sagt Erzieherin Anja Bergemann. Ihre Kinder sind es, die kurz vor Fröbels Geburtstag das Museum besuchen und feststellen, das der Pädagoge ohne Fernsehen leben musste.

Visionen scheitern am Geld

Dass der Mann mit der langen, spitzen Nase auch mehr als 200 Jahre nach seiner Geburt und 160 Jahre nach seinem Tod noch immer so viel Aufmerksamkeit erhält, dürfte auch an der großen Vision liegen, die Fröbel mit seinem Kindergarten-Konzept verband. "Er wollte frühkindliche Bildung für alle Kinder", sagt Rockstein. "Unabhängig davon, aus welcher sozialen Schicht sie kommen." Chancengleichheit sei für Fröbel ein zentraler Wert gewesen.

Der Anspruch, Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Möglichkeiten für den Start ins Leben zu geben, ist bis ins 21. Jahrhundert hinein eines der zentralen Schlagwörter aller Diskussionen über Krippen, Kita, Ganztagsschulen und Hortangebote. Und wie nah sich Fröbel und heutige Verfechter eines umfassenden Ausbaus von Kita-Plätzen vor diesem Hintergrund sind, machen deshalb nicht zuletzt jene Umstände deutlich, an denen die Erfüllung der Vision Fröbels scheiterte.

Rockstein sagt, Fröbel habe noch in den 1840er-Jahren einsehen müssen, dass frühkindliche Bildung für alle nicht zu finanzieren gewesen sei. Das klingt vertraut: Leere Kassen müssen seit Jahren als Begründung für den schleppenden Ausbau der Kinderbetreuung herhalten – offenbar schon bald zwei Jahrhunderte lang.

Quelle: dapd/mim
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