Vor ein paar Wochen stand ich mit Freunden in der Schlange zu einem Berliner Schwulenclub und weil es eine lange Schlange war, entstand irgendwann so eine peinliche Stille. In dieses Schweigen sagte ein Freund einen Gedanken, der mir auch schon früher gekommen war: „Eigentlich wäre dieser Club das perfekte Anschlagsziel, ein Keller, dunkel, laut und voller Menschen, die von der Gesellschaft bestenfalls toleriert werden.“ Wir einigten uns dann, dass es irgendwann passieren werde, so ein Massaker, und dass die Reaktionen irgendwie peinlich berührt wären und zumindest ein paar Menschen denken würden: Was geht ihr auch in so einen Club?

Jetzt ist es passiert und der Täter war – so wie es bisher aussieht – ausgerechnet auch noch selbst homosexuell. Omar Mateen schoss in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag vier Stunden lang auf jeden, der sich bewegte und später zur Sicherheit noch auf die, die sich nicht bewegten. Im Club „Pulse“ in Orlando starben 49 Menschen, 53 wurden verletzt, 6 davon schweben auch eine Woche nach dem Massaker in Lebensgefahr.

Ich habe in dieser Woche viele Texte und Videos über dieses Thema gelesen, Details über die Opfer („Sie wollten heiraten, jetzt werden sie gemeinsam begraben“), wütende („Fuck Your Prayers for Orlando!“) oder solche, die erklärten, warum Schwulenclubs noch immer „Schutzräume“ sind: „Es ist nicht eure Welt, die in Orlando zerschossen wurde!“, schrieb einer. Ich bin auf sie gestoßen, weil Freunde sie geteilt hatten – aber es waren eben fast ausnahmslos schwule Freunde. Die Trauer nach Orlando war vor allem: eine Trauer der Nische.

Selbst in Bielefeld und Edinburgh leuchteten Monumente Regenbogen-bunt

Liegt es wirklich nur an der Fußball-EM oder an einer Gewöhnung an Terrorattentate, dass dieses Mal das Mitgefühl zurückhaltender ausgedrückt wurde? Zunächst passt ins Bild, dass Berlin sechs Tage gebraucht, um sich durchzuringen, aus Solidarität das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben erstrahlen zu lassen. Selbst die Sparrenburg in Bielefeld war am Montag schon bunt angestrahlt. Auch in der Öffentlichkeit waren im Vergleich zu anderen Attentaten die Reaktionen verhalten. Kanzlerin Merkel sagte, sie wolle das „offene und tolerante Leben“ fortsetzen. Der Lesben- und Schwulenverband versucht seit Jahren, ihr verständlich zu machen, welcher Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz besteht. Das eine bedeutet dulden, das andere: Jemanden annehmen. Auch weigerte sie sich, die Wörter „Schwule und Lesben“ in den Mund zu nehmen. Seit ihrem berühmten Kommentar zur Homo-Ehe und der Adoptionsfrage („Ich habe da meine Probleme mit“) hat sie sich nicht bewegt in dieser Frage. Ähnlich verschleppt wird die Entschädigung für die nach Paragraf 175 verurteilten schwulen Männer, die Jahr für Jahr weniger werden.

Fast schon erwartet hatte ich die homophoben Stimmen, wie die der türkischen konservative Zeitung „Yeni Akit“, sie schrieb auf der Titelseite von „50 toten Perversen“. Ein christlicher Prediger in den USA äußerte auf Youtube seine Trauer, dass nicht mehr Schwule und Lesben gestorben sind und der Vater des Attentäters Omar Mateen erzählt in einer unerträglichen Relativierung, dass „Gott die Homosexuellen bestrafen solle, nicht der Mensch“. Und in Russland wurden zwei Männer festgenommen, weil sie vor der US-Botschaft ein Schild mit „Love Wins“ aufstellen wollten.

Solidarität in Regenbogenfarben weltweit

Trauernde treffen sich zum gemeinsamen Gedenken der Opfer des Massakers im Pulse, einem Nachtclub in Orlando, Florida.
Trauernde treffen sich zum gemeinsamen Gedenken der Opfer des Massakers im Pulse, einem Nachtclub in Orlando, Florida.© REUTERS | JIM YOUNG
Mit guten Wünschen für die Verstorbenen lassen Trauernde leuchtende Ballons aufsteigen.
Mit guten Wünschen für die Verstorbenen lassen Trauernde leuchtende Ballons aufsteigen.© REUTERS | ADREES LATIF
In New York erstrahlt das Helmsley Building, ein Wolkenkrater aus dem Jahr 1928/29, in den Farben des Regenbogens...
In New York erstrahlt das Helmsley Building, ein Wolkenkrater aus dem Jahr 1928/29, in den Farben des Regenbogens...© REUTERS | ANDREW KELLY
...und auch der Madison Square Garden ist zum Gedenken der Opfer in bunten Farben beleuchtet.
...und auch der Madison Square Garden ist zum Gedenken der Opfer in bunten Farben beleuchtet.© REUTERS | ANDREW KELLY
Stephen Flowers (L) und Nick Bazo gedenken in Boston vor dem beleuchteten City Hall Plaza ihrer Freunde Drew Leinonen und Juan Guerrero, die beide das Attentat in Orlando nicht überlebten.
Stephen Flowers (L) und Nick Bazo gedenken in Boston vor dem beleuchteten City Hall Plaza ihrer Freunde Drew Leinonen und Juan Guerrero, die beide das Attentat in Orlando nicht überlebten.© REUTERS | GRETCHEN ERTL
In Sydney erstrahlt die Sydney Harbour Bridge,...
In Sydney erstrahlt die Sydney Harbour Bridge,...© dpa | Sam Mooy
... und die Australier gedenken mit Kerzen und Wimpeln der 50 Toten.
... und die Australier gedenken mit Kerzen und Wimpeln der 50 Toten. © Daniel Munoz
In Mexiko City erstrahlt das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und bekundet so seine Solidarität mit den Opfern.
In Mexiko City erstrahlt das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und bekundet so seine Solidarität mit den Opfern.© REUTERS | EDGARD GARRIDO
Kerzen und Regenbogenfarben in Bangkok (Thailand)...
Kerzen und Regenbogenfarben in Bangkok (Thailand)...© Getty Images | Dario Pignatelli
... in Hongkong (China)....
... in Hongkong (China)....© dpa | Jerome Favre
... und in Seoul (Südkorea).
... und in Seoul (Südkorea).© Chung Sung-Jun
In Mumbai gedenken indische Studenten mit Sandmandalas und Kerzen der Toten.
In Mumbai gedenken indische Studenten mit Sandmandalas und Kerzen der Toten.© dpa | Divyakant Solanki
In Besiktas, einem Landkreis in der türkischen Provinz Istanbuls, ist eine Adlerstatue, Symbol des Besiktas Sport Clubs (BJK), bedeckt mit Solidaritätsbekundungen.
In Besiktas, einem Landkreis in der türkischen Provinz Istanbuls, ist eine Adlerstatue, Symbol des Besiktas Sport Clubs (BJK), bedeckt mit Solidaritätsbekundungen.© REUTERS | MURAD SEZER
In Neapel (Italien) erleuchtet die Kirche San Francesco di Paola in den Farben des Regenbogens...
In Neapel (Italien) erleuchtet die Kirche San Francesco di Paola in den Farben des Regenbogens... © dpa | Ciro Fusco
... und in Paris der Eifelturm.
... und in Paris der Eifelturm.© dpa | Yoan Valat
In Brüssel (Belgien) wird der komplette Grand-Place in den bunten Regenbogenfarben beleuchtet...
In Brüssel (Belgien) wird der komplette Grand-Place in den bunten Regenbogenfarben beleuchtet...© dpa | Olivier Hoslet
... und in Amsterdam der königliche Palast.
... und in Amsterdam der königliche Palast.© dpa | Evert Elzinga
Trauernde finden sich zusammen, ob im Londoner Stadtteil Soho...
Trauernde finden sich zusammen, ob im Londoner Stadtteil Soho...© REUTERS | DYLAN MARTINEZ
... in Koppenhagen vor der amerikanischen Botschaft...
... in Koppenhagen vor der amerikanischen Botschaft...© dpa | Jens Astrup
... in Berlin vor dem Brandenburger Tor...
... in Berlin vor dem Brandenburger Tor...© dpa | Jörg Carstensen
... oder vor dem US-Konsulat in Hamburg.
... oder vor dem US-Konsulat in Hamburg. © dpa | Lukas Schulze
Das grauenvolle Massaker berührt die Menschen, ob in Zürich (Schweiz)...
Das grauenvolle Massaker berührt die Menschen, ob in Zürich (Schweiz)...© dpa | Ennio Leanza
... in Moskau (Russland),...
... in Moskau (Russland),...© dpa | Maxim Shipenkov
... in Kiew (Ukraine)...
... in Kiew (Ukraine)...© dpa | Roman Pilipey
... oder in Warschau (Polen).
... oder in Warschau (Polen). © dpa | Jakub Kaminski
50 Tote - 49 Menschen, die in einer Disco feiern wollten und stattdessen den Tod fanden. Auch der Attentäter selbst starb.
50 Tote - 49 Menschen, die in einer Disco feiern wollten und stattdessen den Tod fanden. Auch der Attentäter selbst starb.© imago/ZUMA Press | imago stock&people

Der Unterschied wird immer bleiben: Der Moment des Outings

Im Vergleich dazu hat sich natürlich viel verändert in diesem Land – gerade in Berlin. Ich treffe auf Menschen, die mich fragen, ob ich „eine Freundin oder einen Freund“ habe, so als wäre beides selbstverständlich. Die Deutsche Bahn schaltet ausgerechnet zur EM einen Spot mit schwulen Fußballern als Protagonisten. Und als ich neulich beim Baby-Musik-Kurs mit meiner Tochter davon erzählte, wie es ist, mit zwei verheirateten Müttern ein Kind zu haben, waren die Reaktionen interessiert, nicht abfällig. Noch vor wenigen Jahren wäre das peinlich oder sogar unmöglich gewesen.

Dieser Moment des Outings bei Fremden wird immer der wohl wichtigste Unterschied bleiben zwischen Schwulen und Heteros. Das ist die Gemeinsamkeit, die ich mit allen Schwulen und Lesben habe, auch denen vom „Pulse“. Sie alle haben sich selbst und vielleicht noch ihre Freunde und Familie konfrontieren müssen mit der Feststellung: Ich bin anders. Was danach passiert, ist auch in Deutschland noch immer offen. Von einem Schulterzucken bis hin zum Kontaktabbruch kann vieles passieren, auch Hass.

Ich war gerade zwei Jahre mit einem Mann zusammen, der immer wieder auf der Straße seine Hand aus meiner zog, wenn uns jemand entgegenkam. Es war bei ihm nicht unbedingt die ständige Angst vor Gewalt, eher eine Angst zu einer Minderheit zu gehören, die „es doch bitte nicht ständig allen auf die Nase binden muss“. Wirklich verprügelt wurde ich nur einmal, in Leipzig im Jahr 1999. „Bist du schwul oder was?“, schrie jemand und schlug zu. Ich war gerade 20 und konnte auch mit blutiger Nase schnell rennen.

Amerika trauert um die Opfer von Orlando

Mindestens 50 Tote und 53 Verletzte – das Massaker in einer Disco in Orlando war das bislang schlimmste eines einzelnen Schützen in den USA. Die Menschen waren schockiert – und trauerten gemeinsam. Auch in Orlando selbst fande eine Trauerfeier statt.
Mindestens 50 Tote und 53 Verletzte – das Massaker in einer Disco in Orlando war das bislang schlimmste eines einzelnen Schützen in den USA. Die Menschen waren schockiert – und trauerten gemeinsam. Auch in Orlando selbst fande eine Trauerfeier statt. © REUTERS | JIM YOUNG
Ein Mann schrie seinen Schmerz hinaus. Er weinte vor den Kerzen für die Opfer des Clubs „Pulse“ in Orlando.
Ein Mann schrie seinen Schmerz hinaus. Er weinte vor den Kerzen für die Opfer des Clubs „Pulse“ in Orlando.© REUTERS | CARLO ALLEGRI
Zahlreiche Trauernde kamen zusammen und nehmen Anteil am schrecklichen Tod ihrer Mitmenschen.
Zahlreiche Trauernde kamen zusammen und nehmen Anteil am schrecklichen Tod ihrer Mitmenschen. © REUTERS | JIM YOUNG
Zwei Männer umarmten sich während der Trauerfeier in Orlando.
Zwei Männer umarmten sich während der Trauerfeier in Orlando.© REUTERS | ADREES LATIF
Als ein mögliches Motiv des Täters wird Hass auf Homosexuelle vermutet. Bei vielen Trauerfeiern war die Regenbogenfahne als Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung daher allgegenwärtig, wie hier in Los Angeles.
Als ein mögliches Motiv des Täters wird Hass auf Homosexuelle vermutet. Bei vielen Trauerfeiern war die Regenbogenfahne als Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung daher allgegenwärtig, wie hier in Los Angeles.© REUTERS | LUCY NICHOLSON
Viele Menschen hielten auch brennende Kerzen hoch.
Viele Menschen hielten auch brennende Kerzen hoch.© REUTERS | LUCY NICHOLSON
In zahlreichen Städten der USA wurden Gedenkzeremonien abgehalten, auch in New York. Der Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo (l.) legte gemeinsam mit seiner Partnerin Sandra Lee (r.) Blumen nieder.
In zahlreichen Städten der USA wurden Gedenkzeremonien abgehalten, auch in New York. Der Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo (l.) legte gemeinsam mit seiner Partnerin Sandra Lee (r.) Blumen nieder.© dpa | Justin Lane
Eine Erinnerungsstätte für die Orlando-Opfer fand sich in New York beim Stonewall Inn, einer bekannten Bar von Homosexuellen.
Eine Erinnerungsstätte für die Orlando-Opfer fand sich in New York beim Stonewall Inn, einer bekannten Bar von Homosexuellen.© dpa | Justin Lane
Mit einer Regenbogenfahne nahm auch dieses kleine Mädchen an den Trauerfeierlichkeiten in New York teil.
Mit einer Regenbogenfahne nahm auch dieses kleine Mädchen an den Trauerfeierlichkeiten in New York teil.© REUTERS | SHANNON STAPLETON
Diese Männer küssten sich mit der umgelegten Regenbohnenfahne. Es ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung weltweit.
Diese Männer küssten sich mit der umgelegten Regenbohnenfahne. Es ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung weltweit.© dpa | John G. Mabanglo
Auch die Spitze des One World Trade Center in New York und ...
Auch die Spitze des One World Trade Center in New York und ... © dpa | Andrew Gombert
... Sydneys Hafenbrücke (Sydney Harbour Bridge) in Australien leuchtete in allen Farben des Regenbogens.
... Sydneys Hafenbrücke (Sydney Harbour Bridge) in Australien leuchtete in allen Farben des Regenbogens. © dpa | Sam Mooy
In Washington in den USA versammelten sich viele Menschen vor dem Weißen Haus ...
In Washington in den USA versammelten sich viele Menschen vor dem Weißen Haus ... © dpa | Jim Lo Scalzo
... und demonstrierten gegen Gewalt, für mehr Toleranz. Präsident Barack Obama nannte das Massaker einen „Akt des Terrors und des Hasses“ und ordnete Trauerbeflaggung für alle Bundesgebäude der USA an.
... und demonstrierten gegen Gewalt, für mehr Toleranz. Präsident Barack Obama nannte das Massaker einen „Akt des Terrors und des Hasses“ und ordnete Trauerbeflaggung für alle Bundesgebäude der USA an.© dpa | Jim Lo Scalzo
Auch ganz in der Nähe des Nachtclubs „Pulse“ versuchten die Menschen, mit den schrecklichen Ereignissen umzugehen – und trauerten öffentlich.
Auch ganz in der Nähe des Nachtclubs „Pulse“ versuchten die Menschen, mit den schrecklichen Ereignissen umzugehen – und trauerten öffentlich.© REUTERS | CARLO ALLEGRI
Sie legten Blumen nieder und suchten Trost im Kollektiv: „Heute weinen unsere Herzen gemeinsam.“
Sie legten Blumen nieder und suchten Trost im Kollektiv: „Heute weinen unsere Herzen gemeinsam.“© REUTERS | CARLO ALLEGRI
Hunderte Bürger von Orlando standen lange an, um Blut für die vielen Verletzten zu spenden.
Hunderte Bürger von Orlando standen lange an, um Blut für die vielen Verletzten zu spenden.© REUTERS | STEVE NESIUS
Das ist nach Angaben der Behörden der Täter: Omar Mateen, 29 Jahre alt, Wachmann, erfahren im Umgang mit Waffen. Zweimal ermittelte das FBI gegen ihn – und stellte die Verfahren wieder ein.
Das ist nach Angaben der Behörden der Täter: Omar Mateen, 29 Jahre alt, Wachmann, erfahren im Umgang mit Waffen. Zweimal ermittelte das FBI gegen ihn – und stellte die Verfahren wieder ein. © REUTERS | HANDOUT
Der Nachtclub „Pulse“ war eine beliebte Bar der Schwulen- und Lesbenszene.
Der Nachtclub „Pulse“ war eine beliebte Bar der Schwulen- und Lesbenszene. © REUTERS | CARLO ALLEGRI
Nach und nach wurden die Toten aus dem Nachtclub geborgen. Währenddessen klingelten immer wieder die Handys in den Jacken der Opfer, berichteten Polizisten.
Nach und nach wurden die Toten aus dem Nachtclub geborgen. Währenddessen klingelten immer wieder die Handys in den Jacken der Opfer, berichteten Polizisten.© REUTERS | JIM YOUNG
Gegen zwei Uhr nachts drang der Täter in den Nachtclub ein und eröffnete direkt am Eingang das Feuer. Viele Gäste tanzten gerade. Ein Polizist, gerade außer Dienst und im Nebenberuf Sicherheitsmann im „Pulse“, verfolgte den Schützen und schoss auf ihn – ohne Erfolg.
Gegen zwei Uhr nachts drang der Täter in den Nachtclub ein und eröffnete direkt am Eingang das Feuer. Viele Gäste tanzten gerade. Ein Polizist, gerade außer Dienst und im Nebenberuf Sicherheitsmann im „Pulse“, verfolgte den Schützen und schoss auf ihn – ohne Erfolg. © REUTERS | JIM YOUNG
Der Täter verschanzte sich, nahm Gäste als Geiseln. Gegen fünf Uhr stürmten Polizisten das Gebäude, retteten 30 Gäste und erschossen den mutmaßlichen Täter. Ein Polizist wurde verletzt – sein Kevlar-Helm rettete ihm das Leben.
Der Täter verschanzte sich, nahm Gäste als Geiseln. Gegen fünf Uhr stürmten Polizisten das Gebäude, retteten 30 Gäste und erschossen den mutmaßlichen Täter. Ein Polizist wurde verletzt – sein Kevlar-Helm rettete ihm das Leben.© dpa | Orlando Police/Handout
Mateen arbeitete als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma und benutzte Waffen, die er legal gekauft hatte. Vor seiner Tat rief er die Polizei an und bekannte sich zur Terrormiliz IS.
Mateen arbeitete als Wachmann bei einer Sicherheitsfirma und benutzte Waffen, die er legal gekauft hatte. Vor seiner Tat rief er die Polizei an und bekannte sich zur Terrormiliz IS.© REUTERS | HANDOUT
Augenzeugen berichteten von „chaotischen Zuständen“ vor dem Club. Verletzte wurden auf die Straße getragen. Es waren nicht genügend Rettungswagen vor Ort. Die Einsatzkräfte mussten improvisieren.
Augenzeugen berichteten von „chaotischen Zuständen“ vor dem Club. Verletzte wurden auf die Straße getragen. Es waren nicht genügend Rettungswagen vor Ort. Die Einsatzkräfte mussten improvisieren.© dpa | Univision Florida Central / Han
Auch viele Journalisten sind nach Orlando gekommen, um über die Ereignisse zu berichten. Immer mehr rückt neben der Trauer auch die politische Instrumentalisierung der grausamen Tat in den Fokus. Das Massaker von Orlando wird Einfluss auf den US-Präsidentschaftswahlkampf haben.
Auch viele Journalisten sind nach Orlando gekommen, um über die Ereignisse zu berichten. Immer mehr rückt neben der Trauer auch die politische Instrumentalisierung der grausamen Tat in den Fokus. Das Massaker von Orlando wird Einfluss auf den US-Präsidentschaftswahlkampf haben.© REUTERS | CARLO ALLEGRI

Schwulenclubs heißen überall gleich: „Heaven“, „Why not“ und „Pulse“

Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo war ich betroffen, weil ich jeden Tag in eine Redaktion zur Arbeit gehe. Nach den Pariser Anschlägen war ich betroffen, weil ich auch gern abends in Restaurants oder zu Konzerten gehe. Und jetzt? Bin ich betroffen, weil ich auch schon in langen Schlangen gestanden habe, um ohne großes Aufhebens mit einem Mann zu knutschen. Für uns sind die Einschläge des Terrors am Sonntagmorgen näher gekommen, für Heterosexuelle waren „die anderen“ betroffen.

Vielleicht war ich auch deshalb betroffener, weil ich schon in einem Schwulenclub namens „Pulse“ getanzt habe. Nicht den in Orlando, aber eigentlich gibt es sowieso nur fünf Namen für Homoclubs weltweit: „Why Not“, „Don’t tell Mama“, „Heaven“, „Queens“ und „Pulse“. Der Name klingt nach der Aufgeregtheit am Eingang, wenn das Herz pocht, weil man sich etwas traut.

Am Ende dieser Woche las ich im Internet einen Eintrag, der nur aus Zahlen besteht und vielleicht deswegen auch wirklich jeden berühren kann. Es sind die Altersangaben der Opfer von Orlando. Ich bin 37 Jahre, darf auch dieses Wochenende in Schlangen stehen und in Clubs gehen, wenn ich will. Sie waren Söhne und Töchter und werden kein Jahr älter, weil sie jemand für ihre Art der Liebe zum Tode verurteilte. Der Eintrag lautete: „18, 19, 20, 21, 21, 22, 22, 22, 23, 24, 24, 24, 25, 25, 25, 25, 25, 25, 25, 25, 26, 26, 27, 27, 28, 29, 29, 30, 30, 31, 31, 31, 32, 32, 33, 33, 33, 34, 35, 35, 36, 37, 37, 37, 39, 40, 41, 49, 50.“