Nach dem Selbstmord eines 20-Jährigen aus Enschede in der vergangenen Woche wird die Niederlande von einer Welle der Anteilnahme erfasst. Der junge Mann hatte einen Abschiedsbrief hinterlassen, den die Tageszeitung „Twentsche Courant Tubantia“ am Montag veröffentlichte. Darin heißt es: „Liebe Pap und Mam, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, gemobbt, gehänselt und ausgeschlossen. Ihr seid fantastisch. Ich hoffe, dass ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen, Tim.“

Am Dienstag wird der jahrelang gemobbte Schüler nun beerdigt. Im Internet reagierten Hunderte Menschen entsetzt und tief getroffen. Eine Maithe twitterte: „Hoffentlich kommt jetzt wenigstens 1 Mobber zur Besinnung.“

Die Eltern seien überwältigt von den Reaktionen, sagte ein Sprecher der Familie der Nachrichtenagentur ANP. Vor der Trauerfeier werde eine Erklärung der Familie verlesen, eine zuvor geplante Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt.

Die Eltern des Mobbing-Opfers Tim hatten schon vor dem Selbstmord ihres Sohnes die niederländische Polizei eingeschaltet. Sie hatten zwei Fälle von Cybermobbing gemeldet, sagte ein Sprecher der Familie dem Fernsehsender RTL am Dienstag. So war Tim schon im vergangenen Sommer im Internet als „Loser und Homo“ beschimpft worden.

Erst im Oktober hatte der Selbstmord der 15 Jahre alten Kanadierin Armanda Todd weltweit für Entsetzen gesorgt. Sie war jahrelang in der Schule und online gehänselt worden. Die Angriffe wurden schlimmer, Todd bekam Panikattacken und Depressionen, flüchtete sich in Alkohol und Drogen. Mehrmals wechselte sie die Schule, mit 15 Jahren nahm sie sich das Leben. Ein zuvor veröffentlichtes Video als letzter Hilferuf des Mädchens wurde weltweit zum Symbol gegen Cybermobbing.

BMO/dpa/anp