30.04.12

Neues Drogengesetz

Kein Haschisch-Tourismus mehr in Holland

Ab dem 1. Mai müssen Coffee-Shops in den Niederlanden Ausländer abweisen. Doch nicht in allen Städten gilt das neue Gesetz.

Foto: getty
Ab dem 1. Mai gilt in Holland: Keine Joints mehr für Ausländer
Ab dem 1. Mai gilt in Holland: Keine Joints mehr für Ausländer

Ein paar sind dann doch gekommen. Haben sich nicht abschrecken lassen von den Meldungen, dass der Zoll und die Polizei vermehrt auf Streife gehen würden dieser Tage. Sie sind älter geworden, klar, und inzwischen kommen sie auch mit dem Auto statt mit der Bahn nach Holland, fahren über die Autobahn, parken auf dem Parkplatz der "Coffee-Shops".

Früher gingen sie zu Fuß über die Grüne Grenze, fuhren mit der Bahn bis Kaldenkirchen und liefen dann ein paar Kilometer, auf dem "Drogenpfad". So nennt man den Weg immer noch.

Wie sich das anhört! Wie irgendein Geheimweg in Südostasien, als begebe man sich auf unsicheres Terrain, als lauerten auf dem "Tegelse Weg" nicht kalkulierbare Gefahren für Leib und Leben.

Und doch: Irgendwie war das ja auch so. Oft musste man rennen, und manchmal, wenn man schon dachte, dass die Gefahr vorüber ist, wenn man schon sicher wieder im Regionalexpress ins Ruhrgebiet saß, kam doch noch die Polizei. Sie erzählen sich die Geschichten von früher. So vieles hat sich geändert. Aber trotzdem: Da ist noch dieses Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit, das sich durch die Droge natürlich noch verschärft.

Sie rauchen holländisches Haschisch und Marihuana, danach essen sie "Frietjes" mit "Fricandel" und "Jopiesauce" – ein "perfekter Tag" sagt einer von ihnen. Es wird ihr letzter sein.

Hasch nur noch für Einheimische

Am 1. Mai ist Schluss. Dann darf in den holländischen Provinzen Zeeland, Nord-Brabant und Limburg Cannabis nur noch an Bürger verkauft werden, die in den Niederlanden gemeldet sind. Es ist das Ende einer Ära, meinen viele der Deutschen, die noch einmal in nach Venlo gekommen sind, um zu kiffen. Für die meisten Niederländer in den Grenzstädten bedeutet das hingegen schlicht gar nichts.

Begründet wird die Maßnahme mit den vielen Drogentouristen, den Beschwerden von Anwohnern und dem Eindämmen organisierter Kriminalität, an den Hintertüren der Coffeeshops.

Doch vor allem ist sie Ausdruck der schrittweisen Korrektur niederländischer Drogenpolitik. Die Niederlande wollen das Image als Königreich der Kiffer loszuwerden. Zumal der Besitz, Handel und Konsum auch weicher Drogen auch hier schon immer illegal war und lediglich über Jahre geduldet wurde.

Das System der landesweit rund 650 Coffeeshops gründet sich auf eine Reform des Opiumgesetzes aus dem Jahr 1976. Damals riet eine Kommission der Regierung, sogenannte "weiche Drogen" unter bestimmten Auflagen zu tolerieren, um die Polizei zu entlasten und die Konsumenten zu entkriminalisieren.

Jeder Gemeinde blieb es selbst überlassen, ob sie Coffeeshops genehmigte, so dass in den konservativ geprägten Landesteilen auch heute noch kein Coffeeshop zu finden ist.

Das "Roots" in Venlo ist der größte Coffeeshop der Stadt an der deutschen Grenze. Am Freitag herrschte hier Hochbetrieb, vor allem Deutsche kauften Cannabis-Produkte. Der Coffeeshop selbst ähnelte einer großen Kneipe mit Erlebnis-Gastronomie. Die Leute saßen an hellen Tischen, tranken Kaffee, rauchten Joints, an zwei Verkaufstresen wurden verschiedene Sorten Haschisch und Marihuana verkauft. Das ist nun vorbei.

Durch die neue Regelung ist der Laden gezwungen zum 1. Mai zu schließen. "Durch das neue Gesetz entfällt unsere Geschäftsgrundlage", schreiben die Betreiber an ihre Kunden und bedanken sich für die jahrelange Treue. Auch Venlo wird dann keine Coffeeshops mehr haben, doch natürlich wird man weiterhin Drogen dort kaufen können.

Dealer tauchen wieder auf

Schon jetzt stehen die Dealer wieder in der Innenstadt. Am Ufer der Maas sind die Claims schon klar abgesteckt, "willst du was kaufen", fragen die jungen Männer, und geben so den Kritikern der neuen Regelung recht, die prophezeien, das man mit der Schließung von Coffeeshops das Problem lediglich auf die Straße verlagere. Dort könne man nur nicht kontrollieren, was an wen verkauft werde.

Für den Tourismus in den Grenzstädten spielen die Coffeeshops nur eine untergeordnete Rolle. Maastricht etwa hat sich als mondäne Einkaufs- und Kulturstadt etabliert, kiffende Jugendliche stören eher das Stadtbild. In der Stadt im Dreiländerdreieck zwischen Deutschland, Holland und Belgien können Ausländer bereits seit dem vergangenen Jahr keine "weichen Drogen" mehr kaufen, eine Regelung, die – bestätigt vom Europäischen Gerichtshof – übrigens nicht gegen das Freizügigkeitsgebot in der EU verstößt.

Auch Venlo wird die Neuregelung kaum spüren: Hier fahren Deutsche aus dem Ruhrgebiet hin, um Einzukaufen. "Wirklich schlimm wäre es, wenn man nur noch Kaffee an Niederländer ausgeben würde", sagt ein Händler scherzend.

Amsterdam ist bisher noch nicht betroffen von der Neuregelung. Ebenso wenig die Grenzstädte Nijmwegen und Arnheim.

Doch auch in der Stadt mit den meisten Coffeeshops in den Niederlanden, soll vom kommenden Jahr an, kein Krümel Haschisch mehr an Ausländer verkauft werden. Der "Wiet-Pass", der Pass, mit dem in den Niederlanden lebende Personen die Berechtigung erwerben, Cannabis-Produkte zu kaufen, soll ab dem 1. Januar 2013 für ganz Holland gelten. Allerdings soll im September ein neues Parlament gewählt werden.

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