Zweite Liga

Union vertraut auch im Freudenhaus seinem Serien-Keller

Union hat noch nie auf St. Pauli gewonnen. Doch unter Coach Keller hat sich der Zweitligist als Meister im Beenden von Serien erwiesen.

Union-Trainer Jens Keller gibt den Weg vor in Richtung Aufstieg

Union-Trainer Jens Keller gibt den Weg vor in Richtung Aufstieg

Foto: Maurizio Gambarini / picture alliance / Maurizio Gamb

Berlin.  Plötzlich wurde es sogar lyrisch. "Da haben wir noch Tränen bei den Dänen", sagte Jens Keller. Der Trainer des 1. FC Union zeigte dabei die gesamte gute Laune, die sich bei ihm in den vergangenen Wochen gesammelt hat. Dank des Höhenflugs, zu dem seine Mannschaft im Aufstiegsrennen angesetzt hat. Und trotz der Tatsache, dass er auch am Freitag beim FC St. Pauli (18.30 Uhr, Sky) auf Torwart Jakob Busk und Linksverteidiger Kristian Pedersen (beide Oberschenkelverletzung) verzichten muss.

Für das Dänen-Duo werden wieder Daniel Mesenhöler und Michael Parensen bereitstehen, außerdem dürfte Emanuel Pogatetz in der Innenverteidigung erneut für den gesperrten Roberto Puncec auflaufen.

Der Tabellenzweite Union spielt gegen den Liga-15. St. Pauli – das ist das Spitzenspiel des 24. Spieltages im Bundesliga-Unterhaus. Klingt komisch, ist aber so: Union ist Rückrundenbester , die Hamburger sind -dritter. Die jetzige Qualität, die die Hamburger an den Tag legen, "zeigt, was sie sich zu Saisonbeginn vorgenommen haben", so Keller. Tatsächlich wollte der Vorjahresvierte dieses Ergebnis im Minimum bestätigen, anstatt sich mit dem Abstiegskampf beschäftigen zu müssen. Es gehört zum Fußball dazu, dass es oft anders kommt.

Die Hamburger sind jetzt gefestigter

Beim Gegner hat sich jedoch ausgezahlt, dass er sich nicht den Mechanismen der Branche unterworfen und an Trainer Ewald Lienen festgehalten hat. "Sie haben kontinuierlich weitergearbeitet und die Ruhe bewahrt", sagte Keller. Entsprechend gefestigt präsentieren sich die Hamburger auch in der Rückrunde, in der nur einmal verloren wurde – zum Auftakt gegen Spitzenreiter VfB Stuttgart (0:1).

Noch in der Hinrunde ist St. Pauli nach Rückschlägen in sich zusammengefallen, "gerade nach einem Gegentor gab es Auflösungserscheinungen", erklärte Keller. Das ist nun anders. "Die Mannschaft macht weniger Fehler und wirkt konzentrierter, auch die Räume werden enger gemacht", hat Keller den Gegner gründlich analysiert.

So wird das Duell im Stadion am Millerntor, das auch gern als Freudenhaus der Liga bezeichnet wird, erst recht ein Fall für Unions Serien-Keller. Noch nie haben die Köpenicker auf St. Pauli gewonnen (vier Remis, fünf Niederlagen). Damit soll am Freitag Schluss sein. Schon beim SV Sandhausen (das 1:0 am 14. Spieltag war der erste Sieg überhaupt im Hardtwaldstadion) und gegen die SpVgg Greuther Fürth, gegen die zum Hinrundenende die gruselige Heimbilanz von sechs Niederlagen seit dem Wiederaufstieg 2009 mit einem 1:1 beendet wurde, sind Negativkapitel abgeschlossen worden.

Union winkt der Klubrekord von fünf Siegen in Folge

Mittelfeldspieler Damir Kreilach frohlockt bereits: "Das ist ein Spiel für Jens Keller. Und St. Pauli steht schon unter Druck, weil sie immer noch im Abstiegskampf stecken."

Zudem winkt dem Coach die Einstellung des Klubrekords von fünf Siegen in Folge, den Aufstiegstrainer Georgi Wassilew 2001/02 aufgestellt hatte. Diese Möglichkeit hatte sich dem Keller-Team schon in der Hinrunde geboten, damals setzte es jedoch ein 0:2 beim 1. FC Nürnberg.

"In Nürnberg gab es ja auch keine Serie, die wir brechen mussten", sagte Keller, der den Auftritt in Hamburg dennoch nicht als Selbstläufer verstanden wissen will. "Sicher werden wir auch mal wieder ein Spiel verlieren, doch das haben wir uns für St. Pauli nicht vorgenommen", machte Keller deutlich. Weniger lyrisch, dafür umso vergnügter.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.