Zweite Liga

Union setzt gegen Würzburg auf die Nummer eins

Torwart Daniel Mesenhöler steht gegen Würzburg als Ersatz für den verletzten Jakob Busk im Fokus. Nicht nur wegen seiner Rückennummer.

Union-Torwart Daniel Mesenhöler lieferte beim Pokalspiel in Dortmund eine gute Leistung ab

Union-Torwart Daniel Mesenhöler lieferte beim Pokalspiel in Dortmund eine gute Leistung ab

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Fragt man nach einem Baustein im Aufstiegsrennen – vielleicht sogar dem wichtigsten – so erhält man sehr oft eine Antwort: Konstanz. "Die Mannschaft, die am wenigsten Einbrüche hat, wird es schaffen", bestätigt Jens Keller, der Trainer des 1. FC Union.

Dass Union diese Konstanz in der Rückrunde bislang zeigen konnte, lag nicht zuletzt daran, dass der Berliner Fußball-Zweitligist von größeren Ausfällen verschont geblieben ist beziehungsweise diese adäquat mit erfahrenen Akteuren ersetzen konnte. Das ist gegen die Würzburger Kickers am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) ein wenig anders.

Hier kommt Daniel Mesenhöler ins Spiel. Jener 21 Jahre junge Torwart, der gegen den Aufsteiger sein Zweitliga-Debüt geben wird. Und dabei keinen Geringeren als Stammkeeper Jakob Busk (23) ersetzen muss, Unions unumstrittene Nummer eins, die wegen Muskelproblemen wohl erst ab April wieder zur Verfügung stehen wird. Statt "Mesi" wird der Österreicher Michael Gspurning (35) auf der Bank sitzen, und um ganz sicher zu gehen, wurde auch für den A-Junioren-Keeper Lennart Moser (17) eine Spielgenehmigung beantragt.

Mentale Stärke als großer Trumpf

Die Frage, die Mesenhöler zu beantworten hat, ist keine unwichtige: Kann der 1,87-Meter-Mann, der zu Saisonbeginn von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln nach Berlin gewechselt ist, tatsächlich die Lücke qualitativ füllen, die Busk hinterlassen hat? Keller hat keinen Zweifel. "Man muss einfach das Spiel gegen Dortmund anschauen, dann ist alles gesagt", verweist der Union-Coach auf die packende Pokalpartie im Oktober, als die Köpenicker der Borussia erst im Elfmeterschießen (0:3) unterlegen waren.

"Wenn man sieht, dass dies sein erster Profieinsatz gewesen ist, und er liefert vor 80.000 Zuschauern bei so einem Spiel so eine Leistung ab, dann zeigt dies, wie stark er mental ist. Das war schon beeindruckend", so Keller weiter.

Doch so ein Spiel in Dortmund darf schon als Selbstläufer bezeichnet werden, was Motivation und Abrufen der eigenen Leistung angeht. Und es war Keller, der mit Gspurning dafür sorgte, dass seine Torhüter nicht völlig ohne Erfahrung an ihrer Seite in die Saison gehen.

Gspurning verlängert Vertrag bis 2018

Dass der 35-jährige Torwart am Donnerstag seinen im Sommer endenden Vertrag bis 2018 verlängert hat, bestätigt, dass das Trio ein gutes Team bildet. Der Österreicher "sieht sich nicht als Konkurrent in dem Sinne, sondern unterstützt die jungen Torhüter", so Keller. Dass Mesenhöler mit der Rückennummer eins seine Feuertaufe in Liga zwei besteht, ist damit aber noch nicht sicher.

Keller tut deshalb alles, um dem Busk-Ersatz den Rücken zu stärken und Druck von ihm zu nehmen. "Wenn einer noch kein Zweitliga-Spiel gemacht hat, ist es für ihn auch etwas Großes, hier vor 20.000 Zuschauern zu spielen", vergleicht Keller die Partien gegen Dortmund und Würzburg: "Er freut sich darauf, hat auf die Chance gewartet. Der Druck vor 80.000 Zuschauern ist noch höher, aber die Motivation wird genauso hoch sein wie in Dortmund."

Sie muss es auch, denn anders als im Pokal wird nun erwartet, dass Union gegen Würzburg seiner Favoritenrolle gerecht wird. Was, wenn Union ausgerechnet mit Mesenhöler im Tor wertvolle Punkte im Aufstiegsrennen liegen lässt? Das Risiko, in die Saison mit zwei jungen Torhütern gegangen zu sein, könnte sich als Bumerang erweisen.

"Bei Fehlern reißen wir ihm nicht den Kopf ab"

Keller verweist darauf, dass es für Mesenhöler auch in Dortmund viel zu verlieren gab: "Wenn ich meinen ersten Profieinsatz in Dortmund habe und bekomme sieben Dinger rein – ob ich da gestählt rausgehe, weiß ich nicht." Insofern gebe es für den Torwart auch gegen Würzburg "nur zu gewinnen, denn bei Fehlern reißen wir ihm natürlich nicht den Kopf ab".

Immerhin brauchen die Vorderleute ihr Spiel nicht umzustellen , da ist sich Keller sicher: Busk und Mesenhöler "unterscheiden sich nicht groß. Beide können den Ball gut spielen und sind reaktionsstark". Auch wenn die Präsenz des Dänen Busk im Strafraum sicher eine andere ist als die Mesenhölers.

Vielleicht hilft ja jener Kniff vom vergangenen Spieltag: "In der Halbzeit des München-Spiels kamen die Physios zu mir und haben gesagt: Vorsicht mit Auswechslungen, Busk hat irgendetwas. Da habe ich die Mannschaft so eingestellt, dass wir nichts mehr aufs Tor bekommen", sagte der Trainer mit einem Augenzwinkern. Der Konstanz wäre dies nur förderlich.

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