01.12.12

Zweite Liga

Sieg gegen Bochum beendet Unions Heimmisere

Nach drei Heimspielen endlich wieder ein Erfolg für die Köpenicker Kicker. Doch anfängliches Schweigen der Fans trübt die Stimmung.

Von Michael Färber
Foto: dapd

Torjäger: Mit seinem zweiten Saisontreffer sichert Adam Nemec (rechts) dem 1. FC Union den wichtigen Sieg gegen den VfL Bochum
Torjäger: Mit seinem zweiten Saisontreffer sichert Adam Nemec (rechts) dem 1. FC Union den wichtigen Sieg gegen den VfL Bochum

Die letzten Sekunden zählten die Fans laut herunter. "Neun, acht, sieben…" Als könnten sie es nicht mehr erwarten, endlich für Stimmung im Stadion an der Alten Försterei zu sorgen. "Sechs, fünf, vier…" Wie schon zuvor in Duisburg gab es im Rahmen der Protestaktionen gegen das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) Schweigen auf den Rängen. "Drei, zwei eins…" Nach 12:12 Minuten waren sie jedoch nicht mehr zu halten. Vielleicht fiel der Jubel nach dem Schlusspfiff der Partie gegen den VfL Bochum auch deshalb ein wenig lauter aus, weil die Anhänger des Berliner Fußball-Zweitligisten zu Beginn der Partie ein wenig Kraft gespart hatten. Das 2:1 (1:1) gegen den früheren Bundesligisten zum Abschluss der Hinrunde wurde jedenfalls ausgiebig gefeiert.

Zu Recht, gelang es doch der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus erstmals in dieser Saison, zwei Siege in Folge einzufahren. Endlich konnte nach drei Punkten zuvor in der Fremde (2:1 in Duisburg) zu Hause nachgelegt werden. Endlich konnte die sieglose Durststrecke (nur zwei Punkte aus drei Partien) vor heimischem Publikum beendet werden. Und endlich gelang auch der so lang ersehnte Sprung in die obere Tabellenhälfte. Zumindest bis Sonntagnachmittag rangiert Union auf Platz acht.

Frühes Führungstor für die Köpenicker Kicker

Nur der Trainer grantelte. "Die ersten zwölf Minuten waren katastrophal", sagte Neuhaus. Er meinte damit nicht das Spiel seines Teams, sondern die fehlende Stimmung auf den Rängen. "Das hatte nichts mit Fußball zu tun. Wenn es immer so wäre, würde ich wieder Elektriker werden." Dabei gab es erstmals in dieser Saison – man hatte es fast erahnen können – ein frühes Führungstor für die Köpenicker Kicker. Zweieinhalb Minuten waren gerade einmal vorbei, als ein Freistoß von Patrick Zoundi in den Strafraum segelte, Markus Karl hochstieg und zum 1:0 einköpfte. Vereinzelte "Streikbrecher", die zum Jubeln ansetzen wollten, wurden mit einem zischenden "Pssst" zum Schweigen gebracht. Sogar die Stadionregie sah sich zur Stille veranlasst. Sprecher Christian Arbeit verkündete den Führungstreffer erst nach Ablauf der Zwölf-Minuten-Frist.

Wirklich Sicherheit gab das Tor den Unionern allerdings nicht. Obwohl dem VfL in jeder Phase des Spiels die Unsicherheit eines abstiegsbedrohten Klubs anzumerken war, musste Coach Neuhaus eingestehen: "Bochum war immer gefährlich." In der fünften Minute zum Beispiel, als Marcel Maltritz und Zlatko Dedic im Doppelversuch scheiterten. Oder in Minute 23, als ein Steilpass auf Christoph Dabrowski die komplette Union-Defensive aushebelte. Bochums Mittelfeldspieler legte den Ball quer auf Dedic, dessen Schuss wurde durch den reinrutschenden Marc Pfertzel noch unhaltbar für Union-Torwart Daniel Haas abgefälscht – 1:1. "Das war zur Pause in Ordnung, Bochum war bis dahin aggressiver", gestand Unions Abräumer Markus Karl.

Nach Mattuschkas Einwechsel drehte Union auf

Dabei hatte Neuhaus sich im Mittelfeld für den frischeren Silvio anstelle von Torsten Mattuschka entschieden. Der Kapitän klagte bereits nach dem Duisburg-Spiel über Müdigkeit, fühlte sich nicht wirklich fit. "Der Trainer hat es mir direkt vor dem Spiel gesagt, aber ich habe kein Problem damit", kommentierte Mattuschka, "und wenn wir gewinnen, dann war alles richtig." Erst nach 55 Minuten durfte der 32-Jährige, von den Rängen enthusiastisch gefeiert, für Silvio ran. Der Brasilianer hatte sich nach Kräften gemüht, doch man merkte ihm an, dass er nicht wirklich auf seiner Lieblingsposition agierte.

Nach dem Wechsel drehte Union dann zunächst auf. "Wir haben uns in der Kabine gesagt, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen, sonst wird es heute nichts mit einem Sieg", sagte Karl. Gesagt, getan. Die Folge war ein Eckball von Ersatzkapitän Patrick Kohlmann, den Adam Nemec mit einem herrlichen Kopfball vollendete (52.). "Wir haben erreicht, was wir wollten, auch wenn es teilweise nicht so gut aussah", sagte der Stürmer nach seinem zweiten Saisontor. Unverständlich ist jedoch, dass die Hausherren in der Folgezeit das Spiel mehr und mehr aus der Hand gaben und sich zum Erfolg zitterten.

So waren es die Bochumer, die sich ärgern mussten. Nicht zuletzt wegen zweier aus Union-Sicht glücklicher Szenen. Nach 27 Minuten wurde ein Tor von VfL-Stürmer Mirkan Aydin nicht anerkannt, weil zuvor Dedic gegen Pfertzel mit gestrecktem Bein nachgesetzt hatte. Pfertzels Handspiel kam erst unmittelbar nach Dedics Aktion. Drei Minuten vor dem Ende entschied Schiedsrichter Christian Dietz (Kronach) auf Abstoß nach einer Aktion von Torwart Hass gegen Duisburgs Yusuka Tasaka. "Aus meiner Sicht ein ganz klarer Elfmeter für uns", sagte VfL-Manager Jens Todt: "Wir müssen hier nicht verlieren, im Gegenteil, wir müssen hier etwas mitnehmen." Den Union-Fans unter den 14.373 Zuschauern (Saisonminuskulisse) war dies egal. Sie wollten nur noch jubeln. Es war zu Beginn des Spiels ja auch still genug geblieben.

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