Gibt es noch einmal eine One-Woman-Show der russischen Überfliegerin Jelena Issinbajewa – oder springen die deutschen Stab-Artistinnen Silke Spiegelburg und Martina Strutz um Gold mit? „Ich möchte locker bleiben und ins Finale kommen. Dort will ich eine sehr gute Leistung zeigen und hoffe, dass dann etwas Schönes herauskommt“, sagt die Leverkusenerin Spiegelburg vor dem olympischen Zitterspiel Qualifikation an diesem Sonnabend.
Der deutsche Rekord von vor zwei Wochen in Monaco hat der 26-Jährigen viel Selbstvertrauen für ihre dritte Teilnahme an den Sommerspielen gegeben. Mit den 4,82 Metern geht die EM-Vierte als Nummer 1 der Weltbestenliste in den Medaillenkampf. „Silke ist in der Form ihres Lebens und da sollte normalerweise auch das Beste herauskommen: Das wäre eine Medaille“, meint ihr Trainer Leszek Klima.
Ex-Rekordhalterin Martina Strutz gewann bei der EM in Helsinki bei strömendem Regen wie schon bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea Silber - und hofft nun auf einen „Kracher“. „In London geht alles wieder von vorne los: Qualifikation überstehen, rein ins Finale, und dann fangen die Pokerei und der mentale Stress wieder an. Wer da am coolsten ist, der gewinnt am Ende“, sagt die 30-Jährige aus Neubrandenburg.
Die letzten beiden Olympiasiege bei den Himmelstürmerinnen landete Issinbajewa. Die 30-Jährige wurde in diesem Jahr zwar zum vierten Mal Hallen-Weltmeisterin und hat 28 Weltrekorde aufgestellt, doch ihr letzter Freiluft-Titel liegt vier Jahre zurück. 2008 triumphierte sie in Peking. Bei der WM 2009 in Berlin scheiterte sie an der Anfangshöhe, 2010 nahm das Glamourgirl eine Auszeit, nachdem ihr Körper „total leer war – emotional und physisch“. Nach ihrer Rückkehr landete sie bei der WM 2011 nur auf Rang sechs.
Mit 4,75 Metern stieg Issinbajewa in die Saison an, vermasselte aber ihre Olympia-Generalprobe: Salto nullo in Monaco. So steht die dreifache „Welt-Leichtathletin des Jahres“ nur auf Rang fünf der diesjährigen Rangliste. Neben Spiegelburg sind schon Weltmeisterin Fabiana Murer aus Brasilien, US-Titelgewinnerin Jennifer Suhr und Alana Boyd aus Australien höher gesprungen. Dennoch ist Issinbajewa, die als bisher einzige Frau die magische Marke von 5,00 Metern überquert hat (5,06 m), vor der Medaillenvergabe am Montag überzeugt: „Ich kann mich nur selbst schlagen.“
dpa/tj

