Bundesliga Hertha will in 60 Tagen eine Million einsammeln

Hertha BSC will seine Fans nicht nur für Fußball im Olympiastadion begeistern, sondern auch für die digitale Entwicklung

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Hertha BSC will seine Fans nicht nur für Fußball im Olympiastadion begeistern, sondern auch für die digitale Entwicklung

Hertha als Trendsetter. Die Berliner wollen eine siebenstellige Summe von Fans, Nerds und Mitgliedern per „Crowdlending“ leihen.

Das Image von Hertha BSC bei den Jungen und Hippen ist noch ausbaufähig. Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen, startet der Fußball-Bundesligist eine Aktion, die dem Zeitgeist dieser Klientel entspringt. So startet Hertha am morgigen Sonnabend eine Kampagne: Innerhalb von 60 Tagen will Hertha eine Million Euro einsammeln, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Der Hauptstadt-Klub hat sich für die Form des "crowdlending" entschieden. Hertha sucht eine "crowd", eine Menge (meint: viele verschiedene Personen), die Hertha für drei Jahre insgesamt eine Million Euro leiht ("lending"). Ob Hipster, Hertha-Mitglied oder Fan – jeder kann sich beteiligen. Es sind Summen möglich zwischen 100 und, entsprechend der Vorgabe zum Schutze von Kleinanlegern, maximal 10.000 Euro. Jeder Betrag wird mit 4,5 Prozent verzinst und nach drei Jahren, also 2019, vom Verein zurückgezahlt – deshalb "crowdlending".

Geschäftspartner ist Kapilendo, ein Startup aus Berlin

"Wir beteiligen unsere Fans am Wachstum von Hertha BSC – und dies mit einem sehr zeitgemäßen Modell: online, mobil und direkt", sagt Ingo Schiller, Finanz-Geschäftsführer des Bundesligisten.

Mit dieser Aktion übernimmt Hertha eine Vorreiterrolle. So etwas hat in Deutschland noch kein Profiklub versucht. Abgewickelt wird das "crowdlending" über die Plattform von Kapilendo, einem Startup-Unternehmen aus Berlin, das in einer Kudamm-Seitenstraße ansässig ist.

Das Geld wird für Digitalisierung eingesetzt

Die Summe soll für drei konkrete Bereiche eingesetzt werden: Hertha will die digitale Kommunikation weiter entwickeln. Die Präsenz auf den bekannten Kanälen wie der eigenen Homepage, der Youtube-Seite, beim Kurznachrichtendienst Twitter oder den Fotodiensten Instagram und Snapchat soll verbessert werden. Der Newsletter, den die 32.000 Mitglieder vor jedem Heimspiel per Email bekommen, wird verschieden aussehen - je nachdem ob der Empfänger in Berlin wohnt, in Freiburg oder vielleicht in Portland/Oregon.

Dann will Hertha beim digitalen Vertrieb in neue Dimensionen aufbrechen. Wer sich etwa in dieser Saison ein Hertha-Trikot mit dem Namen "Kalou" hat beflocken lassen, erhält ein Angebot, wie "sein" Jersey in der passenden Größe und Beflockung aussieht, sobald das neue Dress 2017/18 auf dem Markt ist. Wer in der vergangenen Saison Tickets für vier Hertha-Heimspiele bestellt hat, bekommt künftig eine Offerte, ab wie viel Heimspielen pro Saison es sich rechnet, wenn man eine Dauerkarte bestellt.

Eine neue Masche, um Fans Geld aus der Tasche zu ziehen?

Das dritte Feld ist die Digitalisierung der Mannschaft: Hertha will das GPS-Tracking und seine Datenbank ausbauen. So soll auch beim Training jeder Meter, jeder Spurt, jeder Pulsschlag der Profis aufgezeichnet werden.

Kritiker werden einwenden, das sei doch nur eine neue Masche, um dem Fan weiteres Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Antwort heißt "Ja" und "Nein". Klar ist eine Million Euro eine Menge Geld. Hier dient die Summe aber eher als Blickfang. Hertha hat in der vergangenen Saison 2014/15 Einnahmen von 88,5 Millionen Euro ausgewiesen. Ginge es vorrangig ums Geld, könnte der Klub die eine Million (entspricht 1,2 Prozent des Hertha-Etats) locker aus dem laufenden Haushalt bestreiten.

Näher ran den Zeitgeist

Der Zipfel vom Zeitgeist, den Hertha erwischen möchte, ist ein anderer. Berlin ist in Deutschland die Hauptstadt der Start-ups. Der Klub will bei Sympathisanten, Nerds und Mitgliedern das erreichen, was auf Neudeutsch "involvement" heißt. Wer sich mit moderaten Summen engagiert, hat eine stärkere emotionale Bindung an das Projekt. Der Anleger soll sich ein klein wenig auch als Eigentümer fühlen.

Die Rahmendaten sind günstig. Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai steht als Liga-Dritter so gut da, wie seit Jahren nicht. Auch die finanzielle Entwicklung ist seit dem Einstieg von Finanzinvestor KKR Anfang 2014 eine deutlich positive. Zudem hat Hertha seit Jahresbeginn mit Paul Keuter ein Mitglied der Geschäftsleitung, der für die digitale Entwicklung zuständig ist.

Stichtag ist Dienstag, der 17. Mai

"Berlin ist eine Metropole, die aufgrund ihrer großen Start-up-Szene beispielhaft für Innovation und Entwicklung steht", sagt Schiller. "Gerade hier wollen wir mit einem absolut neuen Angebot vorangehen, Impulse setzen."

Teil des Konzeptes ist Transparenz. 60 Tage läuft das "crowdlending". Jeder kann täglich auf der Internet-Seite www.kapilendo.de verfolgen, wie viel Geld bereits zusammengekommen ist – und wie viel Zeit bleibt bis zum Stichtag, Dienstag, dem 17. Mai.

Wer sein Geld einsetzt, geht kein Risiko. Das abgegebene Gebot wird nur verbindlich, wenn die angestrebte Summe zusammen kommt. Schiller gibt sich betont zuversichtlich: "Ich bin sicher, dass wir eine Million erreichen."

>>> Update: Wie schnell Hertha die Million erreichte

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