Ab heute werden die Tage wieder länger. Der Unterschied zum Vortag ist zwar winzig, doch schon in der Steinzeit waren Menschen in der Lage, diesen Tag der Wintersonnenwende zu identifizieren, wie etwa die Kultstätte von Stonehege belegt. Die Bedeutung der Wintersonnenwende war einst religiös aufgeladen, heute verbinden die meisten diesen Tag mit dem Gefühl, dass die Sonne ab jetzt wieder mehr Licht verbreitet.
In heidnischen Zeiten lag es nahe, die Wiederkehr der lebensspendenden Sonne zu feiern. Auf den Tag der Wintersonnenwende – vor 2000 Jahren am 25. Dezember – legten die Christen dann ihr Weihnachtsfest. Die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. riss das Zusammenfallen von Weihnachten und Wintersonnenwende auseinander. Der 25. Dezember wurde als Weihnachtstermin beibehalten, doch der kürzeste Tag des Jahres verschob sich auf den 21. Dezember.
Für den Menschen des 21. Jahrhunderts ist die Wintersonnenwende in erster Linie ein astronomisches Ereignis, dass sich aus der Geometrie der Erdbahn um die Sonne und der Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene ergibt. Die Ebene, auf der die Erdachse senkrecht steht („Ekliptik“) ist zur Bahnebene, in der die Erde die Sonne umrundet, um 23,4 Grad geneigt. Deshalb geht im Winter auf der Nordhalbkugel die Sonne später auf und früher unter als im Sommer – die Tage sind kürzer.
Zweimal im Jahr durchläuft die Erde eine Position, in der sich Bahnebene und Ekliptik schneiden. Dies sind der 21. März und der 23. September, an denen der Tag genau so lang wie die Nacht ist („Tag-und-Nacht-Gleiche“). Läuft die Erde von diesen beiden Positionen jeweils 90 Grad auf ihrem jährlichen Weg weiter, erreicht sie die Punkte der Sommer- und der Wintersonnenwende. Zur Wintersonnenwende steht die Sonne im Sternbild Schütze, zur Sommersonnenwende zwischen Stier und Zwilling.
Dies war nicht immer so, und das ändert sich auch wieder. Die Erdachse „trudelt“ nämlich ein wenig, so dass sich die Neigung zwischen Ekliptik und Bahnebene verändert. In jeweils 25.780 Jahren durchläuft die Sonne zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende einmal den gesamten Tierkreis. So stand in der Antike die Sonne zur Wintersonnenwende im Sternzeichen Steinbock, in 300 Jahren werden die Menschen die Sonne im Sternzeichen Schlangenträger sehen.
Doch warum fällt der Tag der Wintersonnenwende nicht immer auf den 21. Dezember? Das Sonnenjahr (die Zeit für einen Bahnumlauf der Erde um die Sonne) ist knapp sechs Stunden länger als die 365 kalendarischen Tage. Daher verschiebt sich der Zeitpunkt der Wintersonnenwende jährlich um rund sechs Stunden nach vorn. In einem Schaltjahr gibt es dann einen Zeitsprung von etwa 18 Stunden zurück. Deshalb kann die Wintersonnenwende auch schon an einem 20. oder 22. Dezember stattfinden.

