Hamburger Wissenschaftler haben erstmals in Deutschland gefährliche Larven des Hundehautwurms in Stechmücken nachgewiesen. „Klimaveränderung und die Einfuhr infizierter Hunde aus Südeuropa können Ursachen für eine Etablierung dieses Parasiten sein, der bislang in Zentraleuropa nicht heimisch war“, so die Experten vom Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin. Selten könnten Stechmücken die Infektion auch auf Menschen übertragen und dann eine Hirnhautentzündung auslösen. Bisher seien jedoch keine Infektionen bekannt.

Ein Team um Egbert Tannich vom BNI hat in den vergangenen Jahren rund 75.000 Stechmücken in neun Bundesländern gesammelt. In drei Stechmückenarten aus Brandenburg entdeckten die Experten wiederholt Larven des Hundehautwurms Dirofilaria repens. „Es ist das erste Mal, dass in Deutschland im großen Maßstab Stechmücken auf Parasiten untersucht werden“, sagt Tannich. Alarm schlagen will er noch nicht. Es gehe jetzt vor allem um Überwachung, damit man vor einer Ausbreitung von Erregern warnen könne. Infektionen mit Dirofilaria repens kommen in Südeuropa und vielen Ländern Afrikas und Asiens vor. Der Erreger verursacht die „kutane Dirofilariose“, eine Hautkrankheit mit Schwellungen, Juckreiz und Abszessen.

In den vergangenen Jahren habe es aber häufiger Meldungen über vor Ort erworbene Infektionen in Österreich, Tschechien oder Polen gegeben, hieß es – und neuerdings auch bei Hunden in Deutschland. Sie sind das Hauptreservoir der Larven, aber auch Marder und Füchse werden infiziert. In ihnen entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen Würmern. Weil das temperaturabhängig ist und zehn bis 30 Tage braucht, Stechmücken aber im Schnitt weniger als 30 Tage leben, galt Deutschland bisher nicht als gefährdet.

Nach neuen Klimamodellen könnten sich Larven in den Mücken aber in den Sommermonaten schnell genug entwickeln. „Da wir den Parasiten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefunden haben, liegt der Verdacht nahe, dass zumindest in Brandenburg bereits eine stabile Übertragung stattfindet“, sagte Tannich. Tierärzte müssten möglichst viele infizierte Hunde behandeln, um eine Ausbreitung des Erregers zu verhindern, betonte der Forscher. Infizierte Hunde zeigten oft keine eindeutigen Symptome, sie hätten aber manchmal Juckreiz oder eine Hautentzündung. Die Gefahr der Ausbreitung besteht auch darin, dass unbehandelte Hunde den Parasiten bis zu sieben Jahre in sich tragen können.

Knoten in der Haut

Der Mensch ist nicht direkt Opfer der Infektion über Stechmücken, er wird als „Fehlwirt“ eher zufällig infiziert. In der Regel erreichen die Würmer nach Übertragung nicht die Geschlechtsreife und sterben ab. Ärzte diagnostizieren meist nur wandernde Schwellungen und Knotenbildung an der Haut oder finden frühe Parasitenstadien am Auge, die operiert werden. Bei hoher Infektionslast mit Entwicklung zur Geschlechtsreife und Larvenbildung können in seltenen Einzelfällen auch Hirnhautentzündungen auftreten, die dann medikamentös behandelt werden müssen.

Ansonsten herrscht in Teilen Brandenburgs zwar ein reges Mückengeschwirre, aber meist ohne schwere Folgen. Lästig sind die Stechmücken vor allem in den Hochwassergebieten, wo noch Wasser steht, das die Larven zur Entwicklung brauchen. „In Pfützen und Tümpeln finden die Quälgeister derzeit optimalen Lebensraum“, sagt der Chef des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Solange das warme Wetter andauere und noch Wasserpfützen vorhanden seien, gebe es keine Entspannung.

Während die Entwicklung der Larve zum stechbereiten Insekt bei kühleren Temperaturen um die 20 Tage benötigt, sind es beim derzeitigen Wetter nur etwa zehn Tage. Im Moment tummeln sich in den Lüften also mehrere Mückengenerationen gleichzeitig. Verschlimmert wird das Problem dadurch, dass nach üppigen Regenfällen der Boden vielfach wassergesättigt ist. Neuer Regen versickert deshalb nicht, sondern bildet neue Pfützen. Immerhin können Garten- und Hausbesitzer etwas tun, um die Mückenplage in ihrem Bereich einzudämmern. Sie sollten offene Wasserflächen vermeiden, um Brutstätten zu beseitigen, das heißt, Wassertonnen zudecken oder leeren, Gießkannen nicht tagelang gefüllt stehen lassen und Dachrinnen säubern, um stehendes Wasser zu vermeiden.

Ein landesweites Vorgehen gegen die Mückenplage fordert der brandenburgische CDU-Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben. Er wirft Umwelt- und Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) vor, nichts zu tun, während die Tourismuswirtschaft Einbußen erleide. Konkrete Vorschläge machte der Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion jedoch nicht.

dpa