Vorstoß Deutsche sollen Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen

Foto: Jürgen Paulig

Die Unterbringung von Flüchtlingen wird immer schwerer, es fehlt an Unterkünften. Der Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt präsentiert einen Vorschlag, den er selbst ausprobiert hat.

Der Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt hält die Aufnahme notleidender Bürgerkriegsflüchtlinge auch in Privathaushalten für möglich. Er selbst habe mit seiner Ehefrau in seinem Heimatort Briesen (Oder-Spree) im vergangenen Jahr zeitweise aus Nigeria stammende Flüchtlinge vom Berliner Oranienplatz aufgenommen, sagte der CDU-Politiker. Die beiden Mütter und ihre drei kleinen Kinder hätten zwei Tage bei ihm ausspannen können.

Nach der Sommerpause will Patzelt seinen Vorstoß mit seinen Kollegen im Bundestag erörtern. Er habe den Vorschlag angesichts der zunehmend fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten und des bevorstehenden Winters gemacht. Wer ein ungenutztes Gästezimmer oder ein nicht mehr benötigtes Kinderzimmer habe, solle darüber nachdenken, ob er Flüchtlinge aufnimmt. Die Räume könnten zeitweise kostenlos zur Verfügung gestellt werden. "Vor allem Mütter und ihre Kinder, die viel erleben mussten, sollten dort zur Ruhe kommen", sagte er.

"In unserem Haus sind die Betten wieder frisch bezogen", sagte Patzelt. Es müsse aber gelingen, künftig mit den Ausländerbehörden Vereinbarungen über die Unterbringung zu treffen. Dazu gehörten unbedingt die Absicherung des Lebensunterhaltes und der Kosten der Krankenversicherung für die Flüchtlinge. "Die Verwaltungsvorschrift muss entsprechend verändert werden", sagte der Abgeordnete.

Dombrowski - "Gut gemeint, aber kontraproduktiv"

Die Brandenburger Landes-CDU distanzierte sich von dem Vorschlag. Dieter Dombrowski, Menschenrechtsbeauftragter und Vize-Fraktionschef, sagte der Berliner Morgenpost: "Wenn Herr Patzelt in seiner Wohnung Flüchtlinge aufnehmen will, ist das seine Sache. Ich halte es aber für verkehrt, dass er einen solchen Appell an die Bürger richtet. Das ist gut gemeint, aber kontraproduktiv."

Patzelt reagierte überrascht von der massiven Kritik, die ihn nach seinem Vorstoß erreichte. Patzelt – von 1992 bis 2010 Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) – sagte, er wolle ein Umdenken bei der Unterbringung von Flüchtlingen anregen. Seine Familie und die seiner Frau seien nach dem Zweiten Weltkrieg auf Hilfe und Barmherzigkeit anderer Menschen angewiesen gewesen. Das wolle er gern zurückgeben, sagte der 67-Jährige.

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