Was heißt eigentlich „Konklave“?
Konklave bezeichnet den Raum, in dem die Bischöfe zusammenkommen, aber auch die Zusammenkunft selbst. Das lateinische Wort conclave setzt sich aus „cum“, Deutsch „mit“ oder „zusammen“ und „clavis“ – „Schlüssel“ zusammen und bedeutet „abschließbarer Raum“. Dieser Begriff geht noch auf das Mittelalter zurück. Damals sperrten sich die Kardinäle zur Wahl ein, damit zum Beispiel kein weltlicher Fürst im letzten Moment Einfluss auf die Wahl nehmen konnte.
Wo findet das Konklave statt?
Seit 1996 ist die Sixtinische Kapelle als ausschließliche Wahlstätte festgeschrieben. Diese befindet sich an der Ostseite der Basilika der Peterskirche. Die Kapelle wurde in den Jahren 1477 bis 1480 unter Papst SixtusIV. errichtet und ist mit Fresken von Renaissancemalern wie Michelangelo, Botticelli und Perugino reich verziert. In den vergangenen Tagen hat ein Team von 40 Arbeitern einen Holzboden verlegt, um die Stufen auszugleichen und eine einheitliche Bodenhöhe herzustellen. Es wurden Tische und 115 Stühle für die wahlberechtigten Kardinäle aufgestellt.
Wer darf den Papst wählen?
Aktuell gibt es 207 Kardinäle in der katholischen Kirche. Wahlberechtigt sind die 115 Kardinäle, die am Tag von Benedikts Rücktritt das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Außerdem bestimmte PaulVI. 1975, dass ihre Zahl 120 nicht übersteigen dürfe. Die Kardinäle verpflichten sich zu Beginn der Versammlung zu absoluter Geheimhaltung – automatische Strafe für den Bruch des Eids ist die Exkommunikation. Aus Sicht der katholischen Kirche wählen die Kardinäle nicht ihren persönlichen Favoriten, sondern den von Gott gewollten Pontifex.
Aus welchen Ländern kommen die Wahlberechtigten?
58 Kardinäle kommen aus Europa. Die Europäer haben also nicht die zunächst erforderliche Zweidrittelmehrheit. Die zweitgrößte Gruppe (21) stellen die Kardinäle aus Süd- und Mittelamerika, aus Nordamerika kommen 14 Kardinäle. Afrika und Asien sind mit je elf Purpurträgern vertreten, Ozeanien mit zwei.
Wer darf als Papst gewählt werden?
Grundsätzlich ist beim Konklave jeder männliche Katholik wählbar, der mindestens 35 Jahre alt ist. Ist die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht, fragt der Kardinaldekan den Betreffenden, ob er die Wahl annimmt und welchen Namen er als Papst tragen will. Wenn es sich um einen Bischof handelt, ist er ab diesem Moment der neue Papst. Andernfalls wird er vom Kardinaldekan zuvor zum Bischof geweiht.
Wie läuft die Abstimmung ab?
Vor dem Beginn des Konklaves feiern die Wahlmänner um 10 Uhr im Petersdom eine feierliche Messe „pro eligendo Papa“ (für den zu wählenden Papst). Am Nachmittag gegen 16.30 Uhr ziehen sie dann feierlich in die Sixtinische Kapelle ein. Vor dem Altar unter Michelangelos Fresko „Das Jüngste Gericht“ befindet sich ein Tisch für die Wahlurne. An den Längsseiten warten Tische und Stühle auf die Kardinäle. Um Einflussnahme durch politische und andere Interessengruppen auf die Papstwahl zu verhindern, findet das Konklave seit dem Mittelalter hinter verschlossenen Türen statt. Vor dem förmlichen Beginn des Konklaves kontrolliert die vatikanische Gendarmerie das Gästehaus Domus Sanctae Marthae und die Sixtinische Kapelle auf Abhörgeräte.
Am ersten Tag findet lediglich ein Wahlgang statt, an den folgenden Tagen am Vor- und Nachmittag dann je zwei Abstimmungen. Dabei schreibt jeder Kardinal in neutraler Schrift unter die vorgedruckten Worte „Eligo in Summum Pontificem“ (Ich wähle zum höchsten Priester) den Namen seines Kandidaten, faltet den Stimmzettel zweimal und trägt ihn mit erhobener Hand zur Urne. Drei Wahlhelfer lesen nach dem Ende der Wahlhandlung jede Stimme einzeln, der dritte von ihnen spricht den Namen laut aus und trägt ihn in eine Liste ein. Der neue Papst muss über zwei Drittel der abgegebenen Stimmen verfügen.
Was bedeuten der schwarze und der weiße Rauch?
Wenn die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zum Konklave versammelt sind, gibt es nur ein erlaubtes Kommunikationsmittel mit der Außenwelt: Rauchzeichen. Die erfolgreiche Wahl eines neuen Papstes wird durch weißen Rauch signalisiert. Schwarzer Rauch zeigt an, dass ein oder zwei Wahlgänge erfolglos waren. Erzeugt wird der Rauch seit dem Konklave vom April 2005 von zwei gusseisernen Öfen. In einem Ofen, der seit 1939 verwendet wird, werden die ausgezählten Wahlzettel verbrannt. In einem modernen Ofen aus dem Jahr 2005 wird mithilfe von Chemikalien weißer oder schwarzer Rauch produziert. Der Rauch steigt aus einem eigens für das Konklave auf dem Dach der Sixtina installierten Schornstein.
Die Ursprünge dieser Tradition liegen weitgehend im Dunkeln. Schon für die Konklave des 17. Jahrhunderts zeigen Darstellungen der Sixtinischen Kapelle einen Ofen, in dem offenbar die Stimmzettel verbrannt wurden. Für die Papstwahl von 1775 im römischen Quirinalspalast ist belegt, dass der Rauch als Signal für die Außenwelt verwendet wurde. Mindestens seit 1878 sind sie fester Bestandteil der Papstwahl. Anfangs wurde zusätzlich zu den Stimmzetteln feuchtes Stroh verbrannt, um schwarzen Rauch zu erzeugen. Zwischenzeitlich sollen im Konklave von 1963 auch einmal Rauchpatronen der italienischen Armee verwendet worden sein.
In der geltenden Wahlordnung für das Konklave von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1996 ist das Rauchsignal nicht mehr ausdrücklich vorgeschrieben. Trotz moderner Hilfsmittel ist die Farbe des Rauchs nicht immer leicht zu bestimmen: Im April 2005 konnten Beobachter sie minutenlang nicht eindeutig ausmachen. Zusätzliche Gewissheit über die Wahl eines neuen Papstes soll seit 2005 das Glockengeläut des Petersdoms verschaffen.
Wie lange dauert die Papstwahl?
Bis zum Osterfest soll es ein neues Oberhaupt der katholischen Weltkirche geben. Die Kardinäle im Konklave können sich jedoch, wenn sie wollen, für die Wahl des neuen Papstes viel Zeit nehmen. Eine Übersicht über die Geschichte der Papstwahlen: Als Papst Gregor X. im März 1271 als Nachfolger Clemens’ IV. den Heiligen Stuhl bestieg, war dieser seit fast drei Jahren unbesetzt. Das in der zentralitalienischen Stadt Viterbo stattfindende Konklave gilt als längstes in der Kirchengeschichte. Im Jahr 1274 erließ Gregor X. eine strenge Konklaveordnung, um künftig ähnlich langwierige Verfahren zu verhindern. Ein Blick ins 20. Jahrhundert zeigt, dass die Papstwahlen zuletzt alle relativ schnell über die Bühne gingen: Kein Konklave dauerte länger als vier Tage. Besonders schnell einigten sich die Kardinäle im Fall Pius’ XII., der am 2. März 1939 nach nur 24-stündigen Beratungen im dritten Wahlgang als neues Oberhaupt der katholischen Kirche feststand. Verhältnismäßig zäh gestaltete sich hingegen im Jahr 1922 die Kür von Pius XI., für dessen Wahl vier Tage und 14 Wahlgänge benötigt wurden. Johannes Paul II. wurde im Oktober 1978 innerhalb von 48 Stunden und acht Wahlrunden gekürt. Sein unmittelbarer Vorgänger Johannes Paul I. brauchte nur 24 Stunden und vier Wahlgänge; er starb 33 Tage später.
Was ist der „Raum der Tränen“?
Nach seiner Wahl zieht sich der neue Pontifex kurz in den angrenzenden „Raum der Tränen“ zurück, dessen Bezeichnung von dem an diesem Ort stattfindenden Abschied des neuen Papstes von seinem alten Leben herrühren dürfte. Anschließend legt er eine der weißen Soutanen an, die der Päpstliche Hofschneider Gammarelli in drei Größen angefertigt hat, und nimmt in der Sixtinischen Kapelle das Gehorsamsversprechen der Kardinäle entgegen. Wenig später verkündet der Kardinalprotodiakon zum Klang der Glocken des Petersdoms auf der Mittelloggia der Basilika „Habemus papam“ und nennt den Namen des neuen Pontifex. Unmittelbar danach zeigt sich der neue Papst und spendet den Segen Urbi et Orbi (der Stadt und dem Erdkreis). Wenige Tage später wird das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mit einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz in sein Amt eingeführt.
Wer sind die Favoriten für diese Papstwahl?
„Papabile“ – geeignet für das höchste Amt der katholischen Kirche – sind einige in den Reihen der 115 Kardinäle. Doch anders als 2005, als der bayrische Kardinal Josef Ratzinger als großer Favorit ins Konklave zog, fehlt diesmal einer, der auf Anhieb mit vielen Stimmen rechnen darf.
Den meisten geht es vermutlich wie Kardinal Karl Lehmann, der im Interview mit Radio Vatikan zugab, sich noch nicht festgelegt zu haben: „Wenn man noch keine innere Gewissheit hat, wem man die Stimme geben soll, ist da schon auch ein Schaudern in einem, vielleicht auch noch ein gewisses Maß an Ängstlichkeit, wenn man sich fragt, ob man wirklich gemeinsam den Richtigen findet.“
Gute Chancen werden dem Kanadier Marc Ouellet eingeräumt. Er ist Präfekt der mächtigen Bischofskongregation und schafft es – verbindlich im Ton, aber hart in der Sache –, katholische Grundpositionen zu verteidigen. Allerdings gilt er als leicht beeinflussbar, das könnte Wähler abschrecken, die sich einen von der Kurie unabhängigen Kandidaten wünschen. Oft genannt wird auch der Erzbischof von Boston, Sean Patrick O’Malley. Doch wäre der US-Amerikaner als Papst der muslimischen Welt vermittelbar? Viele Kardinäle haben da anscheinend Zweifel.
Dritter Kandidat aus Amerika: der Brasilianer Odilo Scherer. Der Erzbischof von São Paulo mit deutschen Wurzeln erlebt in seiner Heimat, wie evangelikale Gemeinschaften der katholischen Kirche erfolgreich Gläubige abwerben. „Man weiß, dass das natürlich innerkirchliche Gründe hat. Man müsste mehr auf Leute zugehen – nicht warten, bis die Leute zu uns kommen. Wir müssten viel mehr die Leute verstehen, nicht einfach sagen, was sie sollen – auch verstehen, was ihre Nöte sind“, sagt Scherer. Für ihn sollen bereits die Kurienkardinäle die Werbetrommel rühren. Und das macht ihn in den Augen vieler Kardinäle, die als Bischöfe aus aller Welt kommen, eher verdächtig.
Dazu kommt allerdings bei vielen italienischen Kardinälen der Wunsch, dass nach zwei „ausländischen“ Päpsten wieder einer aus ihren Reihen gewählt wird. Beste Chancen hat offenbar Angelo Scola aus Mailand. Als der 71-Jährige am Montag in einer Kirche im Zentrum Roms Gottesdienst feierte, war der Anteil der Journalisten in der Gemeinde besonders hoch: „Die Aufgabe der Kirche ist es, dem so hoch entwickelten und gleichzeitig so tief verunsicherten Menschen des 20. Jahrhunderts immer wieder neu die Barmherzigkeit des Vaters als Quelle der Hoffnung zu verkünden.“
Ebenfalls hoch gehandelt wird Christoph Schönborn. Der Erzbischof von Wien gilt als Konservativer, der aber auch solchen zuhört, die Reformen fordern. Auf ihn könnte die Wahl fallen, wenn ein Kandidat gesucht wird, der die meisten der rund eine Milliarde Katholiken weltweit anspricht. Der 68-Jährige zeigte wenig Toleranz im Skandal um missbrauchte Kinder in der Kirche. Er selbst stieg in der kirchlichen Hierarchie auf, nachdem sein Vorgänger nach Vorwürfen der Pädophilie vor 18 Jahren das Amt abgab. Sein größter Nachteil könnte seine Nationalität sein: Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Kardinäle nach Benedikt XVI. einen weiteren deutschsprachigen Papst küren
Der Ghanaer Peter Turkson gilt als afrikanischer Favorit. Dem 64-jährigen Leiter des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden wurde sein Einsatz gegen Gewalt im Zusammenhang mit den umstrittenen Wahlen in Ghana hoch angerechnet. Er kämpft gegen die Armut in Afrika, enttäuschte aber viele mit seiner traditionellen Haltung gegenüber Kondomen zur Bekämpfung von Aids. Turkson hat allerdings bereits einen Tag nach dem Rücktritt Benedikts erklärt, er sei bereit für die Aufgabe, „wenn dies Gottes Wille ist“ – was ihm in der katholischen Kirche nicht nur Freunde gemacht hat.
caro

