Berlinale

Wenn Stars sich zerfleischen: "The Party" im Wettbewerb

Kleines Berlinale-Highlight: Sally Potter versammelt sieben Stars zur großen Seelenzerfleischung. Das ist erstaunlich unterhaltsam.

Und Prost: Hier wird kräftig ausgeteilt - und eingesteckt

Und Prost: Hier wird kräftig ausgeteilt - und eingesteckt

Foto: Adventure Pictures Limited 2017

Mit dem Sektkorken fängt es an. Der landet beim Entkorken in der Fensterscheibe, und das Glas geht zu Bruch. "Wenn das mal kein böses Omen ist", meint die Hausherrin noch. Und natürlich ist es ein Omen. Eigentlich will Janet (Kristin Scott Thomas) ja feiern, dass sie gerade zur Ministerin gewählt wurde, Krönung ihrer politischen Laufbahn. Dass ihre lesbische Schwester Martha (Cherry Jones) und deren jüngere Freundin (Emily Mortimer) den Anlass nutzen, um zu verkünden, dass sie dank künstlicher Befruchtung gleich drei Kinder erwarten, nun gut, das stiehlt dem Anlass vielleicht ein wenig die Schau.

Aber dann muss auch Janets Mann Bill (Timothy Spall), der bislang nur grummelnd im Sessel saß, was loswerden. Dass er erstens todkrank ist und zweitens seine letzten Tage mit einer anderen Frau verbringen will. Deshalb hat Tom (Cillian Murphy), ein Freund des Hauses, auch eine Pistole mitgebracht. Und reichlich Koks, mit dem er sich Mut anschnüffeln muss. Denn Bills Geliebte ist seine Frau.

Nimm Filme mit möglichst vielen Stars

Hollywood ist rar gesät auf dieser Berlinale. Es ist, als hätte Donald Trump bereits eine Ausreiseverfügung für Filmstars verfügt, Dieter Kosslick hat einfach niemanden gewinnen können. Und sich vorsorglich anderswo umgeschaut, um den unabdingbaren Glamour auf den Teppich zu bringen. Um den Star-Schnitt ein wenig in die Höhe zu treiben, hat er gleich mehrere Filme ins Programm gehievt, die auf einer Feier spielen und gleich mehrere Stars zur Seelenschlacht animieren.

Den Auftakt machte am Freitag "The Dinner" mit Richard Gere, Laura Linney und Steve Coogan. Nun ist, selbst im Titel ähnlich, "The Party" an der Reihe, der neben den bereits Genannten noch Patricia Clarkson und, jawohl, Bruno Ganz versammelt. Und man muss sagen: Der Schwarz-Weiß-Film von Sally Potter, die schon mit "Yes" und "Rage" auf der Berlinale war, ist das überzeugendere Opus. Weil es nicht so hoch hinaus will wie "The Dinner", der gleich die Seelenlandschaft einer ganzen Nation sezieren wollte.

Hier werden immer schwere Geschütze aufgefahren

Hier werden einfach nur sieben scharf konturierte Figuren aufeinander losgelassen, und die tun das so gemein und zynisch, dass es eine Lust ist. Zumindest für den Zuschauer. Da werden immer schärfere Geschütze aufgefahren, da landen Glassplitter im Knie, Fäuste in Gesichtern, Canapés verkohlen im Ofen, und die Tschechowsche Maxime, dass eine Pistole, die auftaucht, auch benutzt werden muss, wird auch erfüllt.

"The Party" funktioniert so geschliffen, als basiere er auf einem lang erprobten Theaterstück, dabei hat Sally Potter das Drehbuch selbst verfasst. Und sie walzt ihr tragikomisches Satyrspiel nicht unendlich aus wie so viele andere Wettbewerbsbeiträge, nach nur 71 Minuten setzt sie noch mal einen unerwarteten Schlusspunkt. Es wird
dies übrigens nicht die letzte Star-Fete sein. Im Berlinale Special läuft am kommenden Freitag noch die Eugen-Ruge-Adaption "In Zeiten des abnehmenden Lichts", die zumindest deutsche Spitzenstars vereint. Dann noch einmal mit Bruno Ganz.

Termine: Friedrichstadt-Palast, 14.2., 12 Uhr und 20 Uhr; Haus der Berliner Festspiele, 14.2., 12.30 Uhr; Berlinale Palast, 19.2., 12.15 Uhr

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