Ist das noch Kunst oder schon Pornografie? Diese Frage treibt die Filmwelt um, seit im vergangenen Jahr erste Details zu Lars von Triers neuem Film „Nymphomaniac“ bekannt geworden waren. Die Schauspieler hätten vor der Kamera echten Sex gehabt und zeigten auf den Plakaten ihr wahres Orgasmus-Gesicht, so hieß es. Der dänische Regisseur konnte sich also der ungeteilten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sicher sein, als er sein jüngstes Werk am Sonntagabend in Berlin endlich zum ersten Mal präsentierte.

Denn bis dato hatten den vermeintlichen Skandal-Film nur ein paar ausgewählte Journalisten gesehen. Nach der Premiere im Berlinale-Palast sollten sich nun aber auch die Kinobesucher ein Urteil erlauben dürfen. Dass er gerne provoziert, hatte der dänische Filmemacher bereits beim Photocall am Nachmittag wieder einmal unter Beweis gestellt.

Regisseur provoziert wieder

Letzterer hatte aber offenbar auch keine Lust, sich über die expliziten Sex-Szenen des Films zu unterhalten. Nachdem der US-Star bereits den Photocall nur missmutig und mit einem tief ins Gesicht gezogenen Basecap über sich hatte ergehen lassen, verließ er die Pressekonferenz nach der entsprechenden Frage eines Journalisten nach nur fünf Minuten. Am Abend verblüffte er das Publikum mit einer Papiertüte über den Kopf, auf der stand: „Ich bin nicht mehr berühmt“ zum roten Teppich.

Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg, die sich eigentlich zur Premiere angekündigt hatte, war kurzfristig lieber nach Paris geflogen. „Charlotte wäre sehr gerne hier gewesen, aber sie hat gerade einen Film in Kanada gedreht und deshalb hatte ihre Familie jetzt Priorität“, erklärte der Moderator der Pressekonferenz. Dafür kam Stacy Martin, die in „Nypmphomaniac“ Gainsbourgs jüngeres Alter Ego spielt.

„Das ist mein erster Film. Lars hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt“, sagte die Nachwuchsschauspielerin. Mit der Freizügigkeit vor der Kamera habe sie keine Berührungsängste gehabt. „Die Sex-Szenen gehören einfach zu dem Film dazu“, so die 22-Jährige. Diese Einschätzung teilte Christian Slater. „Lars schafft am Set eine Komfortzone. Er ist eine sensible Seele, ein gutes Herz. Er weiß, was es heißt, in der Haut des Schauspielers zu stecken“, erklärte der Hollywood-Star.

Stellan Skarsgård hat von den Dreharbeiten eine angenehme Erinnerung im Gedächtnis behalten. „Ich war zwei Wochen mit Charlotte Gainsbourg in einem Zimmer eingesperrt. Es gibt Schlimmeres“, so der Schwede. Seine Kollegin Uma Thurman freute sich an diesem Tag ganz besonders, auf der Berlinale zu sein. „Ihr könnt stolz sein, eines der ältesten Filmfestivals in eurer Stadt zu haben“, sagte sie den Berlinern.